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Ukraine-Krieg: Reiter nach Klitschko-Rede in Münchner Stadtrat zurückhaltend – weder Frühlingsfest noch Wiesn?

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Von: Franziska Konrad, Thomas Eldersch

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Kiews Bürgermeister war am Mittwoch live im Münchner Stadtrat zugeschaltet. In einer emotionalen Rede schilderte er den schrecklichen Alltag im Ukraine-Krieg.

Update vom 23. März, 17.30 Uhr: Nach der Rede von Vitali Klitschko im Münchner Stadtrat hat sich Oberbürgermeister Dieter Reiter zum geplanten Frühlingsfest Ende April geäußert. Wegen des Krieges in der Ukraine meinte er im Bezug auf das Volksfest im Interview mit dem Radiosender Gong 96.3: „Ich persönlich kann mir nur schwer vorstellen eines zu besuchen, fröhlich zu sein, Bier zu trinken, Karussell zu fahren, wenn gleichzeitig in der Ukraine Krieg herrscht und täglich Menschen sterben“.

Und auch bei der Wiesn im Herbst gab er sich zurückhaltend: „Ich muss schon schauen, was in dieser Welt passiert und es gibt dann auch übergeordnete Gründe, die noch wichtiger sind, als ein Volksfest abzuhalten.“

Klitschko mit emotionaler Rede vor Münchner Stadtrat: „Wir werden weiterkämpfen“

Update vom 23. März, 10.07 Uhr: Viele Münchner helfen den ukrainischen Flüchtlingen. „Die Hilfsbereitschaft ist riesig.“ München will noch viel mehr für seine Partnerstadt tun. Wichtige Güter sind auf dem Weg nach Kiew. „Danke dafür, dass ihr unsere gemeinsamen Werte verteidigt“, endet Reiter. Klitschko bekräftigt: „Wir werden weiter kämpfen.“ Deutschland sei für ihn eine zweite Heimat. „Ein großer Teil meiner Seele ist deutsch.“ Er freue sich deshalb besonders, dass er aus Deutschland so viel Hilfe bekommt. Klitschko hofft auf einen schnellen Frieden in der Ukraine. Es gab wieder Angriffe auf Kiew. Er müsse jetzt los, ein großer Teil seiner Aufgabe sei es jetzt, Menschenleben zu retten. Damit endet die Übertragung nach Kiew. Es folgt eine Schweigeminute für die Opfer des Krieges.

Update vom 23. März, 10.02 Uhr: Klitschko beendet seine emotionale Rede und der Münchner Stadtrat applaudiert im Stehen. Jetzt ergreift Dieter Reiter das Wort. Er ist tief betroffen, von den Worten Klitschkos. Jeden Tag sieht man auch in Deutschland, wie viele Opfer der Krieg fordert. Reiter sei wütend auf den russischen Machthaber, „der dieses Leid verursacht“. Viele Ukrainer in München sind voller Hoffnung, bald in die Heimat zurückzukehren. „Ihr kämpft nicht nur für euch, sondern für unser aller Demokratie“, fährt Reiter fort. München steht an der Seite von Kiew. Klitschkos Forderung nach der Einstellung der wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland muss die Bundesregierung bald nachkommen. München habe keine Verbindungen nach Russland.

Klitschko spricht vor dem Münchner Stadtrat: Sanktionen sollen Russland in die Knie zwingen

Update vom 23. März, 9.58 Uhr: Klitschko hofft auf die russische Bevölkerung. Sie müsse sich gegen die Regierung stellen. Er hofft darauf, dass die Sanktionen gegen das Land Wirkung zeigen. Er sehe keine andere Lösung. „Die Ukraine ist freundlich. Wir sind Europäer.“ Man sei kein Brudervolk von Russland. Putin habe die Freundlichkeit der Ukraine ausgenutzt. Klitschko fordert alle auf, die Ukraine zu unterstützen. „Wir sind bereit, zu kämpfen. Wir brauchen Unterstützung.“ Deutsche Politiker müssen sich positionieren. Man kann nicht für die Ukraine sein und gleichzeitig freundlich zu Russland.

