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Grabschänder mit mangelnder Ortskenntnis

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Kriegsopfer aus 19 Nationen sind hier in Großhadern beerdigt – die Grabschänder blendeten diesen Aspekt wohl aus. Bod

München - Nach der Schändung von unterschiedlichsten Kriegsopfer-Gräbern in Großhadern läuft die Fahndung nach den Tätern weiter auf Hochtouren.

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Gedenkstätte: 200 Grabsteine besprüht

Die Betroffenheit über die pietätlose Tat ist groß. „Ich kann mich an keinen vergleichbaren Fall in ganz Bayern erinnern“, sagt Gerd Krause, Landes-Geschäftsführer des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Bayern. Wie berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht auf Mittwoch die Kriegsgräbergedenkstätte in Großhadern geschändet.

Nach Angaben der Polizei kletterten die Täter zwischen 18 Uhr am Dienstaggabend und 7.40 Uhr am Mittwoch in das Gelände der Gedenkstätte an der Tischlerstraße ein. Friedhofswächter entdeckten die Schmierereien, als sie morgens die Friedhofstore wieder aufsperrten. Mit hellblauer, grüner und schwarzer Farbe hatten die Unbekannten rund 200 Grabsteine, die Gedenkhalle und eine Mauer besprüht. Aufschriften wie „Mörder“, „Täter“, „ACAB“ und „Antifa heißt Kriegsgrabschändung“ hatten die Sprayer hinterlassen. Diese dürften wohl in der linken Szene zu suchen sein.

Die Städtische Friedhofsverwaltung hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe gestellt. Der Sachschaden ist laut Krause noch nicht zu beziffern, dürfte aber bei mehr als 10 000 Euro liegen. „Wie gut die Steine wieder zu reinigen sind, ist immer unterschiedlich.“

Derartige Beschädigungen kommen nach Angaben der Kriegsgräberfürsorge immer wieder mal in Deutschland vor. An eine derart massiven Attacke auf einen Friedhof kann sich Krause, der seit 25 Jahren Landes-Geschäftsführer ist, nicht erinnern.

Mit der Kriegsgräbergedenkstätte in Großhadern, die von 1960 bis 1964 nach Plänen des Architekten Helmut Schöner erbaut wurde, wird der Toten des I. und II. Weltkrieges gedacht. Begraben sind dort 3432 Soldaten aus 19 Nationen sowie hundert Zivilpersonen, die im Krieg ihr Leben verloren. Dies haben die Täter bei ihren Schmierereien offenbar nicht gewusst. So wurden sowohl Grabsteine von deutschen als auch von ausländischen Kriegsopfern beschmiert.

Bei der Ehrenstätte handelt es sich laut Krause ausdrücklich nicht um einen Friedhof deutscher Soldaten, sondern um ein Friedhof für unterschiedliche Kriegsopfer. In dieser Art gibt es in München mehrere: Im Perlacher Forst gibt es zwei Areale mit mehr als 5000 Gräbern, überwiegend von Deportierten. Am Nordfriedhof befindet sich ein größeres Grabfeld mit gut 2000 Bombenopfern. Zudem ist eine von insgesamt drei italienischen Kriegsgräberstätten in Deutschland auf dem Münchner Waldfriedhof, nur wenige hundert Meter entfernt von dem geschändeten Gräberfeld.

Die Polizei hofft auf Hinweise. Wer Verdächtiges gesehen hat, kann es unter 089/2910-0 melden.

Sven Rieber

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