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Innenminister Joachim Herrmann verneigt sich am Ehrenmal für die 63 seit dem Zweiten Weltkrieg getöteten bayerischen Polizisten.

Erinnerung in Stein gemeißelt

Ehrenmal für getötete Polizisten

München - 63 bayerische Polizeibeamte sind seit Ende des 2.  Weltkriegs im Dienst getötet worden. Zehn der Opfer waren Münchner. Für die Toten gibt es am Westfriedhof ein Ehrenmal, das nun neu gestaltet wurde. Die Schicksale erzählt es nicht.

Markus Jobst (21) trafen 1995 im U-Bahnhof Bonner Platz zwei Kugeln.

Innenminister Joachim Herrmann legte auf dem Gräberfeld am Westfriedhof anlässlich der kirchlichen Segnung am Freitag einen Kranz nieder. „Ich hoffe, dass dieses Ehrenmal der Bayerischen Polizei unseren Bürgern bewusst macht, dass die Gewährleistung der inneren Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte Herrmann. „Jeder Einzelne dieser Polizeibeamten hat im Dienste für unsere Sicherheit und damit für unsere Gesellschaft das Wertvollste geben müssen, das ein Mensch geben kann: Sein Leben.“

Anton Fliegerbauer (32) kam 1972 bei dem Olympia-Attentat ums Leben.

Das letzte dieser Opfer war der Augsburger Polizist Mathias Vieth (41), der am 28. Oktober 2011 bei einer Kontrolle heimtückisch erschossen wurde. Zwei Monate nach dem Mord konnten die Ermittler das schwerkriminelle Brüderpaar Rudolf R. (56) und Raimund M. (58) festnehmen – und ein ganzes Waffenarsenal bei ihnen sicherstellen.

In Steinplatten gemeißelt sind an dem Ehrenmal die Namen aller 63 getöteten Polizeibeamten – zehn von ihnen waren Münchner: Der letzte in der Landeshauptstadt getötete Polizist war Markus Jobst (21). Im U-Bahnhof Bonner Platz traf der Polizeimeister am 22. Januar 1995 um 20.30 Uhr auf den Räuber Boro M. (damals 22 Jahre alt). Der hatte gerade eine Tankstelle überfallen und war auf der Flucht. Jobst hätte dem Räuber in den Rücken schießen können, doch der junge Polizist hatte Skrupel. Das kostete ihn das Leben, denn der Räuber drehte sich plötzlich um und feuerte sofort. Ein Projektil traf den Polizeimeister ins Knie, ein zweites in die Lunge. Markus Jobst starb kurz darauf im Krankenhaus. Der Mörder Boro M. wurde später in Nürnberg gefasst und 1996 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Arthur Walter (27) wurde im Jahr 1951 von einem Agenten getötet.

Davor hatte die Münchner Polizei seit dem Olympia-Attentat 1972 knapp 23 Jahre lang keine getöteten Beamten zu beklagen. Damals, am 5. September, war Polizeiobermeister Anton Fliegerbauer (32) an dem Einsatz gegen die palästinensischen Terroristen beteiligt, der in dem Befreiungsversuch auf dem Militärflugplatz Fürstenfeldbruck gipfelte. Die Aktion endete im Fiasko: Alle neun Geiseln wurden getötet, dazu fünf Terroristen. Nur drei der Geiselnehmer konnten überwältigt werden. Während der fast zweistündigen Schießerei wurde Polizeiobermeister Anton Fliegerbauer, der das Geschehen von einem Erdgeschossfenster des Kontrollturms beobachtet hatte, durch eine verirrte Kugel tödlich am Kopf getroffen.

Franz Eichinger (33) 1948 zusammen mit einem Amerikaner erschossen.

Besonders gefährlich war der Beruf des Polizisten in München in den Jahren direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. So kamen binnen nur sechs Jahren von 1946 bis 1951 sieben Beamte ums Leben – allesamt wurden sie erschossen. Fünf von ihnen starben allein im Jahr 1946: Als erster wurde Sicherheitswachtmann Ernst Tomsche (25) am 12. Februar von einem Kriminellen erschossen. Am 15. März erlag Sicherheitswachtsmeister Karl Ch. Kern (38) einer Schussverletzung, die ihm kurz zuvor von flüchtigen Einbrechern beigebracht worden war. Nur zwei Wochen später, am 2. April, wurde der Sicherheitswachtmann Josef Hagenrainer (38) ebenfalls erschossen. Wiederum nur drei Tage später, am 5. April, wurde Sicherheitswachtmeister Ernst G. Dereser (29) erschossen. Sicherheitswachtmann Johann Aigner (22) starb am 29. Juli an einer Schussverletzung – er war von Einbrechern angeschossen worden. Der genaue Zeitpunkt der Tat ist nicht bekannt.

Zusammen mit einem amerikanischen CID-Agenten wurde der Münchner Kriminalwachtmeister Franz Eichinger (33) im Jahr 1948 erschossen. Laut Archiv-Material der Polizei war er am 9. Mai an der Observation eines Einbrechers beteiligt gewesen.

Franz Eichinger (33) 1948 zusammen mit einem Amerikaner erschossen.

Am 8. Februar 1951 wurde der Sicherheitswachtmann Arthur Walter (27) bei der Verfolgung eines flüchtenden Einbrechers erschossen. Als Täter wurde später ein polnischer Agent ermittelt, der von amerikanischen Ermittlern festgenommen werden konnte. Fast auf den Tag genau zehn Jahre später – am 1. Februar 1961 – trug die Münchner Polizei ein weiteres Mal Trauer: An diesem Tag wurde der Polizeihauptwachtmeister Karlheinz Roth (32) im Dienst erschossen.

Darauf folgte mehr als ein halbes Jahrhundert, in dem die Münchner Polizei mit Markus Jobst und Anton Fliegerbauer zwar auch zwei Kollegen verlor. Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor kommen heute aber deutlich seltener Polizisten ums Leben. Dies, so die einhellige Meinung, liegt natürlich wesentlich an einer verbesserten Ausbildung, besserer Ausrüstung und Schutzmöglichkeiten. Aber auch am deutlich gestiegen Wohlstand der Gesellschaft, im Vergleich zu den harten Nachkriegsjahren.

Sven Rieber

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