+
„Danke fürs Parkscheinlösen“ klingt ob des Geschäftsgebarens auf den Bahn-Parkplätzen für manchen zynisch.

Ärger über Abzocke am Hauptbahnhof

München - Die Parkplatz-Situation rund um den Hauptbahnhof ist miserabel. Dass kleine Parkzeitüberschreitungen auch noch unverhältnismäßig teuer sind, sorgt für großen Ärger. Auch im Rathaus...

„Das ist eigentlich nur mit dem Wort Abzocke zu beschreiben“, findet CSU-Stadtrat Richard Quaas. „Besonders, weil viel Parkzeitüberschreitungen darauf zurückzuführen sind, dass Züge verspätet ankommen und Abholer von Fahrgästen nicht kalkulieren können, wann sie wieder am Auto sein werden.“ Schon nach wenigen Minuten Überziehung finden Autofahrer hier trotzdem Strafzettel über 32 Euro hinter ihren Scheibenwischern. Diese fragwürdige Vorgehensweise hat Quaas nun in einer Stadtrats-Anfrage thematisiert. Er fordert die Stadt auf, auf die Bahn einzuwirken.

Die meint jedoch bislang, dass sie das Thema nichts angehe. Denn die Bewirtschaftung ihrer Parkplätze rund um den Hauptbahnhof sei an die Contipark Parkgaragen GmbH (Berlin) übertragen worden – wie in zahlreichen anderen deutschen Städten übrigens auch. In vielen davon gibt es ähnliche Klagen, wie sie in München laut werden.

Darum ist Contipark auch schon längst ein großes Thema bei Verbraucherschützern. „Wir haben oft Beschwerden“, sagt Petra von Rhein, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern mit Sitz in München. Wobei es gleich eine ganze Reihe von Ärgernissen gibt: So werden auf den Bahn-Parkplätzen generell nur stundenweise Tickets verkauft: Damit muss man mindestens drei Euro für eine Stunde in den Automaten werfen, auch wenn man nur fünf Minuten stehenbleiben möchte. Zum Vergleich: Auf der anderen Straßenseite bietet die Stadt einen 12-Minuten-Takt für 50 Cent an.

Besonders ärgerlich findet die Verbraucherzentrale, dass die Geschäftsbedingungen an den Park-Automaten nur schwer zu erfassen sind. Ganze 17 kleingedruckte Punkte haben die Vertrags- und Einstellbedingungen. Unter 6. und 8. wird eine willkürliche Vertragsstrafe von 23 Euro festgesetzt, egal ob gar kein Parkticket im Auto liegt, oder dieses abgelaufen ist. Zusätzlich werden drei Stunden Überziehung zu je drei Euro veranschlagt. Macht also insgesamt 32 Euro, sobald auch nur eine Minute überzogen wurde. Dass hierbei nicht unterschieden wird, ob jemand Minuten oder Stunden überzieht, finden Juristin von Rhein inakzeptabel.

Bereits 2010 hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wegen der unzulässigen Strafen gegen Contipark geklagt und vor dem Landgericht Berlin Recht bekommen. Eine höchstrichterliche Entscheidung gibt es jedoch noch nicht – Contipark kassiert weiter wie bisher. Am Dienstag reagierte das Unternehmen trotz verschiedener Bemühungen unserer Zeitung nicht auf Fragen.

CSU-Stadtrat Quaas fordert mit seiner Anfrage nun die Stadt auf, Möglichkeiten auszuloten, wie die Bahn in die Verantwortung genommen werden kann, seriösere Regelungen auf ihren Parkplätzen durchzusetzen. Juristin von Rhein empfiehlt Betroffenen unterdessen, sich im Falle eines Strafzettels an Contipark zu wenden und zu reklamieren, dass die hohe Vertragsstrafe nicht einfach zu erkennen und somit unwirksam sei.

Sven Rieber

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Angst vor „Party-Horror“: Gärtnerplatz-Anwohner protestieren gegen neue Fußgängerzone
Am Gärtnerplatz in der Isarvorstadt in München ist immer viel los. Doch der Plan das Areal um den Gärtnerplatz für Autos zu sperren und nur für Fußgänger zu öffnen, …
Angst vor „Party-Horror“: Gärtnerplatz-Anwohner protestieren gegen neue Fußgängerzone
Horror auf der Heimfahrt - Zwei Frauen im Auto missbraucht
Sie haben sich ein Taxi gerufen, um sicher nach Hause zu kommen – doch die Gefahr lauerte im Auto! Zwei junge Frauen haben auf der Heimfahrt einen Horror erlebt. 
Horror auf der Heimfahrt - Zwei Frauen im Auto missbraucht
Münchnerin (17) steigt bei angeblichem Taxifahrer in Auto - plötzlich hält er und vergewaltigt sie
Eine schreckliche Heimfahrt musste eine Münchnerin (17) am Sonntag erleben: Der vermeintliche Taxifahrer, zu dem sie ins Auto gestiegen war, verging sich an ihr.
Münchnerin (17) steigt bei angeblichem Taxifahrer in Auto - plötzlich hält er und vergewaltigt sie
Münchner Christbaum auf Marienplatz aufgestellt: Fichte wird jetzt geschmückt
Auf dem Münchner Marienplatz wurde der Christbaum für dieses Jahr aufgestellt. Die Fichte ist 25 Meter hoch und wiegt 4,5 Tonnen. Jetzt wird sie geschmückt.
Münchner Christbaum auf Marienplatz aufgestellt: Fichte wird jetzt geschmückt

Kommentare