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Das jüngste und das älteste Ordensmitglied: Schwester Martha (links) trat vor rund 25 Jahren in die Gemeinschaft ein, heute ist sie 42. Schwester Regina, 98, lebt im Altersheim der Klinik.

Der Orden stirbt, die Klinik lebt

München - 100 Jahre wird das Klinikum Dritter Orden heuer alt. Aus dem einstigen Krankenhaus mit 100 Betten hat sich ein moderner Medizinkomplex entwickelt. Noch immer sind hier Ordensschwestern tätig – doch die Gemeinschaft kämpft ums Überleben.

Der Tag beginnt früh für Elfriede Retzer. Jeden Morgen steht sie um 5.30 Uhr auf, macht sich fertig, geht um 6.15 Uhr zum Morgengebet. Anschließend kümmert sie sich um den Schulbetrieb im Klinikum, isst zu Mittag, arbeitet weiter bis zur Abendmesse um 19 Uhr. Dann sitzt sie mit den anderen Schwestern zusammen, „den Tag ausklingen lassen“, wie die 51-Jährige selbst sagt. „Frau Retzer“ sagt hier niemand, alle Mitarbeiter und Patienten sagen „Schwester Elfriede“. Vor 29 Jahren ist sie eingetreten, seitdem lebt sie ein Leben nach den Regeln des Ordens.

Es ist ein Leben, das große Disziplin erfordert. Die Schwestern verpflichten sich zu Keuschheit, zu Armut und zu Gehorsam. Sie dürfen keinen Partner haben. Sie leben im Wohnheim des Klinkums, müssen sich nicht um Verpflegung kümmern. Darüber hinaus erhalten sie bloß ein „Verfügungsgeld“, damit sie sich mal eine Gesichtscreme oder ein Buch kaufen können.

Die Geburtsstation war dem Klinikum schon damals wichtig – heute stellt sie einen Schwerpunkt dar.

Das klingt ganz anders, als sich die meisten Menschen in der heutigen Zeit das Leben vorstellen. Schwester Elfriede sieht das aber aus einer ganz anderen Perspektive: „Ich könnte mir so ein bürgerliches Leben überhaupt nicht vorstellen“, sagt sie. Da bleibe doch keine Energie mehr für den Beruf, die Familie müsse darunter leiden. Und auch ohne Eintritt in den Orden entschieden sich viele junge Frauen bewusst für ein Leben ohne Partner. „Aber das Ordensleben klingt natürlich erstmal krass“, sagt Schwester Elfriede.

Für viele junge Frauen offenbar zu krass. Vor 25 Jahren ist zum letzten Mal eine Frau in den Orden eingetreten – Schwester Martha. Von den 900 Schwestern, die das Klinikum vor 100 Jahren gründeten, sind heute noch 137 übrig. 117 von ihnen leben im klinikumseigenen Altersheim, die Älteste ist 98 Jahre alt. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, stirbt der Orden aus“, sagt Schwester Elfriede. Und eine lange Geschichte ginge zu Ende.

Vor 100 Jahren kamen viele Frauen vom Land in die Stadt. Sie waren kaum gebildet. Aber der Orden gab ihnen die Möglichkeit, sich zu emanzipieren, sich von den Männern loszulösen. Sie wollten sich fortbilden, wollten lernen, wie man kranke Menschen pflegt und wie der menschliche Körper funktioniert.

So verändert München sein Gesicht

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Doch kaum ein Münchner Krankenhaus war bereit, die Schwestern am Bett zu unterrichten. Deshalb wandten sie sich an den Chirurgen Carl Schindler, der gemeinsam mit den Schwestern ein Krankenhaus am Botanischen Garten in Nymphenburg bauen ließ – und selbst viel Geld in das Projekt steckte. Die Schwestern lernten in Theorie und Praxis, wie man sich Kranken gegenüber verhalten sollte, wo die Milz liegt und wo die Leber.

Auch das gehörte zu den Aufgaben der Ordensschwestern: Die Aufzucht der klinikeigenen Hühner.

Seitdem hat das Klinikum Dritter Orden eine rasante Entwicklung hingelegt. Setig wurden neue medizinische Zentren eröffnet, neue Fachbereiche kamen hinzu. Heute verfügt das Klinikum über Abteilungen für Innere Medizin, für Gynäkologie, für Anästhesie und Intensivmedizin, für Allgemein- und Gefäßchirurgie, für Kinderchirurgie sowie für Radiologie und Nuklearmedizin. In der Kinderklinik kommen jährlich 2000 Babys zur Welt, 1600 Mitarbeiter kümmern sich um die Patienten in den 574 Betten.

Rund 63 500 Menschen werden jedes Jahr in die Notaufnahme des Klinikums eingeliefert. Das einfache Krankenhaus, das die Ordensschwestern vor hundert Jahren gegründet haben, hat sich zu einem modernen Medizinkomplex entwickelt – der sich ständig im Wandel befindet (siehe unten). Vielleicht bleibt vom Orden bald nur noch der Name, doch er hat den Grundstein für ein modernes Klinikum gelegt.

Für sein Jubiläumsjahr plant das Klinikum einige Veranstaltungen: Kommende Woche wird Kardinal Reinhard Marx einen Festgottesdienst halten. Außerdem soll es ein großes Mitarbeiterfest geben, und am 29. September lädt das Klinikum alle Interessierten zum Tag der Offenen Tür ein.

Kinderklinikum rüstet sich für die Zukunft

Das Klinikum Dritter Orden blickt auf eine lange Geschichte zurück – tut aber gleichzeitig alles dafür, die Geschichte auf moderne Weise fortzuschreiben. Die Kinderklinik wird momentan aufgestockt. Sechs zusätzliche Einbettzimmer für jeweils ein Kind und eine Begleitperson sollen entstehen. Dabei geht es aber nicht darum, die Kapazität insgesamt zu erhöhen, sondern den Aufenthalt für Kinder und Eltern angenehmer zu machen – denn zurzeit sind viele Zimmer überbelegt. Darüber hinaus werden fünf neue Entbindungsräume und drei neue Entbindungsbäder gebaut. Im August 2013 soll alles fertig sein. Das zweite, große Projekt des Klinikums ist der Bau einer „Intermediate Care“-Abteilung – ein Bindeglied zwischen Intensivpflege- und Normalstation. Das Klinikum hofft, dass der Staat für den Bau bald grünes Licht gibt. Als dritte Maßnahme will das Klinikum seine acht OP-Säle näher zusammenlegen. Momentan sind sie dezentralisiert, was zu Problemen führt, etwa wenn Patienten aus dem OP-Saal in den Aufwachraum verlegt werden.

Von Moritz Homann

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