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Auch an diesem Jahr wieder ganz vorne bei der CSD-Parade mit dabei: die Schwuhplattler.

Buntes Treiben

München unterm Regenbogen: Die Stadt freut sich auf den Christopher Street Day

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Am Gärtnerplatz lieben sich die Ampelmännchen, an Bussen flattern Regenbogenflaggen: Die Pride Week in München setzt ein Zeichen für mehr Toleranz und Akzeptanz. Der Höhepunkt ist die Feier zum Christopher Street Day am Wochenende.

München – Man sollte meinen, dass es spätestens seit Conchita wurst ist, wer wen liebt und ob jetzt ein Bart zum Abendkleid passt oder nicht. Doch nicht nur das Erstarken von Parteien, die mit homophoben Parolen um Mitglieder buhlen, zeichnet ein anderes, fahleres Bild. Das werden am Wochenende Männer, Frauen und Transgender wieder bunt ausmalen, indem sie in München für mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung demonstrieren: Bereits seit vergangenem Sonntag läuft die Pride Week, ihren Höhepunkt findet sie am Wochenende mit den Feiern zum Christopher Street Day (CSD). 

München feiert den CSD mit OB Dieter Reiter und weiterer Polit-Prominenz

Die Demos erinnern an den Stonewall-Aufstand in New York. Damals widersetzten sich Homosexuelle undTranssexuelle erstmals willkürlichen Polizei-Razzien in der Bar Stonewall-Inn. Das ist jetzt 50 Jahre her. Seitdem hat sich vieles geändert – aber nicht alles.

Wenn ich in Tracht unterwegs bin und von meinen Mann erzähle, dann fragen viele, ob sie richtig gehört haben“, sagt Sepp Stückl, Gründer und Vorstand der Schwuhplattler lachend. Wem Stückl dann bestätigt, dass er richtig gehört hat, der entgegnet oft „cool“. Tradition und Fortschritt – für viele sind das Gegensätze, Stückl tanzt mit ihnen. 2001 gründete er gemeinsam mit anderen Lederhoslern seinen schwulen Trachtenverein

Auch an diesem Jahr wieder ganz vorne bei der CSD-Parade mit dabei: die Schwuhplattler.

Seitdem platteln die Männer auf Festen und auch über den Christopher Street Day. Auch in diesem Jahr sind sie bei der Demo, die am Samstag um 12 Uhr vom Marienplatz startet, dabei. Gleich hinter den Trachtlern wird Schirmherr, OB Dieter Reiter (SPD) laufen.

München: Der CSD ist mehr als bloß ein buntes Spektakel 

Der Umzug ist die größte Demo von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI) im süddeutschen Raum. Die Parade ist heute deutlich größer, als noch in den 90er Jahren, sagt Stückl. Was ihn freut: Viele Menschen gehen mittlerweile offener mit ihrer Sexualität um. Gleichberechtigt sei die LGBTI-Community aber noch lange nicht. Stückl erinnert mit Schnauzer und Lederhosen an konservative CSU-Politik, meistens fühlt er sich sicher. „Aber wenn ich umgekehrt gerne Frauenkleider tragen würde, dann hätte ich wahrscheinlich viel mehr Probleme, obwohl ich der gleiche Mensch bin“, sagt Stückl.

Politische Entscheidungen tragen viel zur Toleranz bei. das zeigt auch ein Fall eines Schwuhplattlers, der aus Ungarn kommt. „Er traut sich seit dem politischen Wechseln nicht mehr auf öffentliche Auftritte. Er hat Angst, dass Angehörige ihn sehen könnten“, sagt der 66-Jährige. Umso wichtiger ist Stückl, den CSD nicht nur als „Halli-Galli und Feiern“ anzusehen, sondern auch für das, was er eigentlich ist: „Eine wichtige Demo für die Gleichberechtigung“.

Das CSD-Programm:

Während des Wochenendes verwandelt sich der Marienplatz zur Feiermeile mit Musik, politischen Diskussionen und Tanz. Besonders beliebt ist das Rathaus-Clubbing am Samstagabend ab 22 Uhr. Restkarten wird es an der Abendkasse geben. Eine Premiere gibt’s auf der Kaufingerstraße: Hier wird es eine zweite CSD-Bühne geben. Infostände zum Thema Regenbogenfamilie wird am Samstag auf dem Sankt-Jakobs-Platz geben. Ausführlichere Informationen unter: www.csdmuenchen.de.

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München feiert sich für seine Weltoffenheit und Liberalität. Doch unser Gastautor findet: „München hat noch immer ein Problem mit Homophobie!“. Besonders in ländlichen Regionen haben viele Bayern ein Problem mit Homosexuellen. In Fürstenfeldbruck drohte ein Schwulenhasser homosexuellen Flüchtlingen mit Mord und ein FDP-Mann sorgte mit seiner Verunglimpfung der CSD-Parade für einen Eklat. 

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