Bayern, München: Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH)
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München: Der Bayerische Oberste Rechnungshof

„Bodenlose Frechheit“

64.000 Euro für‘s Taxi? LMU München nach brisantem Bericht am Pranger - Ministerium nimmt Stellung

Die LMU München soll sich auf Kosten des Steuerzahlers einiges gegönnt haben: Tausende von Euro wurden wohl für Uni-Tagungen und Feiern in Venedig verprasst. Jetzt gibt es Ärger.

  • Tausende von Euro soll die LMU für Tagungen, Taxi-Fahrten und ähnliches verprasst haben
  • Der Bayerische Oberste Rechnungshof wirft der Uni München Verschwendung von öffentlichen Geldern vor
  • Die Universität weist die Vorwürfe zurück: Es werde „Hervorragendes geleistet“

Update vom 10. August 2020, 13:00 Uhr: Nach dem internen Bekanntwerden der Verschwendungsvorwürfe gegen die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München hat das bayerische Wissenschaftsministerium eine detaillierte Prüfung angeordnet. „Es wurde darauf gedrängt, eine Stabsstelle unter externer Leitung einzurichten, die die Feststellungen des ORH aufarbeitet“, sagte eine Sprecherin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Deren Arbeit wurde unterdessen abgeschlossen, auch die abschließende Stellungnahme der LMU liegt dem Ministerium nun seit Ende Juli vor. Das Ministerium selbst habe den Fall hingegen noch nicht abschließend bewertet, sagte die Sprecherin.

Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) hatte in einem bislang unveröffentlichten und am Donnerstag bekanntgewordenen Prüfungsbericht aus dem Jahr 2018 beispielsweise Taxikosten von 64 000 Euro für einen einzigen Mitarbeiter und Tausende Euro für eine interne Fortbildung in Venedig moniert.

„Gerade auch Institutionen mit hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung wie Hochschulen müssen bei ihrem Finanzgebaren ihre Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit im Blick haben. Die Verwendung von Steuergeldern muss immer den Prinzipien der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit folgen“, betonte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). Die Universität wurde angewiesen, sofort Maßnahmen zur Einhaltung des staatlichen Haushaltsrechts zu ergreifen und die Vorwürfe zu prüfen.

Die Universität hatte die Vorwürfe der Verschwendung von Steuergeld zurückgewiesen und betont, sie sehe weder „straf- noch dienstrechtlichen Handlungsbedarf“ gegen Mitarbeiter.

LMU München am Pranger: 64.000 Euro für's Taxi - brisanter Bericht bringt Uni in Nöte

Erstmeldung vom 06. August, 17:32 Uhr: Kein Tagungszentrum in der Stadt? - Für die Ludwig Maximilians Universität München* kein Grund zur Traurigkeit, schließlich ist es doch eh viel schöner nach Venedig* zu fahren. Wie viel sich die LMU das regelmäßig kosten lässt, geht jetzt aus einem bislang unveröffentlichten Prüfungsbericht des Bayerischen Obersten Gerichtshof (ORH) hervor.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, verrechnete die Uni über die letzten Jahre Tausende Euro für Taxifahrten, Essen in teils gehobenen Restaurants und Hotels. So hatte ein Dekan eine 12.000 Euro schwere Abschiedsparty mit touristischem Programm bekommen und zwei „interne Strategie-Tagungen“ kosteten die LMU 15.000 und 17.000 Euro. Eine dieser Tagungen wurde beispielsweise für eine Fakultät von 20 Leuten abgehalten. Über die Jahre kommt da schon einiges zusammen. Verschwendung? - Nicht wenn man die LMU München fragt.

Als beste deutsche Universität darf sich die Ludwig-Maximilians-Universität in München bezeichnen.  Sie schafft es mit Platz 49 als einzige deutsche Uni in die Top 50 des weltweiten Rankings.

LMU München verteidigt sich gegen Venedig-Vorwürfe: „Von Verschwendung kann keine Rede sein“

Es sind schwere Anschuldigungen für die hochgehaltene Elite- oder Exzellenz-Uni* in München, die Partnerschaften mit Universitäten auf der ganzen Welt pflegt und deren Zahlungstelle unzählige Dienst-, Forschungs- und Austauschreisen* koordiniert. Die LMU selbst weist die Vorwürfe zurück. In einer offiziellen Stellungnahme wird betont, dass „kein Handlungsbedarf gegen Mitglieder der LMU in straf- bzw. dienstrechtlicher Hinsicht“ bestehe. Die LMU gehe sorgsam mit öffentlichen Geldern um, und „in den Fakultäten wird unter schwierigen Rahmenbedingungen Hervorragendes geleistet“ . 

Die Anschuldigungen sind aber nicht neu. Schon 2018 wurde gegen ein Mitglied des fünfköpfigen LMU-Präsidiums ermittelt: Wegen mutmaßlichen Betruges bei der Reisekostenabwicklung. Gegen eine Zahlung wurde das Verfahren* Ende Juni eingestellt. Im Fokus der Ermittlungen standen besonders die erstatteten Taxifahrten des Fakultätsmitglieds: 64.000 Euro bekam er für Taxifahrten von seinem Wohnort nach München zurück. Laut SZ war dieser Wohnort 90 Kilometer von München entfernt.

LMU München verschwendet Gelder: Auch die Studierenden sind sauer

Auch die Liberale Hochschulgruppe (LHG) ist stinksauer: „64.000 Euro Taxifahrten für einen einzigen Beschäftigten für Fahrten vom Dienstort nach Hause - das ist eine bodenlose Frechheit!“ meint Daniil Shalumov, Pressesprecher der LHG München. „Gerade erst, inmitten einer sehr schweren Zeit*, wurde der Semesterbeitrag* für die Studenten erhöht.“

Nach eigenen Angaben hatte der ORH auch weitere Hochschulen in Bayern unter die Lupe genommen. „Derartige Auffälligkeiten sind an keiner der geprüften Hochschulen festgestellt worden“, teilte ein Sprecher am Freitag mit

Zuletzt verschwendete die Uni München Geld für einen peinlichen Baufehler* und sorgte damit für Schlagzeilen. (vs) *Merkur.de und tz.de sind ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks 

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