350 Arbeitsplätze in Gefahr

Karstadt-Kaufhof in München doch zu retten? - Vermieter mit Angebot - OB-Reiter: „unbedingt annehmen“

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Ein Hammer für München: Vier prominente Karstadt-Kaufhof-Filialen werden für immer verschwinden. Ein Kahlschlag. Stadt und Vermieter reagieren. Gibt es einen Rettungsplan?

  • Galeria Karstadt Kaufhof schließt offenbar drei Filialen sowie eine Karstadt-Sport-Filiale in München - 350 Arbeitsplätze sind in Gefahr.
  • Für die Galeria-Kaufhof-Filiale am Stachus hat der Vermieter ein Angebot gemacht.
  • Viele weitere spannende Geschichten aus München gibt es in unserer App.

Rettungsplan für Kaufhof: Gibt es doch noch Hoffnung für die Kaufhof-Filiale am Stachus? 

Update vom 24. Juni: Der Hauptvermieter, die Unternehmerfamilie Zechbauer, hat angekündigt, die Miete bis Ende 2021 um etwa drei Viertel zu kürzen (s.u.). 

Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) gehört zur Signa-Holding des österreichischen Unternehmers René Benko. Von Signa gab es bisher keine Reaktion auf dieses Angebot. 

Wie berichtet, will die GKK-Gruppe in München den Kaufhof am Stachus, die beiden Filialen am Nordbad und im OEZ sowie Karstadt Sports in der Neuhauser Straße schließen. Rund 350 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Bundesweit plant der Konzern die Stilllegung von 62 der 170 Kaufhäuser. Nach der coronabedingten Schließung aller Filialen hatte sich die GKK Anfang April in ein Schutzschirm-Verfahren begeben, das ist eine Art Vorstufe der Insolvenz. 

OB Dieter Reiter (SPD) will nun mit dem Generalbevollmächtigten der GKK die Chancen für eine Rettung der Arbeitsplätze ausloten. Dazu passt der Plan der Unternehmerfamilie Zechbauer, der von der CSU begrüßt wird: „Das Angebot schafft der GKK Zeit, einen Sozialplan für die von den Schließungen in München betroffenen Mitarbeiter zu entwickeln und im besten Fall den Standort am Stachus zu retten“, hieß es gestern von der Stadtratsfraktion. Signa solle die Offerte „unbedingt annehmen“. Alle weiteren Eigentümer der Kaufhof-Immobilie am Stachus sollten „dem guten Beispiel der Familie Zechbauer folgen“ und auch die Miete reduzieren, fordert die CSU. (KV)

Der österreichische Self-Made-Milliardär René Benko besitzt mittlerweile in München ein Firmenimperium in bester Lage.

Übrigens: OB Dieter Reiter hat sich auch an anderer Stelle in München eingesetzt: Die Floßlände in Thalkirchen wird nach einem Machtwort des SPD-Politikers wohl bald wieder von Surfern benutzt werden können. 

Karstadt-Kaufhof-Filialen müssen möglicherweise schließen - Entsetzen bei der Stadt

Update vom 23. Juni, 13.24 Uhr: Die mögliche Schließung von vier Galeria Kaufhof Karstadt Filialen in München sorgt auch bei der Stadt für Entsetzen. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner zeigte sich der AZ gegenüber „völlig überrascht und enttäuscht“. Grund dafür sei neben der Sorge um die Angestellten auch, dass die Münchner Innenstadt an Attraktivität verlieren könnte: Leere Gebäude würden nie einen guten Eindruck machen, so der CSU-Politiker.

Noch bedrohlicher scheint diese Aussage, da die jetzige Schließung für Clemens nur der Vorbote eines Kahlschlags in der Altstadt sein könnte. Man müsse rechtzeitig gegensteuern, so der Politiker: „Wir müssen die Münchner Innenstadt so attraktiv wie möglich halten. Für Touristen aller Länder, für Menschen aus dem Münchner Umland, aber auch für die Münchner selbst“, so Clemens.

