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So viele wie seit 1992 nicht: Zehntausende demonstrieren auf dem Stachus in München gegen die Politik der führenden Industrienationen.

Demonstration in München

Zehntausende gehen gegen G7-Gipfel auf die Straße

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München - In München demonstrieren 40.000 Menschen friedlich gegen den G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau. Aber was verrät dieser Tag über die anstehenden Proteste in Garmisch-Partenkirchen?

Am Isartor stehen vier Polizisten hinter einem Biertisch und verteilen Getränke an ihre viel zu warm eingepackten Kollegen. Über die Frauenstraße nähert sich der größte Demonstrationszug, den es in München seit 1992 gegeben hat, rund 40.000 Menschen, die gegen den G7-Gipfel 2015 sind. „Keine Probleme“, krächzt eine männliche Stimme aus dem Polizeifunk, „überhaupt kein Klientel dabei.“

Es ist ein friedlicher, bürgerlicher Protest, der an diesem Donnerstag vom Stachus aus über den Altstadtring zieht. Kein „Klientel“, keine Krawallmacher, keine vermummten Demonstranten. Stattdessen viele Familien, Studenten, ein paar Hippies. Das Motto: „TTIP stoppen, Klima retten, Armut bekämpfen!“ Viele Themen sind das, entsprechend viele Organisationen und Parteien sind gekommen. Greenpeace und Oxfam, die Grünen und die Linken, Umweltschützer und Bauern. Sie alle kritisieren, dass da ein paar wenige beim G7-Gipfel 2015 in Elmau darüber entscheiden, wie es läuft in der Welt. Aber der Reihe nach.

Die Kundgebung am Stachus beginnt überpünktlich. Auf den Platz brennt die Junisonne, auf der Bühne begrüßt ein aufgedrehter Moderator die Demonstranten. „Wollt ihr das Freihandelsabkommen TTIP stoppen?“, ruft er. Zustimmender Jubel, Fahnen in der Luft, Trillerpfeifen. Der Kabarettist Arnulf Rating hat einen kurzen Auftritt, er klingt manchmal wie ein Politiker. „Auf der Welt sieht es aus wie nach fünf Stunden Monopoly“, sagt er. „Das reichste Prozent der Menschen besitzt so viel wie die anderen 99 Prozent.“ Der Mitorganisator Claus Schreer, ein Protestveteran, wird noch deutlicher. „Glaubt ihnen kein Wort“, sagt er vor dem G7-Gipfel 2015, „wenn sie nach dem Gipfel wieder sagen, dass sie die Armut bekämpfen wollen.“

Protest gegen G7-Gipfel 2015: Ein bisschen Volksfest, ein bisschen Christopher Street Day

Als der erste Rutsch Demonstranten am Stachus auf die Demo-Route startet, tönt oben auf der Bühne noch die Musik. „Rainer von vielen“ spielt – und viele bleiben. „Tanzt die Revolution“, hat der Moderator den Demonstranten kurz zuvor zugerufen. Und weil das viele tun, klafft bald eine richtige Lücke zwischen den Demonstranten. Ein paar ganz Orientierungslose laufen in Richtung Hauptbahnhof und werden von der Bühne aus zurückgepfiffen. Kurz darauf läuft dann alles tadellos über den Altstadtring. Wilde Kostüme, laute Tanzmusik von den Protestwagen. Der Protest gegen den G7-Gipfel 2015 ist ein bisschen Volksfest, ein bisschen Christopher Street Day. Im Hauptbahnhof klettern derweil zwei Aktivisten auf eine Reklametafel über der Galerie. Sie enthüllen ein Plakat („G7-Gipfel blockieren“) und pusten Seifenblasen auf die zuschauende Menge. Schließlich greift das Höheninterventionsteam der Bundespolizei ein und holt die Aktivisten mit einer Hebebühne zurück auf den Boden.

Es bleibt der einzige Zwischenfall an diesem Tag. Selbst die Polizei, die übrigens nur 34.000 Teilnehmer beim Protest gegen den G7-Gipfel 2015 gezählt hat, lobt am Ende das Verhalten der Demonstranten. Wird es bei der großen Demo am Samstag in Garmisch-Partenkirchen ähnlich friedlich? Waren alle Sorgen umsonst?

Schon im Vorfeld war von Uneinigkeiten zwischen den Organisatoren der Proteste die Rede. In München, war zu hören, demonstrieren die Gemäßigten. Und am Gipfelort die Radikaleren. „Nach Garmisch? Fahr ich nicht hin“, sagt ein Demonstrant. „Da kommen nur die Ultras.“ Und das bayerische Innenministerium teilt mit: Der friedliche Verlauf der Münchner Aktion erlaube keine Rückschlüsse darauf, wie der Protest gegen den G7-Gipfel 2015 am Wochenende verlaufen werden.

In München jedenfalls verstehen sich Demonstranten und Polizisten ausgezeichnet. Da erkundigt sich eine ältere Dame besorgt, ob es dem jungen Beamten in seiner Ausrüstung nicht viel zu warm sei. Eine andere diskutiert mit einem Polizisten die Frage, warum China beim G7-Gipfel am Wochenende auf Schloss Elmau nicht dabei sein darf. Und einer der 3000 Polizisten schlendert pfeifend neben ein paar Demonstranten mit Trommeln und Trompeten her.

Am Abend spricht auf der Abschlusskundgebung am Odeonsplatz noch Jean Ziegler, Globalisierungskritiker und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Über transnationale Konzerne sagt er vor dem G7-Gipfel 2015: „Die haben eine Macht, wie sie kein Papst, kein Kaiser je hatte.“ Großer Applaus am Ende seiner Rede. Und dann singt, klar, Hans Söllner noch ein paar Lieder.

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir bereits für Sie zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Demo zum G7-Gipfel: Ich protestiere, weil ...

Demo zum G7-Gipfel: Ich protestiere, weil ...

Von Maximilian Heim und Marcus Mäckler

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