Anwohner dürfen nicht in ihre Wohnungen

Bombe wird erst am Dienstagabend gesprengt

München - Zuerst sah es so aus, als sei es eine Bombe wie viele andere und die Entschärfung kein Problem. Von wegen: Die 250-Kilo-Fliegerbombe auf dem Baugrundstück an der Feilitzschstraße ist hochgefährlich!

Großalarm um 22.15 Uhr: Sprengmeister Diethard Posorski (65) und Kollege Michael Weiß (37) hatten enormes Glück und konnten gerade noch eine Explosion verhindern. „Das ist ein chemischer Langzeitzünder, den entschärfe ich nicht, ich bin doch nicht lebensmüde!“, sagte Posorksi um 22.30 Uhr der tz. Drei Menschen starben in Göttingen 2010 beim Versuch, genau eine solche Bombe zu entschärfen — sie hatten den Sprengkörper nur ein wenig angehoben, und er explodierte. „Auch wir haben sie kurz hochgehoben, aber das Gott sei Dank überlebt!“, sagte der erfahrene Sprengmeister danach noch hörbar erschrocken.

Inzwischen wurden zusätzliche Spezialisten angefordert. Auch die Sperrzone musste ausgedehnt werden. Informationen des Bayerischen Rundfunks und Angaben der Feuerwehr zufolge werden sich die Sprengarbeiten voraussichtlich bis zum Dienstagabend hinziehen.

Seit seiner Geburt hat Posorksi mit Bomben zu tun, auch schon sein Vater war Sprengmeister, „aber wer rechnet schon mit so etwas?“ Unvorstellbar, was alles hätte passieren können!

40 Jahre lang stand die Kultkneipe Schwabinger 7 direkt auf dem hochexplosiven Überbleibsel aus dem Krieg. Noch vergangene Woche rollte ein Bagger auf der Bombe herum. Am Montagvormittag waren Bauarbeiter dort mit Presslufthämmern zu Gange, während ringsum im Herzen Schwabings das Leben pulsierte.

Evakuierung! Entschärfung! Bombenfund unter Schwabinger 7

Evakuierung! Entschärfung Bombenfund unter Schwabinger 7

Kurz vor 12 Uhr kratzte die Baggerschaufel auf Metall. Der Beginn einer der größten Evakuierungs-Aktionen, die Schwabing je erlebt hat. Das Baugelände wurde sofort geräumt, aber wie groß die Gefahr wirklich war, war nicht klar, denn der Zünder steckte in der Erde.

Am frühen Abend wurde Katastrophenschutzalarm ausgelöst, 2.500 Anwohner evakuiert, der Bereich Bereich Clemensstraße – Wilhelmstraße - Kaiserstraße – Fendstraße – Wagnerstraße – Marschalstraße gesperrt.

Wann sie wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können, ist bislang nicht absehbar. Für alle, die nicht bei Verwandten oder Bekannten untergekommen sind, stehen drei Schulen als Notunterkünfte zur Verfügung.

Hier finden Sie einen Überblick über die Münchner Bombenfunde der vergangenen Jahre!

Aber immer wieder spazierten trotzdem Passanten in den Sperrbereich. Erst ab 21.15 Uhr baggerten die Sprengmeister die steinige Erde rund um die Bombe ab. Sie hoben sie kurz an, dann fuhr ihnen der Schreck in die Glieder.

Bis zum Dienstagabend soll die Bombe gesprengt werden. Vorher wird das Gelände abgesichert. Trotzdem rechnen die Verantwortlichen damit, dass umliegende Häuser bei der Sprengung beschädigt werden. Posorski: „Aber das wichtigste ist, dass niemand stirbt.“

Dorita Plange, Susanne Sasse

Unter 089/2353 5555 ist ein Bürgertelefon eingerichtet. Hier können Anwohner Informationen zur Bombenentschärfung erfragen.

Rubriklistenbild: © Oliver Bodmer

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