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Obsthändlerin Anna Di Taranto kann ihre Ware seit drei Wochen nur noch innen anbieten – außerhalb wurde zu viel gestohlen.

„Ich wusste einfach nicht mehr weiter“

Geschäftsfrau kapituliert vor Dieben

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Weil von den Auslagen draußen zu viel gestohlen wurde, bietet Anna Di Taranto vom „Giesinger Fruchtmarkt“ Obst und Gemüse nur noch im Laden an. Das ist schlecht fürs Geschäft – und für das gesamte Viertel.

München - „Verehrte Kunden, aufgrund erhöhten Diebstahls finden Sie unser gesamtes Sortiment ab sofort im Inneren unseres Geschäfts. Wir sind weiterhin gerne für Sie da.“ Eindringliche Zeilen sind es, die die Passanten am Schaufenster des Obst- und Gemüsegeschäfts „Giesinger Fruchtmarkt“ an der Humboldtstraße 27 da zu lesen bekommen. Doch Inhaberin Anna Di Tatanto sieht keine andere Lösung mehr. Zehn Jahre lang führt die Italienerin das Geschäft. Vor drei Wochen hat sie nun die Stände auf dem Gehweg abgebaut und ins Ladeninnere verlegt.

„Ich wusste einfach nicht mehr weiter. Wenn wir Diebe erwischt haben, waren sie am nächsten Tag einfach wieder da und haben erneut gestohlen“, klagt die 54-Jährige.

Sie füllen sich die Tüten und hauen ab

Mehrmals täglich bedienten sich zuletzt vor allem ältere Männer, Obdachlose und Asylbewerber offenbar ohne Scham an den Obst- und Gemüseauslagen und ließen sich nicht vertreiben. „Die Täter füllten Plastiktüten mit unterschiedlichstem Obst, als wären sie einfach Kunden“, sagt Annas Neffe Fabio Musso, der im Geschäft mithilft. „Dann drehen sie sich um und halten etwa nach dem Bus Ausschau. Sobald der dann an der Haltestelle ankommt, springen die Räuber hinein und sind auf und davon – zumindest bis zum nächsten Tag.“

Fabio und Marcello Musso (Bild links, v. li.) kämpfen im „Giesinger Fruchtmarkt“ gegen Umsatzeinbrüche, weil die Laufkundschaft fehlt.

Seit die „farbenfrohe Visitenkarte“ des Ladens, so Annas älterer Neffe Marcello Musso, verschwunden ist, bekommt der Familienbetrieb in Untergiesing ein existenzbedrohendes Problem: Der Fruchtmarkt macht jetzt 40 Prozent weniger Umsatz, weil kaum noch Laufkundschaft kommt. Diebstahl, so berichten die Händler, habe es zwar auch früher gegeben, doch da habe sich das noch in Grenzen gehalten.

Einen ersten Anstieg bemerkte Di Taranto, als vor drei Jahren vor der Ladentür die Bushaltestelle Humboldtstraße gebaut wurde. Seitdem seien es nicht mehr nur ab und zu ein Apfel oder eine Orange, die genommen würden, sondern Rucksäcke voller Früchte.

Dabei wäre die Geschäftsfrau, die jeder im Viertel nur „Anna“ nennt, die Letzte, die notleidenden Münchnern das Essen verwehrt: „Warum müsst ihr stehlen?“, fragt die Italienerin. „Wenn du Hunger hast, dann komm rein.“

Auch der Getränkemarkt kämpft gegen Gauner

Nicht nur der Giesinger Fruchtmarkt verliert allmählich seinen Glauben an die Gesellschaft. Direkt nebenan kämpft auch der Getränkemarkt „Glücksbrunnen“ mit allen Mitteln gegen die provokativen Gauner. Die Überwachungskameras wurden hier sogar neben dem Kruzifix installiert, als kleiner Hinweis für die Verbrecher. „Pro Woche werfe ich drei ertappte Diebe aus meinem Laden“, klagt Inhaber Basas Anok. Nicht einmal Videoüberwachung halte die Räuber ab. „Wenn sie klauen wollen, klauen sie einfach, und sobald wir sie ertappen, lachen sie uns ins Gesicht.“

Der Getränkemarkt „Glücksbrunnen“ dagegen rüstet mit Kameraüberwachung auf.

Die Polizei kann nicht viel unternehmen. Juristisch handle es sich bei derlei Beutezügen um den Tatbestand des „einfachen Diebstahls“, so ein Sprecher. Eine Verurteilung sei bei solchen Delikten eher unwahrscheinlich, meist werden die Verfahren eingestellt. Das wissen auch die Täter.

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