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Seit 24 Jahren steht Denise Wachter in ihrem Metzgerladen in Untergiesing. Belästigen will sie niemanden.

Verkaufssprüche sorgen für Wirbel

Sexistin oder ­bayerisches Original? Für diese Metzgerin geht es um die Wurscht

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„Was machen S’ denn in der Nacht, dass Sie schon so ausgehungert sind?“ - Ein Autor der SZ mokierte sich über Denise Wachters Verkaufssprüche. Der Artikel hat der Metzgerin arg zugesetzt. Ein Ortsbesuch.

München - Ja, der bayerische Humor ist für so manchen Außenstehenden – oder Zuagroasten – oft nicht leicht zu verstehen. Als derb, vulgär und oft beleidigend sehen ihn die einen, zu einer Kunstform erhoben haben ihn die anderen. Und bei manchen kommt er sogar als Sexismus an, wie jetzt eine Metzgerin aus Untergiesing schmerzlich erfahren muss...

In einer Kolumne, kürzlich erschienen im SZ-Magazin, ist – nicht namentlich aber für viele trotzdem unverkennbar – von dieser Metzgerin die Rede. Der Autor beschreibt das „peinliche Gefühl“, dass ihn bei seinen Einkäufen dort stets überkam, wenn Denise Wachter, so heißt die gute Frau, ihn mit ihrer bayerisch-direkten Art überrumpelte. In dem Artikel heißt es: „Es fühlte sich übergriffig an. Unangemessen. Unangenehm.“ Für den Autor Grund genug, am Ende des Textes eine umgekehrte MeToo-Diskussion zu führen. Metzgerin belästigt Männer? Die tz hat Denise Wachter besucht.

Leberkäs und gschmackige Braten

Immer wieder flüstert die 54-Jährige ihren Kunden zu: „Ich muss ja jetzt aufpassen, damit ich niemanden sexuell belästige.“ Der Artikel habe ihr stark zugesetzt, sagt sie. Sie steht, wie jeden Tag, mit ihren beiden Kolleginnen in ihrem kleinen Laden an der Hans-Mielich-Straße. Hausnummer? „1A!“, schreit Wachter über die Theke. „Wie unsere Qualität!“ Ein erster Vorgeschmack auf das, was ihre Stammkunden immer aufs Neue veranlasst, bei ihr Wurst und Fleisch zu kaufen. „Ich will halt, dass es hier menschlich zugeht“, sagt sie. „Verkaufen ist das Eine, für die Leute da sein das Andere“, erklärt Wachter, die seit 24 Jahren fünf Mal pro Woche feine Weißwürste, den angeblich stadtbesten Leberkäs und gschmackige Braten anbietet. Dazwischen: Gaudi!

Der Metzgerladen in Untergiesing.

Ein junger Mann schnellt an die Theke, bestellt eine Braten- und eine Leberkässemmel. Wachter mustert ihn kurz, fragt dann trocken: „Was machen S’ denn in der Nacht, dass Sie schon so ausgehungert sind?“ Der Mann ist kurz sprachlos, muss dann aber laut lachen.

Im Falle des SZ-Autors soll sich folgende Szene abgespielt haben: Der Verfasser trug eine Jacke eines Herstellers, dessen Logo ein roter Fuchs ist. „San Sie Jäger?“, fragte die Chefin und fügte hinzu: „Von Ihnen tät ich mich auch erlegen lassen.“ Dann kamen Späße über große Würste. Auch kleine Bayerisch-Lektionen erteilt Wachter gelegentlich, wenn sie zum Beispiel erklärt, dass ein Presssack auf gar keinen Fall Sülzwurst heißt. Humor oder Aufreger?

Das meinen Kunden: Sprüche sind das Einkaufserlebnis

Sabine Scheffer (33), mit Jasper (1).

Sabine Scheffer (33), Angestellte mit Jasper (1) aus Untergiesing: Diese Sprüche gehören hier einfach zum Einkaufserlebnis dazu. Frau Wachter ist die sympathischste Metzgerin im ganzen Viertel. Schon seit sechs Jahren kaufe ich Fleisch und Wurst immer hier. Mein Sohn spielt den Metzgerladen daheim oft nach. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben. Außerdem ist die Qualität hervorragend. Hier gibt’s auch den besten Obazdn!

Münchner Original mit großem Herz

Michael Huber (45).

Michael Huber (45), Angestellter aus Untergiesing: Ich bin schon seit vielen Jahren Stammkunde bei Frau Wachter. Als echter Giesinger empfinde ich die Metzgerei als Institution, und da ist es umso schöner, wenn ein Münchner Original mit entsprechender Art hinter der Theke steht. Wer Frau Wachter nicht mag, kennt sie nicht. So hat sie zum Beispiel unserem Kindergarten zum Osterfrühstück Wiener und Weißwürste gespendet.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Giesing – mein Viertel“.

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