Update vom 23. März, 9.52 Uhr: Eine letzte Nachricht hat Klitschko noch nach München. „Ein Wolf kann seine Zähne verlieren, seinen Charakter nie.“ Man darf Putin nie mehr vertrauen. Die Ukraine habe alle seine nuklearen Waffen abgegeben und Russland hätte ihnen Schutz versprochen. Man sieht nun, was daraus geworden ist. Russland investiert sein Geld nicht in sein Volk, sondern ins Militär. Jetzt geht alles Geld in den Krieg gegen die Ukraine, fährt Klitschko fort. Wie könne der Krieg enden? Putin werde sich nicht zurückziehen. Klitschko hofft aber immer noch auf die Gespräche mit Russland. Es muss ein Kompromiss gefunden werden. Aber wie kann dieser aussehen? „Sollen wir einen Teil der Ukraine abgeben?“ Dieser Krieg könne noch Monate dauern, prognostiziert Kiews Bürgermeister. Es werde tausende Leichen geben, auch auf russischer Seite.

Update vom 23. März, 9.48 Uhr: „In Kiew werden niemals Russen sein. Lieber sterben wir, als den Aggressor in unsere Stadt zu lassen. Wir werden keine Sklaven sein“, fährt Klitschko fort. Wir kämpfen nicht für unser Land, sondern für Werte. Wir kämpfen auch für Deutschland, fährt er fort. Man weiß nicht, wie weit Putin noch gehen werde. Schockiert zeigt sich Klitschko auch über die Verwüstungen in Mariupol. Der dortige Bürgermeister geht von 60.000 toten Zivilisten aus. Viele Städte hätten nicht mal die nötigste Grundversorgung. Daher bedankt sich Klitschko für die Hilfe aus Deutschland.

Klitschkos emotionale Rede vor dem Münchner Stadtrat: „Das ist ein Genozid“

Update vom 23. März, 9.44 Uhr: Klitschko zeigt Raketenteile. Die Flugkörper sind mit Metallteilen gefüllt. Sie seien darauf ausgelegt, Menschen in Massen zu töten. „Das ist ein Genozid.“ Die Situation in der Ukraine ist dramatisch, fährt Klitschko fort. Keiner hätte jemals gedacht, eine Waffe in die Hand nehmen zu müssen. Raketen schlagen hier regelmäßig in Privathäuser ein. Die Bewohner richten sich verzweifelt an ihn. Sie wissen nicht, wo sie jetzt hinsollen. Schockiert und berührt hat die ihn die Aussage eines Opfers. „In dieser Stadt hab ich mein ganzes Leben verbracht. Hier ist meine Familie und meine Freunde. Ich bitte sie um eine Waffe, um meine Stadt zu verteidigen.“ Die Menschen haben eine riesige Wut, fährt Klitschko fort.

Update vom 23. März, 9.40 Uhr: Russland hatte versucht, in wenigen Tagen Kiew zu erobern. Es war ihr Hauptziel. Nach vier Wochen schaffen sie es immer noch nicht in die Stadt. „Keiner in Europa hätte das geglaubt.“ In Kiew kämpfen alle für ein größeres Ziel, alle kämpfen für ihre Familien und die Freiheit. Klitschko hat schon mit vielen Politikern im Westen gesprochen. Viele glauben den Krieg weit weg. Doch er ist in der europäischen Mitte angekommen. „Er betrifft jeden.“ Klitschko glaubt, Putin werde nicht bei der Ukraine haltmachen. Alle ehemaligen Sowjetrepubliken seien bedroht.

Update vom 23. März, 9.35 Uhr: Jetzt spricht Klitschko von seinem Vater. Er war überzeugter Kommunist. Er glaubte der sowjetischen Propaganda. Sein Sohn wollte ihn davon überzeugen, dass die Menschen im Westen auch nett sind. Aber sein Vater ließ sich nicht überzeugen. Ähnlich gehe es den Menschen in Russland gerade auch. Selbst intelligente Menschen glauben die Propaganda. Klitschko soll Russen hassen, dies werde in Russland verbreitet. „Meine erste Sprache ist russisch. Ich habe nichts gegen Russland“, betont der Bürgermeister. „Ich bin halb Russe und Bürgermeister von Kiew. Mein Präsident ist Jude. Wovon sprechen wir hier?“ Die Propaganda wirkt. Putin hat verstanden, dass die Medien die wichtigste Waffe in modernen Kriegen sind.

