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Bayerischer Spargel bei Minusgraden? Mutter und Tochter schauen sich auf dem Münchner Viktualienmarkt den ersten heimischen Spargel an. Auf beheizten Feldern angebaut, kostet er ein kleines Vermögen.

Beheizter Spargel, das Kilo für 38,90 Euro

München - Das ist selbst für den Münchner Viktualienmarkt eine kleine Sensation: Der erste Spargel ist da! Schon beginnen auch die Diskussionen um den Gemüseanbau mit Fußbodenheizung.

Dampfend heiß muss er sein, und zart gewachsen, exakt 22 Zentimeter lang. Genau so liebt Josef Plöckl seinen Spargel. Und genau so sieht der Spargel aus Schrobenhausen auch aus, erklärt der Vorsitzende des Spargelerzeugerverbands Südbayern: ein Markenprodukt, genormt. Deshalb sei er bei den Kunden so beliebt, ist Plöckl überzeugt, und deshalb werde sie jedes Jahr wieder sehnsuchtsvoll erwartet, die Spargelzeit. Anfang April beginnt sie meist - je nachdem, wie das Wetter mitspielt.

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Doch damit ist nun Schluss. Jedenfalls beim Spargelhof Lohner: In Inchenhofen, 15 Kilometer von Schrobenhausen entfernt, hat der Spargelbauer schon vor einer Woche geerntet. Anfang März. Denn: Die Lohners haben Heizschläuche in ihre Spargelfelder eingebaut, die von einer Hackschnitzelanlage beheizt werden. Zwölf Hektar groß ist die Fläche westlich von Inchenhofen, auf der das Gemüse unbekümmert wachsen kann - egal, ob gerade ein eiskaltes Tief herauf zieht oder nicht. Auf Wunsch der Käufer, erklärt Lukas Lohner: „Die Kundschaft hat nachgefragt, ob es möglich wäre, auch früher Spargel zu bekommen.“

Und so bieten seit einer Woche die Marktstände auf dem Viktualienmarkt den „ersten Schrobenhauser Spargel“ feil. Knackig, frisch, und teuer: 38,90 Euro kostet das Kilo an einem Stand, an einem anderen 29,95 Euro. Daneben liegt ein Bund grüner Spargel aus Mexiko - für 7,95 Euro.

Plöckl hat für diese Produkte nur ein Kopfschütteln übrig. „Das passt doch nicht in die Zeit - März ist einfach noch zu früh“, wettert er. „Und mit ökologischen Gesichtspunkten hat das gar nichts mehr zu tun.“ Überhaupt darf der Lohnerhof sein Gemüse eigentlich nicht mit „Schrobenhausener Spargel“ betiteln - denn dieser Markenname ist nun geschützt, dafür hat Plöckl gesorgt. Das Anbaugebiet ist seit kurzem als „geschützt geographische Herkunft“ bei der EU eingetragen. Wer sein Produkt so nennen will, muss nicht nur Mitglied im Spargelverband sein, sondern der Spargel muss auch etliche Kriterien erfüllen - zum Beispiel höchstens 22 Zentimeter lang sein. Und: Der Spargel wird nur mit natürlicher Energie aufgezogen, mit Sonneneinstrahlung. Für die frühe Ernte Anfang April sorgen Folienabdeckungen, die die Wärme speichern, erklärt Plöckl - bevor diese Hilfe genutzt wurde, gab es den Spargel oft erst ab Mai, erklärt der Schrobenhausener. Für seine heizenden Kollegen hat er nur ein Schulterzucken übrig - „wenn sie eben unbedingt wertvolle Hackschnitzel auf die Felder werfen wollen, dann bitte“.

Die Verbraucherzentrale Bayern ist ebenfalls überzeugt: „Eine Heizung mit Hackschnitzeln zur frühzeitigen Spargelernte ist ökologisch nicht vertretbar“, sagt Andrea Danitsek. Wenn, dann solle man Biogas verwenden; kostenlose Wärme aus organischen Abfällen. Grundsätzlich sieht die Ernährungswissenschaftlerin aber keinen Bedarf an künstlich beheiztem Gemüse - schließlich gebe es genug Wintergemüse. Aber: Besser als die teuer eingeflogenen Spargelsorten aus Amerika sei der Heizspargel allemal. „Zumindest wird damit die heimische Wirtschaft unterstützt.“ Im Endeffekt komme das Produkt sowieso für die meisten Verbraucher nicht in Betracht, sagt Danitsek - zu teuer. Die müssen einfach ein paar Wochen warten, auf den 15. April: Da werden die Spargelwochen wieder eingeläutet. Auch bei Josef Plöckl liegen dann wieder die Stangen auf dem Teller, ganz so, wie es sich gehört: heiß, dampfend - und jede 22 Zentimeter lang.

Nina Praun

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