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Sie bietet einen Schlafplatz oder etwas zu essen: Die Bahnhofsmission am Hauptbahnhof ist gut besucht.

Geld ist knapp

Bahnhofsmission am Hauptbahnhof am Limit

München - Immer mehr Menschen suchen die Hilfe des Wohlfahrtsverbandes am Hauptbahnhof - doch das Geld ist knapp. Die Mission ist dem Ansturm nicht mehr gewachsen.

Wenn Simone Slezak zur Arbeit kommt, bietet sich ihr täglich der gleiche Anblick: Dutzende verzweifelte Menschen warten vor der Tür der Bahnhofsmission am Gleis 11 des Münchner Hauptbahnhofes - manche von ihnen seit Stunden. Sie warten, bis um 8 Uhr die Notversorgung der Sozialeinrichtung ihre Pforten öffnet.

„Die Menschen vor der Tür haben alle eine unterschiedliche Geschichte“, sagt die 39-jährige Leiterin Slezak. „Meist sind es Obdachlose oder gestrandete Fahrgäste, die um eine Scheibe Brot und eine Tasse Tee bitten.“ Im Jahr 2013 sind über 100 000 Menschen mit dem Nötigsten versorgt worden. Täglich gehen zwischen 100 und 200 Portionen raus - und es werden zunehmend mehr. Es ist ein finanzieller Kraftakt für die Bahnhofsmission.

Finanziert wird die Bahnhofsmission überwiegend von der Stadt. Im letzten Jahr hat das Sozialreferat den beiden Trägern, dem Evangelischen Hilfswerk München und dem Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit, jeweils rund 187 000 Euro zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr steigt der Zuschuss auf jeweils rund 210 000 Euro. Zusätzlich gibt es Geld von privaten Spendern.

Brotspenden kommen von vielen Münchner Bäckereien. Die Hofpfisterei beispielsweise spendet in der Woche etwa 100 Laibe Brot. „Leider reicht das nicht immer aus“, sagt Slezak besorgt. „Wir müssen ständig Brot nachkaufen. Da fehlt es dann leider nicht selten an Geld.“

Die Bahnhofsmission ist aber nicht nur finanziell am Limit. Simone Slezak bemerkt, dass vor allem bei den kostenlosen Beratungsgesprächen die Nachfrage steigt. „Früher haben wir etwa 50 Leuten pro Tag mit gutem Rat beistehen können. Heute sind es teilweise 60 bis 80 Gespräche.“ Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter tun ihr Bestes. Lange Wartezeiten sind aber die Regel.

Die Probleme der Hilfesuchenden sind sehr unterschiedlich. „Vor kurzem kam ein Pärchen zu uns, das seinen Rucksack in einem Zug liegen hat lassen. Darin war ihr ganzes Geld und ihre Ausweise.“ Bei einem anderen Fall bat eine Mutter um Hilfe, die mit ihrer Tochter aus finanziellen Gründen aus ihrer Wohnung verlassen musste. Sie brauchte ein Obdach.

Die Bahnhofsmission arbeitet zudem eng mit der Bahn zusammen. 20 Mitarbeiter stellt sie für das Programm „Kids on Tour“. Diese begleiten Kinder zwischen sechs und 14 Jahren auf ihrer Reise durch ganz Deutschland. Allein am vergangenen Freitag fuhren zehn Kinder unter Aufsicht mit dem Zug nach Berlin und sechs nach Köln.

„Wir können nicht immer helfen, aber wir können die in Not Geratenen weitervermitteln“, sagt Slezak. „Die gute Vernetzung mit anderen Münchner Sozialeinrichtungen ist da von Vorteil. Schlafplätze für Bedürftige können wir so leichter vermitteln.“ Der Bahnhofsmission selbst stehen nur sechs Betten als Schutzunterkunft für Frauen in Not zur Verfügung - mehr Platz bieten die mietfreien Räume im Bahnhofsgebäude nicht. „Die Frauen müssen wir bevorzugen. Sie können nicht einfach irgendwo auf der Straße schlafen. Dort ist es für sie viel zu gefährlich“, sagt Slezak.

Häufig hat es der Wohlfahrtsverband mit Osteuropäern zu tun, die von Schlepperbanden nach Deutschland gelockt werden. Hier wird ihnen eine blühende Zukunft versprochen. Die Realität ist eine andere: Wegen lausig bezahlter Arbeit leben sie oft am Existenzminimum. Die meisten kämen aus Bulgarien oder Rumänien, sagt Slezak.„Man sieht daran, wie schlecht es manchen Menschen in Europa geht.“

Alexander Gropp

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