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Geduldsarbeit: 400.000 Bücher der Internationalen Kinder- und Jugendbibliothek ließ Christiane Raabe reinigen.

Weltweit größte Sammlung

Jugendbibliothek: Tausende wertvolle Schriften gerettet

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München - Es war ein Mammutprojekt: Nach sechs Jahren kann die internationale Kinder- und Jugendbibliothek ihre Sanierung abschließen. 400.000 teils extrem rare Bücher wurden vor dem Verfall bewahrt. Zuletzt führte eine plötzliche Finanzspritze zu einer Hau-Ruck-Aktion.

Feuchtigkeit und kalte Räume hatten den Büchern in der weltweit größten Internationalen Kinder- und Jugendbibliothek im Schloss Blutenburg in Obermenzing in den vergangenen Jahrzehnten zugesetzt. Nun sind seit 2010 rund 400.000 Bücher der 1949 in München gegründeten Sammlung gereinigt und wieder in sanierten Räumen untergebracht. Zuletzt ging es unerwartet schnell, dank einer überraschenden Förderung.

Reinigung von Staub und Schimmel

„Hier ging es zuletzt zu wie in einem Bienenstock“, beschreibt Bibliotheksleiterin Christiane Raabe das Geschehen der vergangenen vier Wochen vor Weihnachten. Denn in dieser Zeit galt es, einen Restbestand von etwa 80.000 Büchern in den Räumen unter dem Schloss und in extra aufgestellten Containern von Staub, Schimmelsporen oder sonstigen Ablagerungen zu säubern. Dafür hat das Bundesfamilienministerium kurzfristig einen Zuschuss von 150.000 Euro zugesagt. In einem Fördertopf war noch Geld – gebunden allerdings an die Bedingung, dass die Maßnahme vor Jahresende fertig werden muss, erzählt Raabe.

Das Raumklima setzten den Büchern zu

„Wir haben hier keine Verbrauchsliteratur gesammelt, wie man sie in einer Stadtbibliothek ausleihen kann“, erklärt die Leiterin. Der in den vergangenen knapp 70 Jahren zusammengetragene Bestand an internationaler Kinder- und Jugendliteratur aus vier Jahrhunderten und in mehr als 130 Sprachen diene vielmehr dazu, der Welt das Kulturgut Kinder- und Jugendbuch als Erbe zu bewahren. Dies hatte sich in den 1983 geschaffenen Magazinen unter der Schlossanlage zuletzt als immer schwieriger erwiesen, da das Klima in den riesigen Betonwannen, die damals zwar den konservatorischen Standards entsprochen hätten, im Laufe der Zeit dann doch zu feucht oder im Winter zu kalt gewesen war. Vor allem Bücher mit einfacher Papierqualität hatten darunter gelitten. Nach und nach konnten Bibliotheks-Experten zwar die Belüftung verbessern, 2010 wurde aber entschieden, dass der wertvolle Bestand gereinigt und die Räume der Bibliothek saniert werden müssen.

Das älteste Buch stammt aus dem 16. Jahrhundert

Als erstes habe man die historische Sammlung mit rund 30.000 Büchern den Experten im Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig anvertraut und nach der Behandlung in ein Magazin nach Puchheim gebracht. „Wir haben großartige Bestände aus der ehemaligen Sowjetunion oder dem ehemaligen Jugoslawien“, erzählt Raabe. Das älteste Buch sei eine Reineke-Fuchs-Ausgabe aus dem 16. Jahrhundert. Weitere etwa 30.000 Bücher der Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen sogenannten Genfer Sammlung seien ebenfalls in ein Außenlager gebracht und von Fachleuten gereinigt worden. Schließlich sei 2012 damit begonnen worden, dank der finanziellen Unterstützung durch Bund und Freistaat sowie private Spenden den Kernbestand mit einem innovativen Verfahren zu reinigen, so Raabe. Dafür seien extra zwei durch Schleusen abgeschottete Bereiche geschaffen worden, in die man die sanierten Bücher wieder eingestellt habe.

Plötzliches Fördergeld für Hau-Ruck-Aktion

Für die letzten 80.000 Exemplare im noch nicht sanierten Bereich war der Kinder- und Jugendbibliothek im vergangenen Jahr aber das Geld ausgegangen. Relativ überraschend kam dann wenige Wochen vor Weihnachten die Zusage aus dem Bundesfamilienministerium. „Ein besonderes Weihnachtsgeschenk, aber auch eine große Herausforderung“, sagt Raabe. Dass es tatsächlich gelungen sei, rund 20.000 Bücher pro Woche wieder in Schuss zu bringen, sei eine „großartige Leistung“ der Reinigungsfirma gewesen.

Diese rückte gleich mit mehr als 20 Mitarbeitern im Schloss Blutenburg an: Drei haben zunächst die angegriffenen Bücher eingepackt und in die Container gebracht. Mit speziellen Saugern und Schwämmen haben weitere elf Mitarbeiter die Buchdeckel und Innenseiten dort gereinigt. Nochmals drei Leute haben mit einer chemischen Analyse geprüft, ob alles in Ordnung ist. Weitere sechs Mitarbeiter haben die Bücher dann wieder eingestellt. „Alle waren wahnsinnig motiviert“, erinnert sich Raabe. Buck für Buch – am Ende 80.000 Stück.

In der Zwischenzeit ist auch dieser Trakt der Bibliothek saniert und soll bald wieder befüllt werden. „Wenn wir das geschafft haben, dann können auch wieder die Führungen durch das Magazin starten“, freut sich Raabe. Um der breiten Öffentlichkeit ihre Kulturschätze in neuem Glanz zu präsentieren, plant die Internationale Kinder- und Jugendbibliothek einen Tag der Offenen Tür am 7. Mai.

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