Christian Schottenhamel, Peter Inselkammer und Gregor Lemke (v.l.) stellen die Wirtshaus-Wiesn vor - im passenden Outfit natürlich.
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Christian Schottenhamel, Peter Inselkammer und Gregor Lemke (v.l.) waren voller Vofreude auf die WirtshausWiesn.

Corona in München

Ende der „Wirtshaus Wiesn“: Wirte ziehen positive Bilanz - Kellnerin gibt düsteren Ausblick fürs Oktoberfest 2021

Die „Wirtshaus Wiesn“ endet heuer. Die Betreiber der Gaststätten sind zufrieden. Dennoch gibt es auch düstere Aussichten aufs nächste Oktoberfest.

Update vom 4. Oktober, 13.20 Uhr: Hendl, Haxn, Wirtshausmusi und Tracht: Auch wenn heuer das Oktoberfest coronabedingt ausfiel - ein bisschen Wiesn-Stimmung gab es trotzdem in München. In gut 50 Gaststätten und Biergärten luden Wirte zur „WirthausWiesn“ mit „Ozapft is“ zum Start. Diese endet am heutigen Sonntag nun nach zwei Wochen und drei Wochenenden - wie es die „normale Wiesn“ auch getan hätte.

Laut Sprecher des Vereins der Münchner Innenstadtwirte, Gregor Lemke, sei die „Wirtshaus Wiesn“ gut angenommen worden. „Deutlich zeigte sich die Sehnsucht der Menschen nach Lebensfreude, nach etwas, das auch Mut macht“, so Lemke am Sonntag in München.

Bilanz der „Wirtshaus Wiesn“ in München: Innenstadt-Wirte zufrieden

Die Gäste hätten sich an Corona-Regeln gehalten und friedlich gefeiert. Obwohl die „Wirtshaus Wiesn“ aufgrund der steigenden Infektionszahlen in der bayerischen Landeshauptstadt zwischenzeitlich einen großen Dämpfer eingefahren hatte.

„Die Menschen freuten sich über die wiesnmäßig geschmückten Gasthäuser und genossen die typischen Oktoberfest-Schmankerl“, sagte Co-Wiesnwirte-Sprecher Christian Schottenhamel. Um wilde Wiesn-Ersatzfeiern mit hohem Infektionsrisiko zu verhindern, hatte die Stadt zum Start der Aktion auf der Theresienwiese, wo sonst beim Oktoberfest Millionen Liter Bier fließen, ein Alkoholverbot verhängt.

Kellnerinnen treffen sich zum „Kehraus“ auf der Theresienwiese - und geben bitteren Ausblick

Auf der Theresienwiese trafen sich indes am Sonntag einige Wiesn-Kellnerinnen, die im Schatten der Bavaria-Statue normalerweise am heutigen Sonntag das Kehraus feiern würden. Trotz der Anstrengungen, die es bedeutet, Wiesn-Kellnerin zu sein - sie alle haben es vermisst. Jedoch glauben nicht alle, dass sie im nächsten Jahr ihrem anstrengenden „Hobby“ wieder nachgehen können. Bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gebe und alle Menschen geimpft seien, werde es dauern, glaubt Kellnerin Jil Wegener, die eigentlich im Gesundheitsbereich arbeitet.

Update vom 24. September, 6.25 Uhr: Die Politik müsse verlässlicher und vorausschauender planen, sagte der zweite Wiesnwirte-Sprecher und Nockherberg-Chef Christian Schottenhamel der Deutschen Presse-Agentur. „Wir reden seit Monaten von einer zweiten Welle. Es wäre schön, wenn wir von der Staatsregierung vorher informiert worden wären, was für diesen Fall geplant ist.“

Laut Kabinettsbeschluss dürfen bei Überschreitung von 50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohnen unter anderem nur noch fünf Menschen zusammen in der Öffentlichkeit sein. Am Mittwochabend gab München angesichts des nach Zahlen der Stadt überschrittenen Wertes eine entsprechende Allgemeinverfügung bekannt.

WirtshausWiesn in München: Veranstalter kritisieren fehlende Planungssicherheit

Damit dürfen nur noch fünf Personen zusammensitzen. Schottenhamel sagte die Reservierungen für seinen Festsaal mit rund 450 Plätzen bereits ab (siehe Ursprungsmeldung). „Wenn wir vorher gewusst hätten, dass es kommen kann, dass wir nur fünf Personen an einen Tisch setzen können, hätten wir vorher schon reagieren und nur Reservierungen für fünf Menschen am Tisch annehmen können“, erklärt der Nockherberg-Chef.

„Es wäre schön, vorausschauende und planbare Verordnungen zu bekommen, die es uns ermöglichen, in unseren Betrieben die Strukturen rechtzeitig entsprechend zu verändern“, sagte auch der Sprecher der Innenstadtwirte und Chef des Augustiner Klosterwirt, Gregor Lemke. Es gehe etwa um das Reservierungsmanagement. Aber auch für neue Abstände, kleinere Einheiten für nur fünf Personen, Trennwände und die Schulung des Personals sei Vorlauf nötig.

