Am Schilcherweg in Harlaching soll das Projekt entstehen. 

Bezirksausschuss entscheidet

Projekt für Flüchtlinge und Wohnungslose: Streit in Harlaching geht weiter 

Anwohner in Harlaching wehren sich gegen ein Wohnprojekt für Flüchtlinge und Wohnungslose mitten im Villenviertel. Doch ihr Stadtteilparlament stimmt mit einer dünnen Mehrheit dafür. 

München - Das in Harlaching umstrittene Wohnbau-Projekt am Schilcherweg 8 hat Rückenwind erhalten. Mit der hauchdünnen Mehrheit von zwölf zu elf Stimmen hat der Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching gegen einen von vielen Anwohnern geforderten Planungsstopp auf dem rund 3700 Quadratmeter großen Gelände in idyllischer Villenlage votiert. Im BA gibt es einen Richtungsstreit zwischen der projektkritischen CSU und einer Allianz aus SPD und Grünen.

Am Ende war auf der Sitzung der Unmut bei den zahlreich erschienenen Anwohnern groß. Lediglich einer Einwohnerversammlung zu dem Streitthema mochten alle Fraktionen zuvor zustimmen. Die „Initiative Schilcherweg“ hatte eine alternative Nutzung gefordert. „Kita statt Flüchtlingsheim“ lautet die Parole der mittlerweile mehr als 350 Unterstützer. Doch daraus wird wohl nichts. 

Anwohner fürchten „soziale Spannungen“

Wie berichtet, plant die Regierung von Oberbayern auf dem Gelände eine Unterbringung von 42 Flüchtlingen mit Bleiberecht und Wohnungslosen für zunächst zehn Jahre. Das Projekt ist Teil eines umfangreichen Maßnahmenpaketes zur Schaffung von Wohnraum für Geringverdienende und sozial Benachteiligte. 

Widerstand gibt es bereits seit längerem in Harlachings Exklusiv-Lage am Isarhochufer. Die öffentliche Hand setze hier die falschen Prioritäten, sagt Initiativen-Sprecher Oliver Herweg. „Die Liegenschaft sollte besser zur Schaffung dringend benötigter Kindergartenplätze genutzt werden“, forderte er. Und: „Der Standort ist für eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen ungeeignet“. Herweg und andere befürchten „soziale Spannungen“.

Auf diesem Grundstück will der Freistaat bauen. Das Haus, in dem früher Forstbedienstete wohnten, steht bereits leer und soll abgerissen werden.

Wohnen für alle mit schlechten Chancen

„Das wird keine Flüchtlingsunterkunft, sondern ,Wohnen für alle‘ mit schlechten Chancen auf dem Wohnungsmarkt“, entgegnete Christa Knappik (SPD). Dieselben Leute, die jetzt klagen, kämen später wieder, um dann gegen die Verkehrsproblematik einer stark frequentierten Kita zu schimpfen. „Nicht mit Unwahrheiten die Bürger für blöd verkaufen, sondern auf die bestehenden Versorgungslücken vor Ort hinweisen“, poltert dagegen Andreas Babor (CSU). 

Die Forderung des BA-Chefs Clemens Baumgärtner (CSU), die „Sachlage seriös zu prüfen und die Planungen auf Eis zu legen“, wurde im BA indes nicht erhört. Allerdings stünden Gespräche an, unter anderem mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Die Gespräche laufen“, sagte der CSU-Landtags-Stimmkreis-Abgeordnete Andreas Lorenz. 

Harald Hettich

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