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Im Grünwalder Stadion hat der TSV 1860 München seine Heimat (Symbolfoto). Die Arena soll umgebaut werden. Anwohner haben nun einen üblen Verdacht.

„Das hat alles System“

Geheimsache Sechzger Stadion? Anwohner fühlen sich übergangen - und äußern üblen Verdacht 

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Die Ausbaupläne für das Grünwalder Stadion für Diskussionen in Giesing. Die Stadt hat einen Infoabend geplant. Doch Anwohner fühlen sich übergangen und äußern einen üblen Verdacht.

  • Das Grünwalder Stadion in Giesing soll ausgebaut werden.
  • Seit Monaten sorgen die Pläne um Zuschauerkapazitäten und Tribünen für Diskussionen.
  • Anwohner machen der Stadt München Vorwürfe und regen sich über die schlechte Information auf

München - Immer wieder haben Verantwortliche von der Stadt München und dem TSV 1860 betont, die Sorgen der Anlieger ernst zu nehmen und mit ihnen im Dialog bleiben zu wollen. „Augenwischerei“, findet Robert Motschenbach. Denn der 66-Jährige, der unmittelbar am Stadion an der Martin-Luther-Straße wohnt, hat keine Einladung zum Infoabend bekommen, bei dem es um das weitere Vorgehen und das laufende Vorbescheidsverfahren gehen soll. 

„Anderswo wurden Flugblätter eingeworfen“, sagt er. „Aber weder ich noch irgendeiner meiner Mitbewohner im Haus hatte eines im Briefkasten.“ Hier seien nach Gutdünken ein paar wenige Bürger eingeladen worden. Motschenbacher fühlt sich ins Abseits gedrängt und hat einen Verdacht: „Ich fürchte, dass das nur eine Alibiveranstaltung ist“, sagt er. „Die Stadt hofft absichtlich auf geringe Beteiligung, um dann den Anwohnern geringes Interesse vorwerfen und über deren Köpfe entscheiden zu können.“

Robert Motschenbach spricht von einer „Alibiveranstaltung“´.

München: Wirbel ums Sechzger Stadion - „Das hat alles System“

Auch Melly Kieweg, für die Grünen im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching, regt sich auf.Weder Anwohner noch BA-Mitglieder seien über die Veranstaltung informiert worden. „Mir wurde vom Direktorium gesagt, es sei eine interne Versammlung nur mit den Vorsitzenden der beiden betroffenen Bezirksausschüsse.“ Und nun stelle sich heraus, dass es eine öffentliche Veranstaltung sei, bei der unter anderem Vertreter des Referats für Bildung und Sport, des Bau-, des Planungs- und Umweltreferats sowie der Vereine und der Polizei informieren. „Das hat alles System“, vermutet Kieweg, „um alles klammheimlich über die Bühne zu bringen.“

Melly Kieweg (Grüne) ärgert sich über dieVorgänge.

So reagiert die Stadt München auf die Vorwürfe

Die Stadt weist die Vorwürfe von sich. Am 7. und 8. Januar, direkt nach den Ferien, sei ein Schreiben an etwa 9000 Haushalte rund ums Stadion verteilt worden, hieß es am Dienstag aus dem Referat für Bildung und Sport. „Die Veranstaltung ist zu keinem Zeitpunkt als interne Veranstaltung geplant gewesen“, sagte eine Sprecherin. Anwohner könnten den Experten vor Ort Fragen stellen und ihre „Einwendungen“ innerhalb eines Monats bei der Lokalbaukommission einreichen.

Wie berichtet, hat der Stadtrat im Juli 2019 umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen für das Grünwalder Stadion beschlossen. Sie sehen unter anderem eine Kapazitätserweiterung auf 18.060 Zuschauer (von aktuell 15.000) sowie die vollständige Überdachung der Ost- sowie der Westkurve vor, um das Sechzger-Stadion zweitligatauglich zu machen, aber auch als Lärmschutzmaßnahme. Knapp 30 Millionen Euro soll der Aus- und Umbau kosten. Der Planung vorangegangen war eine Machbarkeitsstudie des Architekturbüros „Albert Speer und Partner“.

Im Juni 2019 sickerten schon erste Details zu den Plänen des Grünwalder Stadion durch. Der Chef des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching, Clemens Baumgärtner (42, CSU), hält jedoch wenig von den Ausbauplänen des Grünwalder Stadions.

Die Löwen sind derzeit auf der Suche nach einem alternativen Stadion, in dem sie spielen können, wenn das Grünwalder Stadion ausgebaut wird. Sowohl Unterhaching als auch Ingolstadt haben abgesagt. Doch wie Merkur und tz exklusiv erfahren haben, hat der TSV 1860 München schon bei einer anderen Stadt nachgefragt. 

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