Update vom 23. März, 9.33 Uhr: 14.000 Menschen seien schon evakuiert worden. Wie viele Tote es in Kiew gibt, weiß er nicht. Man kann sie nicht alle zählen. Aber auch die Russen haben Soldaten verloren. Keiner kann sagen, wie viele Opfer es bislang gab, fährt Klitschko emotional fort. Vielen Städten in der Ukraine gehe es wie Kiew.

Kiews Bürgermeister Klitschko vor dem Münchner Stadtrat: Putin will ein neues Imperium aufbauen

Update vom 23. März, 9.30 Uhr: Millionen Flüchtlinge sind schon unterwegs. „Die Stadt ist halb leer.“ Durch die Straßen Kiews ziehen bewaffnete Kräfte. Jede Stunde höre er Explosionen in der Nähe von Kiew, so Klitschko. Er selbst kann es spüren, wie die Gebäude durch die Einschläge erzittern. Kiews Bürgermeister fragt sich, wo das Ziel dieser Angriffe ist. Putin will ein großes, neues Imperium aufbauen. Ihm sei das wichtiger als „die Menschen und die Ruhe in Europa“.

Update vom 23. März, 9.26 Uhr: Klitschko ist bereit. Es geht los. OB Reiter begrüßt den Partnerstadt-Bürgermeister Klitschko. Er beginnt nachdenklich. Er hätte es nicht geglaubt, wenn ihm einer vor zehn Jahren gesagt hätte, dass Russland die Ukraine angreifen würde. Nicht einmal vor zwei Monaten hätte er das geglaubt. „Wenn tausende Zivilisten sterben und die Infrastruktur zerstört wird“, er hätte es nicht geglaubt. Jeden Morgen denkt Klitschko, „dass das alles nur ein Alptraum ist“. Dann holt ihn die Realität ein.

Update vom 23. März, 9.23 Uhr: In fünf Minuten geht es los. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko wird gleich vor dem voll versammelten Münchner Stadtrat sprechen.

Video: Schwere Angriffe auf Mariupol

Erstmeldung vom 22. März: München – Als Bürgermeister der Hauptstadt Kiew spielt auch Vitali Klitschko im Ukraine-Krieg eine wichtige und prägende Rolle. Am Mittwoch, 23. März, soll der ehemalige Profiboxer per Video im Münchner Stadtrat zugeschaltet werden.

Ukraine-Krieg: Klitschko spricht im Münchner Stadtrat

Wie die Stadt mitteilte, ist das Gespräch mit Klitschko gleich zu Beginn der Sitzung um 9 Uhr geplant - „sofern es die Lage in Münchens Partnerstadt erlaubt, die seit Wochen von den russischen Streitkräften beschossen und zunehmend eingekesselt wird“.

Im Anschluss soll es im Stadtrat eine Schweigeminute für die Opfer des russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geben. Außerdem soll es in der Sitzung um geplante Unterstützung für die Ukraine und ukrainische Kriegsflüchtlinge gehen.

Ukraine-Konflikt: Live-Schalte mit Klitschko nach München geplant

Vor rund zwei Wochen waren Vitali Klitschko, der seit 2014 Bürgermeister von Kiew ist, und sein Bruder Wladimir schon per Live-Schalte zu Gast in der Sitzung des Würzburger Stadtrats.

München ist die Partnerstadt Kiews. Dies war auch einer der Gründe, warum Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), den russischen Dirigenten und Freund von Wladimir Putin, Waleri Gergijew, zu einer Stellungnahme gegen den Krieg aufgefordert hat. Dieser hatte sich nicht positioniert und wurde anschließend rausgeworfen. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (kof/dpa)

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