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Sternekoch Stefan Marquard kocht bei Peter Pan.

Tollwood und der Niedergang der Dinnertheater

München - München ist gesättigt. Dinnertheater, diese Kombination aus Kunst und Kulinarik, hat die Stadt offenbar über. Nachdem das „Palazzo" vor einem Monat aufgegeben hat, verzichtet auch das Winter-Tollwood heuer darauf, Promiköche ihre Menüs zu einem Theaterspektakel auffahren zu lassen.

Stattdessen tischt Koch Josef Krischan Weihnachtsmenüs aus Bayern, USA und Osteuropa auf, die meiste Zeit nur begleitet von Pianomusik.

Im letzten Jahr hatte noch Sternekoch Stefan Marquard „Latex-Lachs“ und Rinderbrühe mit Blattgold zur Aufführung von Peter Pan serviert. Finanziellen Schiffbruch hat der Weihnachtsmarkt damit nicht erlitten, aber „es hat nicht unsere Erwartungen erfüllt“, sagt Tollwood-Sprecherin Christiane Stenzel.

„Das Modell hat sich totgelaufen“, räumt Norbert Kessler ein, Gastrochef bei dem alternativen Weihnachtsmarkt auf der Theresienwiese. 2008 sind allein drei dieser Spektakel in Riem und an der Friedenheimer Brücke angetreten. Giovanni Elbers „Do Brazil“ überstand nicht einmal den Winter, nur Alfons Schubecks „Teatro“ hält sich bis jetzt. Die Leute vom „Palazzo“ machen mit Schuhbeck jetzt gemeinsame Sache. Die Kette hatte in München die Segel gestrichen, weil sie eine Woche vor der Premiere nur 1500 Karten verkauft hatte – Schuhbeck schon 8000. Vor zwei Jahren war Eckart Witzigmann mit dem „Bajazzo“ Pleite gegangen.

Der Grund für das neue Konzept sei freilich nicht, sagt Kessler, dass das alte nicht aufging. „Wir haben gemerkt, dass die Leute Abwechslung wollen.“ Niemand ist gezwungen, sich während des Essens theatral unterhalten zu lassen, Karten für die Aufführungen im „Grand Chapiteau“-Zelt lassen sich aber zusammen mit dem Platz in der Futterkrippe reservieren.

Statt eine Eigenproduktion wie Peter Pan zu stemmen hat Tollwood heuer vier Gruppen eingekauft: Die Blechbläser von „Mnozil Brass“ mit ihrer Opernparodie „Irmingard“, die russischen Clowns vom „Teatr Licedei“, aus London die „Tiger Lillies Freakshow“ sowie die kanadische Artistengruppe „7 Fingers“.

Das weihnachtliche Essen, das den Journalisten auf der gestrigen Pressekonferenz kredenzt wurde, ist rund, bietet aber kaum Überraschungen. Als „kalte Leckerbissen“ stehen etwa ein Weihnachtskarpfen oder ein Cesar’s Salad auf der Karte, als Hauptgericht können die Gäste unter anderem zwischen bayerischer Bauern-Ente, einem amerikanischen Weihnachtstruthahn oder Krautrouladen wählen. Zum Dessert gibt’s Bayerische Crème, amerikanischen Käsekuchen oder eine russische Schokoladen-Mandelmousse mit Biskotten. Ein Fünf-Gänge-Menü kostet je nach Zusammenstellungen 28,15 bis 50 Euro.

Kolja Kröger

Das diesjährige Winter-Tollwood läuft vom 25. November bis 31. Dezember auf der Theresienwiese.

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