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Die Baustelle von Sport Schuster am Rindermarkt.

Mitten im Weihnachtstrubel

Ewige Baustelle Innenstadt: Geschäfte klagen über Einbußen

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  • Martina Williams
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München - Im Zentrum Münchens machen den Geschäftsleuten mehrere Baustellen zu schaffen. Sie klagen über Einbußen.

Es ist ein klaffender Einschnitt mitten im Herzen Münchens: die riesige Baustelle von Sport Schuster am Rindermarkt. Direkt neben zahlreichen großen und kleinen Traditionsläden, deren Geschäft eigentlich jetzt im Advent nur so brummen müsste, buddeln Bagger, blockieren Laster und Bauschutzwände die Wege und Straßen. Hinzu kommen die Bauarbeiten in der Nachbarschaft: bei Hugendubel am Marienplatz. Eingekesselt zwischen zwei Baustellen – die Folgen sind für die Geschäftsleute verheerend!

Der Hintergrund: Sport Schuster hat am Rindermarkt heuer im Herbst das eigene Haus und das Nachbarhaus mit den Nummern 13 und 14 niederreißen lassen. Ziel: Der Sportartikelhersteller vergrößert seine Gebäude zu einem großen Komplex. Nun wird ein Neubau mit dem Haupthaus an der Rosenstraße verbunden, geplant ist eine neue Verkaufsfläche von rund 1000 Quadratmetern. Für die Zeit des Umbaus hat Sport Schuster ein Ausweichquartier geschaffen: in der Hofstatt (Sendlinger Straße 10). Fertigstellung war ursprünglich für Oktober nächsten Jahres geplant. Der Umbau bei Hugendubel wiederum soll mindestens bis Sommer 2017 dauern. Das Gebäude soll eine neue Fassade erhalten, innen entstehen neben der renovierten Buchhandlung auch ein Luxushotel, neue Büroflächen und ein Restaurant.

Eins der Geschäfte, das von der Baustelle am Rindermarkt betroffen ist: Das Traditionsunternehmen Kustermann zum Beispiel klagt über 1000 Kunden weniger am Tag – bei normalerweise 7000 bis 8000 eine enorme Anzahl.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Das Problem: Es ist schwierig, zum Eingang des Geschäfts am Rindermarkt zu gelangen. Es ist quasi vom Fußgängerstrom abgeschnitten. Ein Umstand, der auch vielen anderen Geschäften der Umgebung zum Teil noch viel größere Umsatzeinbußen beschert (siehe Umfrage unten).

Dem Sporthaus Schuster macht dabei übrigens keiner einen Vorwurf. Die Meinung der Geschäftsleute: Die Stadt München solle vielmehr die Baustellen mit mehr Rücksicht planen, damit die Menschen noch problemlos vorbeigehen könnten.

Kaum einer kommt durch

„Wir haben sicher 30 bis 50 Prozent weniger Umsatz. Der Münchner Standort war bisher die tragende Säule unserer Kette, nun müssen die anderen Filialen unsere Verluste auffangen. Der Laufweg zu uns ist wie abgeschnitten. Normalerweise ist der Christkindlmarkt belebend, aber jetzt kommt ja kaum einer zu uns. Besonders für Behinderte ist das gar nicht mehr möglich.“ Peter Künemund (44), „Meyerbeer Coffee“ am Rindermarkt 15

Sehr laut und staubig

„Trotz Baustelle kommen die Kunden relativ gut am Geschäft vorbei. Aber: Es ist extrem laut und staubig! Ich muss die Exponate täglich putzen. Zudem fürchten wir im Ruffinihaus die Gebäudesanierung 2018. Wir wissen nicht, was dann aus uns werden wird.“ Gustavo Hinojova (47), „Holzschnitzereien und Antiquitäten“ am Rindermarkt 10

20 Prozent Verlust

„Unser Geschäft hat 20 Prozent Laufkundschaft und 80 Prozent Stammkundschaft. Fast die ganze Laufkundschaft ist uns weggebrochen. Das liegt an den Baustellen bei Hugendubel und Sport Schuster. Uns geht’s noch vergleichsweise gut. Die Unternehmen, die hier um- oder neubauen, wollen ja auch nur ihr Geschäft machen.“ Randolph Kunis (34), „Whisk(e)y Shop tara“ am Rindermarkt 16
 

Wie abgeschnitten

„Mein Geschäft ist wie abgeschnitten. Wir machen fast 50 Prozent weniger Umsatz. Die Standl am Rindermarkt sind wie eine Mauer postiert, da kommt kein Fußgänger mehr durch. Die Straße hätte eigentlich seit 1. Dezember wieder offen sein sollen, neuer Termin ist der 1. Januar. Ich hoffe auf eine Entschädigungszahlung!“ Ernst Bauer (70), „Eyesee Stork und Bauer Optik“ am Rindermarkt 15

A. Stinglwagner; M. Williams

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