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"Warmnachtsbaum" nennt sich das Projekt, das Herwig Mayr derzeit am Sendlinger Tor umsetzt.

Hilfsprojekt für Bedürftige

Ein Spendenbaum für Obdachlose

München -  Mit einer ungewöhnlichen Idee unterstützt Herwig Mayr Münchens Obdachlose: An einem Baum hinter dem Sendlinger Tor hat der  48-Jährige Tüten mit warmer Kleidung, mit Decken und Hygieneartikeln aufgehängt.

Der  Inhalt der Tüten soll Bedürftigen helfen, durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Ein Schild weist darauf hin, dass die Artikel für alle sind, "die es in dieser Zeit besonders schwer haben". Vergangene Woche, anlässlich seines 48. Geburtstags, bestückte Mayr den Baum mit 30 Paketen: „Ich habe alles Mögliche gekauft, was Menschen, die auf der Straße leben, brauchen könnten“, erzählt er. Den Baum hinterm Sendlinger Tor wählte er bewusst: in der Nähe ist eine öffentliche Toilette, die viele Obdachlose nutzen.

Zurück geht die Idee mit dem Spendenbaum auf den Verein „be japy“, der 2014 von vier Studenten aus Offenburg gegründet wurde. Deren Mission ist es, mit Hilfe der sozialen Netzwerke, auf kreative Art Gutes zu tun. Bekannt wurde „be japy“ im vergangen Jahr durch ein Video im Internet: In dem sind Mitglieder des Vereins zu sehen, wie sie sich in der Offenbacher Fußgängerzone zu einem Obdachlosen setzen und Musik für die Passanten machen, um so Geld für den Bedürftigen zu sammeln. Bis heute wurde das Video über 19 Millionen mal auf Youtube angesehen. Als man bei „be japy“ von einer Aktion aus den USA erfährt, bei der Menschen Selbstgestricktes für Obdachlose in Bäume hängen, ist man von der Idee sofort überzeugt. Die Vereinsmitglieder behängen in Freiburg und Offenburg eigene „Warmnachtsbäume“, wie die deutsche Version des Spendenbaumes heißt. Die Idee kommt an: „In Offenburg haben wir 18 Tüten an unseren Baum gehängt, die waren in fünf Tagen weg“, erzählt Vorstand Peter Wilhelm. Jeder kann eine Tüte mit Sachspenden an den „Warmnachtsbaum“ hängen. Im Idealfall gibt es immer ein paar Äste mit warmer Kleidung. Wie üblich teilt „be japy“ die Idee in den sozialen Netzwerken. Als Anregung zum Spenden und Nachahmen. Denn „be japy“ sieht sich eher als loser Verbund von Menschen, die helfen wollen, als als Verein im traditionellen Sinne: „Bei uns ist jeder dabei, selbst wenn es nur über Facebook ist“, erklärt Wilhelm. Mehr als 176 000 Facebook-Freunde hat „be japy“ – einer von ihnen ist Herwig Mayr.

Seit vergangenem Jahr wohnt er in Augsburg. Vor seinem Umzug lebte er 24 Jahre in München. Als er die „Warmnachtsbäume“ auf Facebook sieht, ist klar: So etwas braucht München auch. „Ich finde es toll, dass junge Menschen sich für etwas einsetzen, und ich wollte es weitertragen.“ Für Mayr dient der Baum auch als Mahnung, wie leicht es doch eigentlich ist, Gutes zu tun: „Man kann so Bewusstsein für Armut schaffen und dafür, dass jeder tun sollte, was er kann.“ Mittlerweile sind die Tüten, die Mayr an den Baum hinterm Sendlinger Tor gehängt hat, fast alle weg. Das freut den Unternehmer. „Ich hatte so viel Glück in meinem Leben, dass ich gerne etwas zurück gebe.“ Trotzdem wünscht er sich, dass in Zukunft noch mehr Menschen Spenden an den Baum am Sendlinger Tor Platz 11 hängen. Denn auch wenn es in den kommenden Monaten wärmer wird, findet Mayr das Spendenangebot eine gute Idee: „So ein Baum ist ja für jede Jahreszeit bestückbar, denn es gibt so viele Sachen die Bedürftige brauchen können: Isomatten, Zahnpasta oder Unterwäsche beispielsweise.“ Tüten für Spendenwillige hat Mayr sicherheitshalber schon mal am Baum hinterlegt.  Annika Schall

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