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Fluchtweg: Ein großes Fenster zeigt in Richtung der Garagenauffahrt des Hauses.

„Wo soll ich denn hin?“

20 Zentimeter sorgen für Behörden-Zoff: Verzweifelter Truderinger muss seine Wohnung verlassen

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Anton Schaal kann es nicht fassen: Der Truderinger muss raus aus der Kellerwohnung, in der er seit 15 Jahren lebt. Weil die Räume zu niedrig sind, schreiben die Behörden.

München - Und weil es im Brandfall nicht ausreichend Fluchtwege gäbe. „Wo soll ich denn hin“, fragt Schaal verzweifelt. „Wie soll ich jetzt mit 66 Jahren und einer geringen Rente hier eine Wohnung finden? Welcher Vermieter im teuren München nimmt denn schon einen Rentner, der ohne Zuverdienst nicht über die Runden käme?“

Dass er auf diese Fragen keine Antwort findet, bereitet ihm schlaflose Nächte. Weil Anton Schaal einen Großteil seines Lebens selbstständig war, bekommt er nur eine geringe staatliche Rente: 1000 Euro im Monat. Bis vor Kurzem dachte er dennoch, er habe seine Altersversorgung gut geplant. Im Jahr 2000 kaufte er – auf Kredit natürlich – eine 163-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Trudering. Zudem einige Kellerräume. Diese baute er – mit Einwilligung der Eigentümer der anderen Wohnungen im Haus, zu einer Wohnung aus und zog ein. Die Wohnung oben vermietete er. Von den Mieteinnahmen (Warmmiete momentan 2400 Euro), bezahlt Schaal die anfallenden Kreditraten.

Das Anwesen in Trudering: Eine Wohnung hat Schaal vermietet, in der Kellerwohnung lebt er.

Ihm selbst bringt die vermietete Wohnung monatlich rund 300 Euro Zusatzverdienst. Das Geld braucht er für seinen Lebensunterhalt – zusätzlich arbeitet er, er organisiert die Verteilung von Werbeprospekten. „Ich habe es mir so eingerichtet, dass ich einigermaßen gut über die Runden komme“, sagt er. Und dass er sich in den vergangenen 15 Jahren sehr wohl fühlte in seiner Kellerwohnung.

Schaal versichert: Fenster könnte man vergrößern

Die ist rund 55 Quadratmeter groß: ein Schlafzimmer, ein Bad, ein Wohnraum. Hell ist es in den Kellerräumen. In einem Zimmer gibt es einen Lichtschacht, beim Wohnzimmer hat Schaal ein Fenster einbauen lassen, das auf die Einfahrt zur Tiefgarage zeigt. Durch dieses Fenster könnte der Rentner leicht flüchten, sollte es in dem Keller mal brennen – dies demonstriert er beim Besuch unserer Zeitung. Außerdem könne er das Fenster vergrößern, versichert er. Die Einwilligungen der übrigen Wohnungseigentümer bekäme er, da sei er überzeugt.

Nutzt nichts – jedenfalls nach momentanem Stand. Denn das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat Anton Schaal das Wohnen im Keller verboten und pocht auf die Raumhöhe. Diese ist mit 2,20 Metern zu niedrig – die Bayerische Bauordnung verlangt 2,40 Meter, bei ausgebauten Wohnräumen im Speicher reicht eine Raumhöhe von 2,30 Metern.

Der 1,86-Meter-Mann: Anton Schaal kann mit der Hand die Decke erreichen - warum das ein Problem sein soll, ist ihm zu hoch

„Ich bin wirklich kompromissbereit“

Los ging der Behördenärger im Frühjahr, ausgelöst durch eine anonyme Anzeige. „In Speicherräumen gibt es Dachschrägen, bei mir nicht, ich finde meine Wohnung sehr komfortabel im Vergleich zu einer in einem Speicher“, rechtfertigt sich Schaal. Er sieht durch die geringe Raumhöhe auch keine Gefahr für seine Gesundheit. Er ist 1,86 Meter groß und kann mit seinem Arm die Decke erreichen – aber wieso das ein Problem sein soll, das versteht er nicht.

Trotzdem: Die Frist, in der er raus muss, ist am vergangenen Freitag abgelaufen. Immerhin aber scheinen die Behörden zu wissen, dass sich der 66-Jährige nicht einfach in Luft auflösen kann – und scheinen zu einer Verlängerung der Frist bereit. Am vergangenen Montag beantragte Schaal über seinen Anwalt einen Aufschub von 15 bis 18 Monaten. Er hofft, die Behörden irgendwie umstimmen zu können. Immerhin: Das Planungsreferat schrieb auf Merkur-Anfrage, es sei mit Anton Schaal in Kontakt. „Hoffentlich finden wir eine Lösung“, sagt der. „Ich bin wirklich kompromissbereit.“ 

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