Dazu brauche es gute ÖPNV-Verbindungen, Geschäfte und auch, dass Autos weiterhin in die Stadt fahren könnten. Clemens verweist auf Menschen aus dem Umland, die statt nach München zu fahren in ein Einkaufszentrum gehen könnten. 

Und noch ein Thema bringt der Wirtschaftsreferent ins Spiel: Ladenöffnungen am Sonntag. Das dürfe kein Tabu mehr sein, so Clemens. Er bringt auch eine Öffnung an einigen ausgewählten SOnntagen im Jahr ins Spiel.

Karstadt-Kaufhof in München doch zu retten? Vermieter mit Angebot

Update vom 23. Juni, 10.05 Uhr: Drei Filialen von Galeria Kaufhof Karstadt sowie eine Karstadt Sport Filiale sollen in München geschlossen werden. Die Nachricht sorgte offenbar nicht nur bei Kunden und den Angestellten der Kette für Entsetzen, sondern auch bei einem Vermieter

Gegenüber der Bild erklärte Michael Zechbauer, ein Mit-Eigentümer der Immobilie am Stachus, dass er aus der Presse von den Schließungsplänen erfahren habe. „Es gab da null Kommunikation seitens des Konzerns. Das hätte ich mir nach fast 70 Jahren Zusammenarbeit anders gewünscht“, wird Zechbauer weiter zitiert.

Karstadt-Kaufhof-Schock in München: Vermieter macht Stachus-Filiale ein Angebot

Die einzige Nachricht die der Vermieter demnach bekommen habe: Eine Mail Ende März, in der mitgeteilt wurde, dass der Konzern während des Lockdowns keine Miete bezahlen werde. 

Nachdem der Vermieter nun von der möglichen Schließung erfahren hatte, habe er selbst Kontakt zum Konzern aufgenommen. Daraufhin sei es zu Gesprächen gekommen, in denen Kaufhof ein „inakzeptables Angebot für die Zukunft“ gemacht habe. „Wir haben ihnen jetzt angeboten, für die nächsten eineinhalb Jahre auf Dreiviertel der Miete zu verzichten“, so Zechbauer zur Bild. Damit will man den Angestellten die Chance geben in Ruhe neue Jobs zu finden. „Die dürfen doch nicht einfach vor die Tür gestellt werden. Es darf bitte kein Kahlschlag passieren“, so der Vermieter.

Und was sagt der Chef der Stachus-Filiale zu dem Angebot? „Unsere Angestellten würden sich freuen, wenn durch eine Mietminderung der Standort noch zu retten wäre“, so Markus Niklas ebenfalls zur Bild. 

Karstadt-Kaufhof-Schock: OB Reiter „sehr betroffen“ - München will Horror-Szenario verhindern

Update vom 22. Juni, 10.40 Uhr: Nachdem herauskam, dass mehrere Filialen der Galeria Kaufhof Karstadt aus München verschwinden werden, hat sich nun Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu dem Fall geäußert und drückte seine Betroffenheit aus: „Die Ankündigung der Schließung von vier Galeria Karstadt Kaufhof Häusern in München hat mich sehr betroffen gemacht. Vielen Menschen droht der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Daher habe ich den Generalbevollmächtigten von „Galeria Karstadt Kaufhof“ heute um ein möglichst zeitnahes Gespräch gebeten, um zu klären, inwieweit die Stadt unterstützen kann, um die angekündigten Schließungen und damit verbundenen Kündigungen vielleicht doch noch abwenden zu können,“ so Reiter.

Damit unterstreicht Reiter seinen Willen, die Schließungen der Münchner Shopping-Institutionen noch zu verhindern. Ob dieses Szenario realistisch ist, bleibt abzuwarten.

Nächster Karstadt-Kaufhof-Paukenschlag für München! Stachus wird anders aussehen - auch Karstadt Sports macht dicht

Update vom 20. Juni, 20.18 Uhr: Neben den drei Münchner Galeria Karstadt Kaufhof Filialen, die demnächst dicht machen sollen, wurde nun eine weitere Schließung bekannt. Auch die Karstadt Sports Filiale soll geschlossen werden. Die Deutsche Presse Agentur berichtet davon, dass 20 der 30 Karstadt Sports Filialen in Deutschland aufgelöst werden sollen. Darunter fallen die Standorte in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Hamburg und München, wie der Kölner Stadtanzeiger erfahren hat.

