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Das Provisorium wird wohl dauerhaft bleiben: die Kindertagesstätte auf dem Candidplatz unterhalb des Sechzgerstadions in Untergiesing.

Skandal am Candidplatz

Wegen Klage von Nachbar: Kita-Kinder müssen in Containern spielen

München - Erneut hat ein Nachbar gegen einen geplanten Kindergarten-Neubau geklagt. Dieses Mal geht es um eine Einrichtung auf dem Candidplatz. Im Bezirksausschuss spricht man von einem Skandal.

Schlechte Stimmung im BA 18. Der marode Kindergartenbau an der Schönstraße 9 beschäftigt das Stadtteilgremium bereits seit Langem. Vor zwei Jahren hatte der Elternbeirat sich in einem Schreiben an das Referat für Bildung und Sport (RBS) massiv über den äußerst desolaten baulichen Zustand des Pavillions beschwert. Fast 70 Kinder werden dort betreut.

Errichtet worden war der Containerbau auf dem Candidplatz 2003 mit Hilfe einer Ausnahmeregelung. Denn der Bereich ist durch einen Bebauungsplan als öffentliche Park- und Verkehrsfläche festgesetzt. Seit 1969 ist dieser rechtsverbindlich. Begründet wurde er damals mit dem Stellplatzbedarf des Stadions an der Grünwalder Straße. Aus dem Provisorium, das ursprünglich nur für zwei Jahre vorgesehen war, wurde eine Dauerlösung. Die Suche nach Alternativstandorten erwies sich als schwierig. 2014 schließlich – nach den Elternprotesten sowie mehreren Anträgen aus dem Stadtrat und dem BA – gab die Stadt erst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag und danach die frohe Kunde bekannt: aufgrund der Dringlichkeit werde geplant, den Pavillon abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. 2017 könne voraussichtlich alles fertig sein.

Kindergartenplätze werden dringend benötit

Am 13. Mai jedoch teilte das RBS den Eltern auf Anfrage mit, dass die Baugenehmigung zwar im Januar erteilt worden, aber nicht vollziehbar sei. Ein Nachbar habe Klage beim Verwaltungsgericht (VG) München eingelegt. Und zudem durch ein Eilverfahren beantragt, dass die Klage für die Baugenehmigung aufschiebende Wirkung entfaltet. Das VG habe dem Antrag im April stattgegeben, heißt es weiter in dem Schreiben. Solange nicht über die Hauptklage entschieden sei, dürfe die Stadt nicht mit dem Bau beginnen. Sie habe inzwischen gegen den Beschluss vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) Beschwerde eingelegt. Darüber werde innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate entschieden.

Das Fazit: Derzeit sei nicht abschätzbar, ob überhaupt – und wenn ja, wann – mit dem Bau begonnen werden könne. Erst nach der Entscheidung des VGH könne die Stadt entscheiden, wie es weitergeht. „Da uns der Zustand des Containers für den Kindergarten bewusst ist, suchen wir gleichzeitig wieder nach Alternativen“, schreibt das RBS. „Es ist skandalös, dass schon wieder dringend benötigte Kindergartenplätze durch eine Klage verhindert werden“, schimpfte Christa Knappik (SPD).

"Es geht um das Wohl der Kinder"

Für den BA drängt nun die Zeit. Deshalb zielt der Antrag der CSU-Fraktion in mehrere Richtungen. Geklärt werden müsse auch, „ob man mit dem Anwohner auf einen gemeinsamen Nenner kommt“, so BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). „Der Candidplatz braucht auch dringend einen neuen Bebauungsplan.“ Im Idealfall erfolge dies im Zusammenhang mit dem geplanten neuen Wohnquartier auf dem benachbarten Osram-Areal – auch zeitlich. Das RBS wird zudem gebeten, vorsorglich mit dem BA einen vorübergehenden Standort für den Kindergarten abzustimmen. Die BA-Mitglieder stellten sich geschlossen hinter den Antrag. „Es geht jetzt um das Wohl der Kinder“, so Knappik.

Brigitta Wenninger

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