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Nichts fährt mehr: Die Sendlinger Straße ist für Fahrzeuge tabu.

Anwohner und Händler enttäuscht

Sendlinger Straße: Neue Fußgängerzone sorgt für Ärger

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    Sascha Karowski
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München - Für Fahrzeuge ist die Sendlinger Straße seit einiger Zeit tabu. Doch die reine Fußgängerzone sorgt vor allem bei den Anwohnern und Händlern für Unmut.

Flanieren auf Probe: Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist die Sendlinger Straße komplett Fußgängerzone. Darüber freut sich nicht jeder! Ladenbesitzer sind verärgert, Anwohner sauer, und auch Lokalpolitiker sind enttäuscht. Die Frustgängerzone!

„Wir sind sehr unzufrieden“, schimpft etwa Laura De Crignis (27), Filialleiterin von Schmuckrausch. „Das Geschäft ist viel schlechter geworden, die Umsätze sind zurückgegangen. Das ging genau los mit der Fußgängerzone.“

Martina Rödig vom Juweliergeschäft Modern Eves.

Martina Rödig (55), Inhaberin des Juweliergeschäftes Modern Eves im Asamhaus, sagt: „Ich habe mich eigentlich sehr auf die Fußgängerzone gefreut. Aber ich habe ja nicht geahnt, dass das so eine massive Veränderung mit sich bringen würde - zum Schlechten!“ Ein Teil ihrer Kundschaft, wie zum Beispiel ältere Herrschaften, die früher mit dem Auto zum Arzt gefahren sind und danach noch zum Einkaufen gingen, komme gar nicht mehr. „Stammkunden bleiben uns treu, aber was wegfällt, sind die Spontaneinkäufe.“

Lieferverkehr nur noch morgens und abends möglich

Und die Fußgängerzone brachte auch noch ein anderes Problem mit sich: Die Geschäftsleute mussten ihren Lieferverkehr auf spätabends oder frühmorgens verschieben. „Ich kriege immer abends meine Lieferung, dafür müssen wir jetzt am Oberanger parken und die Ware hochschleppen“, sagt Teresa Uhlig-Galekovic, Inhaberin von Bears & Friends. „Ich hätte nichts dagegen, wenn nach der Testphase alles rückgängig gemacht wird.“

Mit dem Wunsch ist sie nicht allein. Anwohnerin Bettina Rexer ist immer noch sauer. „Es wird immer so getan, als ob es keine Beschwerden gibt. Es gibt aber sehr wohl kritische Stimmen.“ Unter anderem sei die Verkehrsführung für das Hackenviertel viel schwieriger geworden, Parkplätze seien tagsüber kaum noch zu finden.

Auch BA-Chef Wolfgang Neumer ist skeptisch: „Der Preis, den München zahlt, ist sehr hoch. Ein altes Münchner Viertel, das Hackenviertel, wird es so nicht mehr geben.“ Immobilienfirmen würden sich darauf stürzen, und es werde noch mehr Luxussanierungen geben. „Die Bevölkerungsstruktur wird sich ändern.“ Rexer ergänzt: „Aber man kann eh sagen, was man will. Das ist doch alles schon beschlossene Sache.“

Andrea Stinglwagner, Sascha Karowski

Testphase

Bis zum Sommer 2016 begann die Fußgängerzone am ­Färbergraben und endete an der ­Hackenstraße. Nun reicht sie bis zur Herzog-Wilhelm-Straße. Der Stadtrat hatte einem einjährigen Test zugestimmt. Am Donnerstag, 23. Februar, sollen die ersten Ergebnisse im Münchner Stadtmuseum, Sankt-Jakobs-Platz 1, vorgestellt werden. Anmeldung unter 089/24 41 03 30.

Umfrage unter Kunden

„Ich sehe es zweischneidig. Als Privatmensch finde ich die Fußgängerzone gut, es ist entspannter und ruhiger hier, es entzerrt die Stadt. Aber als Handwerker habe ich ein Problem. Wir können mit unseren Autos nicht mehr zur Baustelle fahren. Entweder müssen wir sehr früh herfahren - oder wir nehmen Strafzettel in Kauf.“
Valentino Nistler (30), Gas-Wasser-Installateur

„Generell finde ich verkehrsberuhigte Zonen in der Stadt immer gut - schon allein aus ökologischer Sicht. Aber so, wie es hier geregelt ist, finde ich es ungewohnt. Denn obwohl überall Fußgängerzone ist, gehen die Leute trotzdem nur auf den Gehwegen.“

Katrin Mück (39), Journalistin

„Wir machen ein paar Tage Urlaub in München. Diese Fußgängerzone erinnert uns an die Maria-Hilf-Straße bei uns daheim in Wien. Die ist auch seit etwa einem Jahr für Autos gesperrt, und wir finden es super!“

Mathias Seiser (22), Trainer, und Teresa Strass (21), Studentin

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