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Anschlag auf Schwulen-Symbol: Taferl-Klau am Rosa Stangerl!

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Von: Johannes Heininger

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Michael Baumgartner (31) ist der Verwalter des Rosa Stangerls im Glockenbachviertel und befürchtet, dass der Maibaum als Symbol für die Schwulen- und Lesbenszene einige stört.
Michael Baumgartner (31) ist der Verwalter des Rosa Stangerls im Glockenbachviertel und befürchtet, dass der Maibaum als Symbol für die Schwulen- und Lesbenszene einige stört. © A. Schmidt

Seit zehn Jahren steht das Rosa Stangerl am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz im Glockenbachviertel. Der Maibaum ist der Stolz der Szene, doch nun haben Unbekannte Schilder geklaut.

München - „Für unsere Gemeinschaft ist das ein schwerer Schlag“, sagt Michael Baumgartner und blickt wehmütig den 14 Meter hohen rosafarbenen Maibaum im Glockenbachviertel hinauf. Dem Wahrzeichen der Münchner Schwulen- und Lesbenszene fehlen seit Kurzem markante Schmuckstücke. Unbekannte haben zwei Schilder und einen Kranz, der an der Spitze befestigt war, gestohlen. Die Polizei steht am Anfang ihrer Ermittlungen.

Münchens erster schwuler Maibaum

Seit zehn Jahren steht das Rosa Stangerl nun schon am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz. Es ist der Stolz der Szene, und diese ist im Glockenbachviertel bekanntlich besonders stark. Vor allem auch selbstbewusst und optisch deutlich erkennbar. Es steht für sexuelle Offenheit in einer weltoffenen Stadt, die München immer schon sein wollte. „Aber unser Rosa Stangerl ist offensichtlich auch ein Symbol, mit dem einige nicht klarkommen“, sagt Baumgartner.

Insgesamt 15 Schilder und ein Kranz schmücken den Maibaum. Jetzt fehlen neben dem Kranz auch die Tafeln mit der Aufschrift „Ehe für alle“ und dem Logo des Münchner Löwenclubs, dem größten Lederverein in Deutschland. Baumgartner, der nicht nur das Rosa Stangerl verwaltet, sondern auch jedes Jahr das beliebte Maibaumfest mit bis zu 2000 Besuchern ausrichtet, ist enttäuscht.

Schaden am Maibaum ist groß

Auch finanziell ist der Schaden nicht unerheblich. Die fehlenden Schilder und der Kranz samt Karabinerhaken würden mit rund 700 Euro zu Buche schlagen. Geld, das Michael Baumgartner aus der eigenen Tasche zahlt. „Hart erarbeitetes Geld“, sagt der 31-jährige Metzger. Baumgartner hat Anzeige wegen Diebstahls erstattet. Die Polizei ermittelt, hat aber noch keine Hinweise auf die Täter. Auch hinsichtlich des Tatmotivs können die Beamten derzeit noch keine Einschätzung abgeben. Eine Zunahme von homophoben Taten ließe sich in jüngster Zeit aber nicht feststellen, sagt Sprecherin Claudia Künzel.

Michael Baumgartner will sich beim Bezirksausschuss jetzt für Videoüberwachung am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz einsetzen. Dort würden nämlich seit Längerem zwielichtige Gestalten herumlungern. 

Schon 2009 haben unbekannte Farbschmierer haben den "ersten schwulen Maibaum" im Glockenbachviertel verunstaltet, wie tz.de* berichtet.

Hans-Sachs-Straßenfest

Am Samstag (18. August 2018) weht in der Hans-Sachs-Straße im Glockenbachviertel wieder die sechsfarbige Regenbogenflagge. Mit mittlerweile stolzen 10.000 Besuchern ist das Hans-Sachs-Straßenfest nach dem Christopher-Street-Day und seiner großen Parade die zweitgrößte Veranstaltung der schwul-lesbischen Gemeinde in München. Der Nürnberger Schuhmacher, Dichter und Meistersinger Hans Sachs lebte um das Jahr 1515 längere Zeit in München. Wohl auch, weil er sich dort verliebt haben soll, ist die Straße, die nach ihm benannt wurde, ein passender Ort, um eine ausschweifende Party zu feiern. Das erste Straßenfest wurde übrigens 1991 für das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum geschmissen.

Einen Überblick über die Veranstaltungen am Wochenende in München finden Sie hier.

Johannes Heininger

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Isarvorstadt – mein Viertel“.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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