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Gleisüberwachung: So denken die User

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Das System der Nürnberger U-Bahn erkennt zuverlässig Personen im Gleisbett. © Grafik: VAG

München - Braucht München eine elektronische Gleisbettüberwachung? Die Frage, die wir in unserer Dienstagsausgabe aufgeworfen haben wurde von den Usern kontrovers diskutiert. Lesen Sie eine Auswahl aussagekrätiger Kommentare:

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Sicherheit am Bahnsteig: Geld oder Leben

Braucht München eine elektronische Gleisbettüberwachung? Die Frage, die wir in unserer Dienstagsausgabe aufgeworfen haben, gewinnt mit dem Tod eines 20 Jahre alten Auszubildenden weiter an Brisanz. Er ist der dritte junge Mann, der seit September unter Alkoholeinfluss von einer U- oder S-Bahn überrollt wurde und an seinen schweren Verletzungen starb.

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Eine Mehrheit gegen Gleisbettüberwachung: Das Ergebnis unserer Umfrage, an der bislang rund 500 Nutzer teilnahmen.

Die Frage nach mehr Sicherheit wird auf unserer Website heftig diskutiert. An einer Umfrage beteiligten sich bis gestern Nachmittag rund 500 Nutzer. Über die Hälfte sprachen sich aus unterschiedlichen Gründen gegen eine Gleisbettüberwachung aus (siehe Grafik). Mehrere Diskussionsbeiträge widmen sich dem Thema Bahnsteig-Türen. In Hongkong und in Singapur gibt es solche Systeme: Eine Glaswand trennt den Bahnsteig von den Gleisen. Ihre Türen öffnen sich erst, wenn der Zug dahinter steht. Ähnlich kennt man das von Aufzügen. In München ist dieses System bereits vor Jahren diskutiert und für S- und U-Bahn gleichermaßen verworfen worden. Die Argumente:

- Wenn mehrere Fahrzeugtypen im Einsatz sind, deren Türen nicht exakt die gleichen Abstände haben, ist das System unbrauchbar.

- An gekrümmten Bahnsteigen variiert unweigerlich der Abstand zwischen Wagen und Bahnsteigkante. Die Lücke zwischen Zug- und Bahnsteigtür kann dann so groß werden, dass neue Unfallgefahren entstehen.

- Die Züge müssen zentimetergenau stoppen. Das ist mit der hier eingesetzten Technik nur schwer zu garantieren. Auf jeden Fall müssten die Züge so langsam an den Haltepunkt heranfahren, dass die in München übliche schnelle Zugfolge und damit der Fahrplantakt nicht zu halten wäre.

Hier nun eine Auswahl der User-Kommentare:

Ruben meint:

„Ich bin für so eine Sicherheitsanlage, zumindest auf der Stammstrecke. Das mag vielleicht ein paar Millionen kosten, aber es rechtfertigt dann auch mal die Fahrpreiserhöhung des MVV. Im Vergleich zu anderen Ländern hinken wir mit der Technik hinterher. Das darf nicht sein.“

schlömö schreibt:

„Die Leute müssen einfach auf sich selbst aufpassen. Es kann nicht sein, dass immer andere zur Verantwortung gezogen werden, wenn etwas passiert... Der junge Mann hätte in seinem Zustand auch einfach die Treppe runterfallen und sich dabei schwer verletzen können.“

Sahnehäubchen findet:

„Ich muss denen zustimmen, die der Ansicht sind, dass man nicht alles im Leben so einrichten kann, dass niemand zu Schaden kommt. Was nützen speziell ausgestattete Bahnsteige, wenn jemand anschließend betrunken vor ein Auto läuft? Bauen wir Käfige um Leitern, damit niemand runterfällt und sich das Genick bricht? Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie jeder von uns täglich zu Tode oder zu Schaden kommen kann; zum Altwerden gehört eben auch Eigenverantwortung und eine gute Portion Glück. Beides fehlte Lukas (also dem Opfer, d. Red.) leider.“

Tom60 schreibt:

„Und als nächstes rüsten wir alle Straßen mit Dedektoren aus... Nee, nee, liebe Gesellschaft, so geht das nicht. Besoffen sein ist mittlerweile so gesellschaftsfähig, das ist nur noch traurig. Welcher Wirt hat denn dem Kerl so viel Alkohol gegeben? Fragt da mal einer nach? Ich habe keine Lust, diese Welt mit meinen Steurgeldern idiotensicher zu machen, bis der Nächste kommt und beweist, dass sie noch nicht idiotensicher genug ist... Irgendwann hört’s auf!“

Gast meint:

„Ich bin der Meinung, dass die Unterhaltung hier falsch geführt wird. Es geht eben nicht nur um den Betrunkenen, der nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Es geht um Betrunkene, Selbstmörder, Opfer von Gewalt, Menschen mit Behinderung, Kinder beim Rangeln und Spielen. 2009 ist eine blinde Frau auf die Gleise gestürzt und von der U-Bahn getötet worden. Es ist auch schon ein Baby auf die Gleise gefallen, gottseidank ist hier nichts schlimmeres passiert.

In meinen Augen hat der Betreiber dafür zu sorgen, dass von seinem Gerät keine Gefahr ausgeht. Und er hat jede zumutbare Maßnahme zu treffen, um Personenschäden zu vermeiden. Dass diese Maßnahme zumutbar ist, sieht man in Nürnberg. Jetzt müssen uns schon die Franken zeigen, wie es richtig geht.“

Sheldon erklärt:

„Bahnverkehr ist fast genau so wenig Schuld an Unfällen, wie Bäume am Straßenrand!“

Sam Axe schreibt:

„Wegen 7 (in Worten: sieben) Menschen in einem Jahr, die in schreckliche Zwischenfälle verwickelt sind – dazu noch meist selbstverschuldet! – sollen also täglich etwa 800 000 Menschen in Form von Fahrplanänderungen büßen? Sorry, aber das ist definitiv zu kurz gedacht.“

Zusammengestellt von Thierry Backes und Peter T. Schmidt.

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