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Die Grundschule in der Rothbuchenstraße braucht mehr Platz, es wird zu eng.

Schichtbetrieb auf Harlachinger Pausenhof

Eltern schlagen Alarm: Unsere Schule platzt aus allen Nähten

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Schichtbetrieb auf dem Pausenhof, kein Musikraum und keine Schulbibliothek mehr – die Eltern der Grundschule an der Rotbuchenstraße in Harlaching schlagen Alarm!

München - „Unsere Schule platzt aus allen Nähten“, klagt Christian Wimmer, der mit anderen Eltern eine Unterschriftenaktion gestartet hat. Ihr Wunsch: Sie möchten die leerstehende Containeranlage für Flüchtlinge nutzen, die direkt neben der Schule errichtet worden war. Dafür haben die Eltern 1544 Unterschriften gesammelt, die sie heute im Rathaus an die dritte Bürgermeisterin Christine Strobl übergeben wollen.

Mit 27 Klassen und 679 Schülern ist die Harlachinger Schule eine der größten Grundschulen Bayerns – und die Schülerzahl wächst weiter. Schon im kommenden Jahr sollen es hier 709 Kinder sein. „Sechs vierte Klassen werden die Rotbuchenschule heuer verlassen, die erste Klasse startet mittlerweile siebenzügig“, sagt Wimmer. Kein Wunder, dass die Schule in Raumnot gerät. Für die Schüler sind die Konsequenzen bitter. „Zuletzt wurde schweren Herzens das Musikzimmer geopfert und in ein Klassenzimmer umfunktioniert“, so Wimmer. Auch die Schulbücherei hatte schon weichen müssen – und Räume für Förderunterricht sind nicht vorhanden. „Wir sind immer am Anschlag“, ärgert sich Wimmer.

Der chronische Platzmangel treibt in Harlaching mittlerweile skurrile Blüten. So ist das Klettergerüst im Pausenhof der Schule nur noch im Schichtbetrieb zugänglich. „In der ersten Pause sind die Erst- und Zweitklässler dran, in der zweiten Pause dürfen dann die Großen klettern“, erklärt Wimmer. Die Lösung sollen also die Container neben der Schule sein. Die waren im vergangenen Jahr für Flüchtlinge mit Kindern errichtet worden, sind bisher aber unbewohnt. Ob sie für den Schulbetrieb überhaupt nutzbar wären, war gestern von der Stadt nicht zu erfahren. Für die Eltern sind sie aber die letzte Hoffnung. Denn einem Ausbau des Dachgeschosses im alten Schulgebäude haben Statiker eine Absage erteilt.

Doch die Stadt winkt ab. Die Container seien ursprünglich für unbegleitete Minderjährige errichtet worden. Nachdem deren Zahl zurückgegangen war, sollen – nach dem nötigen Umbau – alleinerziehende Flüchtlingsfrauen mit Kindern bis zehn Jahren einziehen. „Planungsrechtlich ist eine langfristige Nutzung dieses Gebäude nur im Kontext mit Flüchtlingen möglich“, heißt es aus dem Sozialreferat. Trotzdem wollen die Eltern nicht aufgeben. „Wir sind optimistisch, jetzt ist aber erst mal die Stadt am Zug“, sagt Wimmer. „Fest steht, dass wir nicht lockerlassen werden!“

Dramatische Zahlen

Nicht nur in München steigen die Schülerzahlen – auch bundesweit gibt es diesen Trend. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung rechnet bis 2030 mit 8,6 Millionen Schülern (derzeit 8 Millionen). Die Kultusministerkonferenz war bisher vom entgegengesetzten Trend ausgegangen und rechnete bis 2025 mit 7,2 Millionen Schülern. Simone Fleischmann, Präsidentin des bayerischen Lehrerverbands, warnt vor Lehrermangel, gerade an Grund-, Mittel- und Förderschulen: „Es brennt lichterloh – der Handlungsdruck ist hoch.“

Immer mehr Schüler

Susanna Wehner (42), Mitglied im Elternbeirat: „Nächstes Jahr wird es noch mehr erste Klassen geben. Dann sind es insgesamt sieben Stück. Ich weiß nicht, wie es dann überhaupt weitergehen soll. Die Kinder sitzen ja jetzt schon in völlig überfüllten Klassenzimmern. Jetzt hat die Schule schon beim Hort angefragt, ob sie dort Räume nutzen kann. Das ist irre.“

Brauchen Container

Christian Wimmer (51) mit seinem Sohn Corvin (9): „Es fehlt an allen Ecken Platz: So muss der Musikunterricht im Klassenraum ohne jegliche Instrumente stattfinden, und wenn ein Theaterstück aufgeführt wird, entfällt der Sportunterricht, denn es gibt auch nur eine Turnhalle. Alle Räume müssen irgendwie doppelt besetzt werden – wir brauchen hier dringend einen Container.“

Stadt hat sich vertan

Karen Wildauer (42) Mitglied im Elternberat: „Die Kinder haben kaum Platz: Vor allem ist der Pausenhof viel zu klein. Der Container wäre die einzige Möglichkeit, die Schule schnell zu vergrößern, damit die Kinder endlich etwas mehr Raum haben. Die Stadt hat sich bei der Entwicklung der Schüler-Zahlen offensichtlich leider völlig vertan.“

Viel zu große Klassen

Sabine Huber (40), Hausfrau mit Sohn Luca (9): „Die Zimmer sind leider viel zu klein für die Größe der Klassen! Durchschnittlich gibt es 28 Kinder pro Klasse – da geht man schnell mal unter. Außerdem gibt es auch viel zu wenig Räume in dem Schulhaus: In den letzten Jahren wurden wegen diesem Platzmangel schon das Musikzimmer und die Bibliothek aufgelöst. Das ist doch echt traurig.“

Eine Katastrophe

Katharina Maretto (38), Journalistin, mit Tochter Cinzia (6): „Die Situation mit der Nachmittagsbetreuung ist eine Katastrophe. Mein Kind kriegt weder im Hort noch in der Mittagsbetreuung einen Platz. Die Container könnte man etwa für die Erweiterung dieser Einrichtungen nutzen.“

Keine Übersicht

Gökhan Kavaman (29), Sicherheitsmitarbeiter, Sohn Eren (8): „Das größte Problem ist der Pausenhof. Die Kinder rennen sich gegenseitig über den Haufen – und so hat die Pausenaufsicht auch keinen Überblick mehr. Letztes Jahr ist mein Sohn wegen dieses Gedränges vom Klettergerüst gefallen.“

Marc Kniepkamp

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