Die Münchner Filiale befindet sich in der Neuhauser Straße in der Nähe des Stachus. Die Galeria Kaufhof Filiale am Karlsplatz soll ebenfalls schließen. Genauso der Standort am Nordbad und der Galeria Karstadt im Olympiaeinkaufszentrum.

Galeria Karstadt Kaufhof schließt bundesweit 62 Filialen - auch München ist betroffen.

Karstadt-Kaufhof: Nach Schließung wird der Münchner Stachus anders aussehen

Update vom 19. Juni, 21.08 Uhr: Es waren emotionale Szenen, die sich bei den Betriebsversammlungen der von der Schließung bedrohten Münchner Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) abspielten. „Da sind Menschen dabei, die seit 20 oder gar 30 Jahren im Unternehmen sind und jetzt fürchten müssen, ihre Lebensgrundlage zu verlieren“, berichtet Dominik Dotz von der Gewerkschaft Verdi. Solche Lebenskarrieren seien im Handel mittlerweile eher unüblich, bei den großen Warenhäusern sind sie bis heute gelebter Alltag.

„Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden“, sagte der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Freitag. Am Montag soll der Gläubigerausschuss dem Sanierungsplan zustimmen. Bundesweit sollen 62 Häuser schließen (siehe unten).

Die Gewerkschaft Verdi hofft allerdings, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Wir geben die Standorte noch nicht auf“, sagt Dotz. Man wolle das Gespräch mit den Vermietern der Immobilien suchen und mit ihnen um einen günstigeren Mietpreis verhandeln. Dabei soll auch die Politik helfen – „ein Hochkaräter aus dem Stadtrat“ könnte sich einschalten.

Auf einen Erfolg solcher Gespräche hofft auch Wolfgang Fischer von City Partner, der Vereinigung der Innenstadt-Händler. „Die Nachricht hat uns sehr getroffen, insbesondere die Galeria-Filiale am Stachus ist ein absolutes Traditionshaus.“ Er hoffe auf die Gespräche mit dem Vermieter und bange mit den betroffenen Mitarbeitern, dass sich doch noch eine Lösung finde.

Karstadt-Kaufhof: Standort am Stachus ist kompliziert

Insbesondere der Standort am Stachus ist kompliziert. Weil die von der Schließung bedrohte Galeria-Filiale quasi Tür an Tür mit dem Karstadt am Hauptbahnhof liegt, galt eine Schließung für Insider als wahrscheinlich. Ein Problem: „Die Sortimente beider Häuser waren zuletzt identisch, da hätte man stärker unterscheiden müssen“, findet Dotz und fragt: „Warum hätten Kunden in beide Läden gehen sollen?“

Andererseits dürfte die Schließung des Kaufhofs den Vermieter der Immobilie in Zugzwang bringen – schließlich verkleinern auch andere Einzelhändler ihre Innenstadtstandorte. Ein Einzelmieter für solch große Flächen an diesem Standort dürfte nicht leicht zu finden sein. Zumal in diesen Zeiten, in denen der Handel unter den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ächzt. „Die Nachfrage nach Mietimmobilien für Handelsflächen ist deutlich zurückgegangen“, berichtet City-Partner-Sprecher Fischer.

Im Olympia-Einkaufszentrum fanden sich bislang ebenfalls je eine Galeria- und eine Karstadt-Filiale – letztere muss nun weichen. Die frühere Kaufhof-Filiale war in dem Einkaufszentrum das dominierende Haus gewesen. Und während der Karstadt am Nordbad schließen muss, bleiben die Häuser am Rotkreuzplatz (Neuhausen) und an der Münchner Freiheit (Schwabing) erhalten.

