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Kuratoriums-Vorsitzender der Schausteller-Stiftung ist Hermann Memmel. Hier sehen wir ihn vor einem Regal mit jeder Menge historischer Motorkraft. 

Mit historischen Wiesn-Exponaten

Bekommt München ein eigenes Schausteller-Museum?

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München - Einst als fahrendes Volk verschrien, wollen die Münchner Schausteller mehr Würdigung erfahren. Der Stiftungs-Vorsitzende träumt von einem eigenen Museum – einer Volksfest-Erlebnishalle. Gezeigt werden könnten alte Kassenhäuschen und Geisterbahnfiguren.

Lange Zeit seien Schausteller „wie Schelmen“ in der Gesellschaft gesehen worden, sagt Hermann Memmel (77). Fahrendes Volk - und was die Leute leisteten, sei nie so recht anerkannt worden. Das Unternehmerische, das Technische, der Erfindergeist: Einfach nicht gewürdigt.

Deswegen schlug der damalige Wiesn-Stadtrat und heutige Oktoberfest-Ehrenbeirat Mitte der 1970er-Jahre eine Stiftung vor, die sich um die Geschichte der Schaustellerei kümmert. 1977 wurde die Münchener-Schausteller-Stiftung mit der ersten konstituierenden Sitzung Wirklichkeit - am heutigen Mittwoch feiert sie 40. Geburtstag. 

Und zu diesem Jubiläum regt Kuratoriums-Vorsitzender Memmel ein Projekt in der Landeshauptstadt an: Er hätte gerne - an möglichst prominenter Stelle - eine Volksfest-Erlebnishalle. Ähnlich eines Museums, mit historischen Exponaten und Multimedia-Einblendungen. Aber auch mit Essens-Buden mit gebrannten Mandeln und türkischem Honig. Ein Ort, an dem der Opa dem Enkel zeigen könne, wie es früher auf der Wiesn zuging. 

„Mir ist klar, dass so ein Projekt in München schwer zu realisieren ist“, sagt Memmel. Geeignete Immobilien seien kaum bezahlbar. An Exponaten würde es der Schausteller-Stiftung dagegen nicht mangeln. Viele hunderte hat sie in ihrem 40-jährigen Bestehen gesammelt. Kassenhäuschen aus den 1950er-Jahren, noch ältere Geisterbahnfiguren oder historische Steilwand-Fahrzeuge. 

Ein Teil dieser Zeugnisse aus vergangenen Zeiten ist im Stadtmuseum ausgestellt. Ein noch größerer aber lagert - der Öffentlichkeit nicht zugänglich - im Museumsdepot der Stadt in Freimann. In der Lagerstätte findet sich auch Kurioses. Etwa ein Miniatur-Panzer, der Mitte der 1970er-Jahre auf einem Kinderkarussell seine Runden über Volksfeste drehte. 

Ein Feuerwehrauto, aber auch Mini-Panzer drehte seine Runden in einem Kinderkarussell.

Auch ein ganzes Zelt besitzt die Stiftung: Das historische „Humoristische Velodrom“. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Unterhaltungszelt vom Münchner Schlosser Eduard Pirzer geschaffen. Er betrieb zunächst eine der ersten Fahrradfabriken in Deutschland und bereiste später mit seinem Velodrom inklusive Scherz-Fahrrädern ganz Deutschland. 

1962 stand das Velodrom das letzte Mal auf der Wiesn. 1988 kaufte die Stiftung es von einer Erbengemeinschaft. Seit der Jubiläumswiesn 2010 war eine neue Version des Velodroms auf der Oidn Wiesn zu finden. Beim diesjährigen Oktoberfest soll ein Volkssängerzelt das Velodrom ersetzen - und die Fahrräder sollen ins Museumszelt wandern. 

Nach Kritik des städtischen Revisionsamtes wird sich die Schausteller-Stiftung dort wiederum heuer nur noch um die historischen Exponate kümmern, die neu gegründete „Historische Gesellschaft Bayerischer Schausteller“ übernimmt die Verwaltungsaufgaben im Zelt. 

Die ehrenamtlichen Mitglieder der Schausteller-Stiftung sehen ihren Mittelpunkt ohnehin in der Würdigung der Geschichte des Berufsstands, „dessen Verdienst es ist, Menschen zu erfreuen“. Auch mit ganzen Wohnwägen kann sie aufwarten. Etwa ein aus heutiger Sicht spartanisches Exemplar aus dem Jahr 1905 mit kleinem Ofen und Holzrädern mit Eisenbeschlag. „Die Schausteller waren gerade im Winter froh, wenn sie überhaupt so eine einfache Unterkunft hatten“, sagt Memmel. 

Heute seien die Probleme andere: Die gesetzlichen Vorschriften etwa bei der Sicherheit der Fahrgeschäfte würden immer strenger. Viele große Volksfeste hätten dazu einen festen Bestand an Schaustellern, „da reinzukommen, ist sehr schwierig“. 

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