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Hat ihr Ex-Freund Daniela Karaffa ermordet? Die Polizei geht davon aus, eindeutige Beweise fehlen – und ihre Leiche.

Seit März spurlos verschwunden

Mordfahnder ratlos: Wo ist Daniela Karaffa?

München - Seit einem halben Jahr ist die Pasingerin Daniela Karaffa spurlos verschwunden. Die Polizei glaubt, dass ihr Ex-Freund sie ermordet hat.

Bülent A. bestreitet die Tat, eine Leiche gibt es nicht. Kommende Woche muss das Gericht nun entscheiden, ob Bülent A. in Haft bleibt – oder auf freien Fuß kommt.

Die Ermittlungen in dem mutmaßlichen Mordfall stehen kurz vor dem Abschluss. Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Daniela Karaffa verschwunden ist. Bis heute wurde ihre Leiche nicht gefunden – es gibt aber auch keinerlei Hinweis darauf, dass die Deutsch-Slowakin noch am Leben sein könnte. Auch nachdem ein Bild von ihr an die Medien gegeben worden war, gingen laut Markus Kraus, dem Leiter der Mordkommission, nur sehr wenige Hinweise ein. Als zielführend stellte sich keiner heraus. Die Polizei ist sich sicher, dass ein Gewaltverbrechen geschehen ist. Und sie ist überzeugt, dass ihr Ex-Lebensgefährte es begangen hat. Deshalb sitzt Bülent A. in Untersuchungshaft.

Wie berichtet, ist Daniela Karaffa seit dem 12. März wie vom Erdboden verschluckt. An jenem Dienstagabend hatte die Frau Streit mit Bülent A., ihrem früheren Lebensgefährten, mit dem sie zwei Kinder hat. Dabei ging es um die Trennung, da die 36-Jährige einen neuen Freund hatte.

Nachbarn sagten später aus, dass sie Schreie gehört hätten. Die Polizei geht nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass Bülent A. seine Ex im Streit getötet und ihre Leiche dann aus der Wohnung an der Nimmerfallstraße in Pasing geschafft hat.

Der 43-Jährige gab in ersten Vernehmungen zu, Streit mit der Deutsch-Slowakin gehabt zu haben, bestreitet aber, ihr etwas angetan zu haben. Seine Version: Karaffa sei gegen 20.30 Uhr aus der Wohnung abgehauen. Er selbst sei direkt im Anschluss mit den Kindern – ein zweijähriges Mädchen und ein fünf Jahre alter Bub – bei seinen Eltern in Haidhausen eingezogen. Erst drei Tage später, am Freitag, 15. März, will er nochmals in die Wohnung gefahren sein, die das Paar mehrere Jahre lang gemeinsam bewohnt hatte, und habe Sachen von sich und den Kindern geholt.

Obwohl er tagelang nichts von Daniela hörte, schaltete Bülent A. nicht die Polizei ein. Dies tat erst eine Freundin der Frau am Montag, 18. März. Die Vermisstenstelle nahm sich der Sache an. Doch die Beamten hatten schnell Zweifel – weshalb die Mordkommission den Fall übernahm. Am 27. März, dem Mittwoch vor Ostern, wurde Bülent A. in der Wohnung seiner Eltern verhaftet – wegen Mord-Verdachts.

Der Verdächtige hat sich laut Kraus in Widersprüchen verstrickt. Und es sind Spuren in der Wohnung gefunden worden, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten. Über die Art der Spuren schweigt sich die Polizei aus „ermittlungstaktischen Gründen“ weiterhin aus. Vermutungen, die Spurensicherung habe Blut gefunden, das der Täter nicht sorgsam genug entfernte, werden bis heute von den Fahndern nicht kommentiert.

Der Haftbefehl gegen Bülent A. ist auf „das Gesamtbild aller Indizien“ gegründet, erklärte Oberstaatsanwalt Peter Preuß auf Anfrage unserer Zeitung – damals wie heute. Auch bei einem Haftprüfungstermin Ende Mai folgten die Richter dieser Sicht. Aber: Die Polizei hat bisher keine konkreten Beweise in der Hand, nur Indizien.

In den kommenden Tagen wird sich nun das Oberlandesgericht (OLG) mit dem Fall beschäftigen müssen. Der Grund: Laut Strafprozessordnung darf eine Untersuchungshaft nicht länger als sechs Monate dauern. Über Ausnahmen muss das OLG entscheiden, wenn die Polizei begründen kann, dass deren Ermittlungen aus wichtigen Gründen noch nicht abgeschlossen werden konnten.

Diese U-Haft-Verlängerung um bis zu drei Monate kann auch mehrfach von der Polizei beantragt werden. Theoretisch ist auch denkbar, dass Bülent A. von den Richtern Ende kommender Woche auf freien Fuß gesetzt wird. Oberstaatsanwalt Peter Preuß ist sich aber sicher, „dass der dringende Tatverdacht weiterhin besteht“. Die Ermittlungen stünden zudem kurz vor dem Abschluss – im Laufe des Oktobers sei damit wohl zu rechnen.

Dann muss die Staatsanwaltschaft darüber entscheiden, ob sie Anklage erhebt – oder das Verfahren gegen Bülent A. einstellt. Preuß wollte dazu auf Anfrage keine Einschätzung abgeben. Auch wenn es auf einen reinen Indizien-Prozess hinausläuft, ist eine Anklage aber wohl die deutlich wahrscheinlichere Variante.

Welche Ansätze die Fahnder derzeit überhaupt noch verfolgen, will Kommissions-Leiter Markus Kraus aus taktischen Gründen nicht sagen. Auch auf die Veröffentlichung eines Fotos des Beschuldigten wird – obwohl juristisch bereits genehmigt – weiter verzichtet. Preuß: „Das wird nicht als erfolgversprechend angesehen.“

Bülent A. selbst verweigert seit April jede Auskunft zu den Anschuldigungen gegen sich. Die beiden Kinder des Paares sind seit der Verhaftung des Mannes in einer Pflegefamilie untergebracht.

Sven Rieber

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