Innenstadtstandorten könnte weiteres Ungemach drohen

Verdi-Mann Dotz hofft jetzt darauf, dass möglichst viele der 350 von der Schließung betroffenen Mitarbeiter in den verbliebenen Münchner Häusern des Konzerns unterkommen können. „Insbesondere am Marienplatz und am Hauptbahnhof war die Fluktuation zuletzt groß“, weiß Dotz. Bei einem Wechsel könnten Mitarbeiter der betroffenen Häuser zum Zuge kommen.

Sie fallen zunächst nicht ins Bodenlose. „Für mindestens sechs Monate werden sie in einer Transfergesellschaft aufgefangen und verdienen dort an die 90 Prozent ihres bisherigen Gehalts“, erklärt Dotz das weitere Vorgehen.

Den Innenstadtstandorten könnte weiteres Ungemach drohen – denn die Zukunft der Karstadt-Sports-Häuser ist noch immer ungewiss. Hier gelten mehr als zwei Drittel der bundesweit rund 30 Filialen als gefährdet. Mit dem Karstadt Sports am Karlstor und dem Sport Scheck im Pschorrhaus befinden sich gleich zwei Häuser des Konzerns in der Münchner Fußgängerzone.

Marc Kniekamp

Karstadt und Kaufhof-Schließung: München mit drei Häusern betroffen

Erstmeldung vom 19. Juni, 15.14 Uhr: München - Sechs der im Zuge der Sanierung von Schließung bedrohten Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) liegen in Bayern. Drei davon liegen in München selbst. Und das sind keine kleinen Häuser am Stadtrand. Wenn die Schließungen wirklich durchgesetzt werden, wird die Stadt eine andere sein.

Insgesamt wären rund 800 Mitarbeiter direkt betroffen, wenn die Häuser wie geplant dicht machen, wie ein Verdi-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Freitag sagte. Rund die Hälfte davon sind Münchner Stellen. Allerdings will die Gewerkschaft noch um Häuser kämpfen.

Kaufhof und Karstadt-Pleite: Zwei Filialen in Nürnberg und eine in Ingolstadt betroffen

Abgesehen von den Häusern in München sind dem Sprecher zufolge konkret bedroht der Karstadt in Ingolstadt, in Nürnberg die Häuser direkt in der Altstadt an der Lorenzkirche und die Filiale in Langwasser.

Karstadt und Kaufhof-Pleite: Drei Filialen in München droht das Aus

Aber nicht nur in Bayerns Norden droht der Kahlschlag. Auch im Herzen der Landeshauptstadt München* kommt es Dicke. In der Münchner Innenstadt könnten drei bekannte Filialen bald der Vergangenheit angehören. Dem Verdi-Sprecher zufolge ist geplant, sie ersatzlos zu schließen. 

Von Schließung betroffen: Kaufhof-Filiale am Stachus in München.

Kaufhof-Hammer für München: Galeria am Stachus muss wohl schließen

Die wohl prominenteste betroffene Filiale steht am Karlsplatz. Die Galeria am Stachus wäre von der Schließung betroffen. Wohl ein Bild, das sich kaum ein Münchner vorstellen kann.

Überall in Deutschland schließen demnächst Filialen von Galeria Kaufhof und von Karstadt.

Karstadt-Hammer: Zwei weitere Filialen in München betroffen

Und damit nicht genug. Geht es nach der Unternehmensführung, droht auch den Filialen am Nordbad und am Olympia-Einkaufszentrum das aus.

„Wir werden uns jetzt daransetzen und darum kämpfen, dass diese Liste möglichst verringert wird“, sagte ein Sprecher. Dazu wolle man mit der Politik, dem Unternehmen und den Besitzern der Immobilien sprechen. „Noch ist die Messe nicht gelesen.“

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In der Corona-Krise produzieren die Münchner mehr Müll. Dabei scheinen viele nicht zu wissen, dass auf ein Verhalten empfindliche Strafen drohen.

Geschlossene Warenhäuser, verrammelte Schaufenster – der Einzelhandel kämpft. Und das nicht erst seit Corona. Immer mehr Läden müssen schließen, freie Flächen stehen länger leer als früher.

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Rubriklistenbild: © SIGI JANTZ

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