WirtshausWiesn vor Corona-Aus? Neue Regeln lassen Veranstalter wüten: „Wahnsinn, der gesamte Branche betrifft“

Update vom 22. September, 18.20 Uhr: Die WirtshausWiesn wird wegen der zunehmenden Beschränkungen in der Stadt also eingedampft. Für Peter Inselkammer ein schwerer Schlag. „Da will man nach Monaten des Stillstands endlich mal wieder was bewirken, den Menschen ein Stück Lebensfreude schenken“, sagt der Wiesn-Wirt und Wirtesprecher, „und dann wird man ständig zurückgepfiffen!“ Bei dem ganzen Stress frage man sich irgendwann, so der Wirt weiter, „wofür man das Ganze überhaupt macht“.

Nun fällt das Programm im großen Festsaal ersatzlos weg. Festwirt Christian Schottenhamel erklärt: „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die gesamte Veranstaltung nach vorne ins Wirtshaus zu verlegen.“ So könne man die Hygiene-Auflagen der Stadt weiterhin lückenlos einhalten. Der Schutz der Gäste habe oberste Priorität - auch, wenn die Umrüstungen mit enormen Mehrkosten und Aufwand verbunden seien.

„Wir wollten eigentlich mit 900 Plätzen im großen Festsaal starten“, sagt Nockherberg-Co-Chef Florian Lechner. „Dann haben wir freiwillig auf 480 reduziert.“ Im Wirtshaus hätten jetzt maximal noch 250 Gäste Platz: „Ein organisatorischer, emotionaler und natürlich auch wirtschaftlicher Wahnsinn, der die gesamte Branche betrifft.“ Staat Achter-Tischen im Saal erwarten Gäste nun Fünfer-Tische im Wirtshaus.

Corona in München: Wirtin schäumt wegen Beschränkungen - „am liebsten alles hinschmeißen“

Kritik gibt es auch von anderen Gastronomen an den raschen Entscheidungen der Politik. Silja Schrank-Steinberg vom Hofbräukeller sagt zum Beispiel: „Ich komm‘ mir vor wie ein Spielball. Heute Hü, morgen Hott. Wir haben monatelang geackert, geplant und gekämpft. Und wofür?!“ Drei Tage - lächerliche drei Tage - betont die Festwirtin, hätten die Gastronomen nun Zeit, ihr komplettes Konzept noch einmal zu überdenken. „Ich war gerade im Bauhaus“, berichtet die Wirtin - um Trennwände und Klarsichtfolien zu kaufen. „Wenn unsere Gäste am Wochenende nicht so verdammt glücklich ausgeschaut hätten - ich würd‘ am liebsten alles hinschmeißen!“

Ein Gedanke, der auch Gregor Lemke, Sprecher der Münchner Innenstadtwirte und Inhaber des Augustiner Klosterwirts, schon durch den Kopf geisterte. „Die Stornierungen prasseln nur so auf uns herab.“ Trotzdem will sich der Wirt nicht geschlagen geben und weiter für seine WirtshausWiesn kämpfen. Mit Trennwänden, vergrößerten Abständen, „zur Not auch mit Sperrstunde“. Bisher habe schließlich alles wunderbar geklappt. Wieder ein Stück Lebensfreude in den Gesichtern zu sehen, sagt Lemke, „dafür lohnt sich der Stress.“ (sb)

Corona in München: WirtshausWiesn nicht mehr im Festsaal auf dem Nockherberg

Erstmeldung vom 22. September:

München - Paukenschlag auf dem Nockherberg: Weil den Betreibern die neuen Corona-Regeln der Stadt München stark zusetzen, haben sie sich zu einem drastischen Schritt entschlossen. Die WirtshausWiesn soll im dortigen Festsaal ab Mittwoch (23. September) nicht mehr stattfinden. Besuche im Biergarten oder Wirtshaus sind weiterhin möglich.

„Die Veranstaltung muss ersatzlos entfallen“, heißt es in einer Mitteilung, die Gäste erhalten haben, die zuvor einen Tisch im Festsaal reserviert hatten. Auch auf der Nockherberg-Homepage ist ein entsprechender Hinweis zur Corona*-Absage finden.

Corona München: Paukenschlag bei der WirtshausWiesn - Festsaal-Absage am Nockherberg

„Am Montag wurden für die Stadt München verschärfte Maßnahmen zum Infektionsschutz während der Covid-19-Pandemie beschlossen. Unter den neuen gesetzlichen Vorschriften ist es uns leider nicht mehr möglich, das geplante Programm in unserem Festsaal durchzuführen“, ist zu lesen.

Dämpfer für WirtshausWiesn: Erster Gastronom verkündet Corona-Absage

Schweren Herzens müsse man den Gästen mitteilen, dass Reservierungen vom 23. September bis zum 4. Oktober ungültig geworden sind. „Wir sind selbst hoch besorgt über die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen in München und betrübt über die notwendig gewordenen Maßnahmen. Dennoch würden wir uns über einen Besuch (in Wirtshaus oder Biergarten, d. Red.) von Ihnen freuen. Vor Ort ist für Ihre Sicherheit und einen ungetrübten Genuss gesorgt“, endet das Statement, das von Christian Schottenhamel, Florian Lechner und dem Team vom Nockherberg unterzeichnet ist.

Zuletzt hatte ein Veranstalter der WirtshausWiesn Kontra gegeben und auf Vorwürfe aus dem Rathaus reagiert. (lks) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Video: Dieter Reiter greift zu drastischen Maßnahmen - drei neue Corona-Regeln für München

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