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Steckt Eckfahnen, mäht Rasen und hilft, wo er kann: Günther Kaiser, seit 14 Jahren Leiter des Grünwalder Stadions.

Rückkehr ins Grünwalder Stadion

Vor Heim-Auftakt: So putzt sich die neue, alte Löwen-Heimat raus

Tausende Fans des TSV 1860 freuen sich aufs erste Heimspiel in Giesing. Stadionleiter Günther Kaiser macht dafür gern ein paar Überstunden. Auch wenn sein Fan-Herz für die Roten schlägt.

Günther Kaiser blickt vom Rasen auf die Westkurve, die am Freitag bis auf den letzten Stehplatz voll sein wird mit den Fans des TSV 1860. „Wenn ich mir das vorstelle, da kriege ich schon von unten Platzangst.“ Große Menschenmassen mag der 51-Jährige nicht. Trotzdem wird er natürlich da sein am Spieltag, von früh morgens bis in die späten Abendstunden. Denn das Stadion ist sein Arbeitsplatz: Seit 14 Jahren betreut Kaiser für die Stadt München das Grünwalder Stadion, am Freitag bestreiten die Löwen dort gegen Wacker Burghausen ihr erstes Heimspiel in der Regionalliga.

Bis dahin muss noch einiges gemacht werden. Kaiser hat sich extra Verstärkung kommen lassen. Normalerweise kümmert er sich mit zwei Kollegen um das Stadion sowie die Bezirkssportanlagen. Jetzt jätet ein zusätzlicher Helfer das Unkraut auf den Stehplätzen neben der Haupttribüne. Freitag früh wird Kaiser als erstes noch einmal mähen: „Der Rasen ist mein Steckenpferd.“

Hier wird Trainer Bierofka seine Mannschaft einschwören: Die Löwen-Kabine ist bereits sauber gefegt.

Ob er danach wässern muss, weiß er noch nicht. Die Amateure des FC Bayern, die auch im Stadion spielen, legen wert darauf, weil der Ball auf nassem Rasen schneller rollt. „Aber ich weiß nicht, wie der Biero dazu steht“, sagt Kaiser, von Löwen-Trainer Bierofka sei noch nichts übermittelt worden.

„Wo ich dem Verein helfen kann, helfe ich gern.“

Überhaupt, so Kaiser, seien die ganzen Vorbereitungen „halt doch ein bisschen auf den letzten Drücker“ passiert. Erst seit letzter Woche steht endgültig fest, dass der TSV 1860 nicht mehr in der Allianz Arena spielen wird, sondern in sein „Wohnzimmer“ nach Giesing zurückkehrt. Für Kaiser hat das bedeutet, dass er in den letzten Tagen nicht immer pünktlich in den Feierabend gekommen ist. Aber er packt gern mit an: „Wo ich dem Verein helfen kann, helfe ich gern.“

„Das wird für manche Spieler vielleicht ein Kulturschock“, sagt Stadionleiter Kaiser zur Mannschaftsdusche.

Aus der Ruhe bringen kann ihn der kurzfristige Einzug der ersten Mannschaft des TSV 1860 nicht. Im Jahr 2004 war das anders. Da hatte Kaiser gerade als Stadionleiter angefangen und die Löwen, frisch in die zweite Liga abgestiegen, kamen für eine Saison in sein Stadion. Gleich im ersten Spiel fiel in zwei Toiletten der Strom aus: „Ich wusste gar nicht mehr, wo ich hin soll“, erinnert er sich.

Angst vor den Löwen-Fans hat er keine, obwohl einige Unverbesserliche den Fanblock in der Allianz Arena beim letzten Spiel vor dem Auszug in Schutt und Asche gelegt haben. Gestern waren Vertreter der Ultras bei Kaiser im Stadion, um die Westkurve zu vermessen: „Die waren so angenehm, hatten auch für meine Bitten Verständnis.“

Das 1860-Schild ist schon befestigt: Die Fans hoffen, dass am Freitag hohe Zahlen auf die linke Seite gehängt werden.

Im Fanblock wird Kaiser am Freitag trotzdem nicht vorbeischauen. Weil der die Menschenmassen nicht mag, weil er sowieso zu viel zu tun haben wird – und noch einen Grund gibt es: „Ich bin Bayern-Fan“, sagt er, „aber kein fanatischer. Ich gönn’ den Löwen, dass sie gewinnen.“

Christoph Fuchs

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