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So werden die Tiere gefangen genommen. Aber alles geschieht nur zu ihrem Wohle.

Ungewöhnlicher Anblick

Darum jagt man im Westpark gerade Schildkröten

Im Münchner Westpark leben aktuell unzählige Schildkröten. Nun werden sie eingefangen und in Styroporboxen gesetzt - zu ihrem eigenen Schutz.

München - Wer bei schönem Wetter einen Spaziergang durch den Westpark macht, entdeckt sie ganz schnell: Unzählige Wasserschildkröten in veschiedensten Farben. Sie sitzen auf Steinen und recken ihre Köpfchen aus dem Panzer in Richtung Sonne. Ein idyllisches Bild – bis sie jemand mit einem Kescher einfängt und in eine Styroporbox packt. Allein zu ihrem Besten.

Sieht teilweise etwas unbeholfen aus, was die Tierchen im Westpark machen.

„Was machen Sie da? Wieso fischen Sie die wunderschönen Schildkröten aus dem Mollsee?“ Wütende Passanten bleiben stehen und beobachten die Tierfänger. Viele fragen sich, wieso den Schildkröten ihr Lebensraum entrissen wird. Dr. Markus Baur ist das schon gewohnt. Dem Leiter der Reptilienauffangstation wurde sogar schon einmal körperliche Gewalt angedroht. Dabei will er den Schildkröten helfen.

Denn was die meisten nicht wissen: Die quietschbunten Tiere gehören nicht in den Westpark und fühlen sich dort laut Baur alles andere als wohl. Zum gestrigen Weltschildkrötentag hat die Reptilienauffangstation ein Zeichen gesetzt. Die Botschaft: Menschen helfen den Tieren nicht, wenn sie sie in die Freiheit entlassen.

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Die Tierpfleger hielten also Ausschau nach den ausgesetzten Tieren, um sie einzusammeln und sie anschließend in die Auffangstation zu bringen. „Die Schildkröten kommen aus südlichen Teilen der Vereinigten Staaten oder aus Asien“, erklärt der 51-jährige Experte. „Sie sind ein ganz anderes Klima gewohnt: In Deutschland können sie den Winter kaum überleben – und wenn doch, bringen sie unser Ökosystem durcheinander.“ Trotzdem sitzt in fast jedem deutschen Teich mindestens eine Schmuckschildkröte. Aber wie gelangen die Schildkröten in den Münchner Westpark?

Traurige Geschichte, warum die Schildkröten in den Westpark kamen

„Die Schildkröten hat sich jemand angeschafft – dann wurden sie zu lästig und wurden hier wie Müll weggeworfen“, sagt Baur. Kein Einzelfall: Markus Baur hat bei einem einzigen Spaziergang schon bis zu 65 Schildkröten im Park gezählt. Jede einzelne von ihnen ist zu einem langsamen und qualvollen Tod verurteilt: Sie kriegen Hautprobleme, magern ab und die Organe versagen. Aber nicht nur die Schmuckschildkröten selbst leiden, sobald sie ausgesetzt werden: Die Tiere sind sogenannte Faunenverfälscher: Sie fressen und verdrängen heimische Tiere und bringen somit das Gleichgewicht durcheinander. Heimischen Fröschen, Wasserinsekten, Würmern, Schnecken und Larven wird das Leben schwer gemacht.

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Ein stolzer Schildkrötenfänger.

Der Leiter der Reptilienauffangstation, die sich auch um ausgesetzte exotische Tiere kümmert, fordert eine gründlichere Aufklärung für Tierhalter: „Es gilt das Gleiche, wie für Hunde und Katzen: Das Aussetzen von Tieren ist grundsätzlich verboten. Und ob man genug Verantwortung besitzt, um ein Tier zu halten, sollte man sich bei der Anschaffung gut überlegen – nicht erst danach!“

Laut Baur begrenze sich der Konflikt nicht nur auf Deutschland, auf der ganzen Welt würden Probleme wegen ausgesetzter Reptilien entstehen. Immerhin hat die EU mittlerweile ein Import-Verbot für Rot- und Gelbschildkröten und eine Verordnung für ausbruchsichere Wohnungen veranlasst. Und seitdem die Reptilienauffangstation Schilder in den Münchner Parks angebracht hat, hat sich das Problem verringert.

Die eingesammelten Tiere werden nun in der Reptilienauffangstation wieder gesund gepflegt und weitervermittelt. Rund 75 bis 80 Prozent der Reptilien kann die Auffangstation ein neues Heim vermitteln. „Das ist nicht so leicht wie bei Hunden und Katzen“, sagt Baur. Die Gruppe der exotischen Tierliebhaber sei deutlich kleiner als die der Felltierliebhaber. Einer der Gründe, weshalb es bei der Auffangstation nun an räumlichen und finanziellen Mitteln mangele: „Wir müssen dringend umziehen“, sagt Baur. Rund eine Million Euro benötigt die Auffangstation. Die Tierpfleger sind nun auf Spenden angewiesen und freuen sich über jede Unterstützung – damit auch die Exoten ein Zuhause bekommen.

Kathrin Braun

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