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Gastschüler und Vertreter des AFS beim Truthahn-Essen am Donnerstagabend-

Freundschaft geht durch den Magen

Der große Abend der AFS-Austausch-Schüler im Pressehaus

München - Am Donnerstagabend kam es zum großen Treffen der AFS im Pressehaus des Münchner Merkur und der tz. Verleger Dirk Ippen hat eine Botschaft an Trump. So verlief der Abend.

Fünf Tage mit dem Schiff über den Atlantik, dann drei Tage im Greyhound-Bus quer durch die USA, bis er am Ziel ist: Ein 16-jähriger Junge aus Bremen fährt nach Lincoln, Nebraska. Es ist das Jahr 1959: Eckard Heintz verlässt zum ersten Mal in seinem Leben die Heimat. Heute ist Prof. Dr. Eckard Heintz 80 Jahre alt und sitzt am Ehemaligen-Tisch des American Field Service (AFS) – beim großen Thanksgiving-Essen im Pressehaus an der Bayerstraße.

Der AFS vermittelt Gastschüler auf der ganzen Welt. Der gemeinnützige Verein besitzt eines der weltweit größten Netzwerke. Seine Ziele sind hoch: Völkerverständigung, Weltfrieden und interkulturelles Lernen.

Gemeinsame Freude - auch beim Essen

tz-Verleger Dr. Dirk Ippen und seine Gattin ­Marlene in der Alten Rotation des Pressehauses.

Dazu gehört auch die gemeinsame Freude – wie eben hier im Pressehaus. Der Abend beginnt, das Buffet ist eröffnet, eine Gruppe als Truthähne verkleideter Gastschüler begrüßt die Gäste singend zur Melodie von Come hear the music play, life is a Cabaret, old chum. Die Gastgeberin des Abends ist Marlene Ippen, Ehefrau von tz-Verleger Dr. Dirk Ippen. Auch sie war Gastschülerin in den USA und erinnert sich noch gut: „Ich war bei einer reizenden Familie in der Nähe in Boston.“ Das Jahr im Ausland habe ihr Leben verändert, erzählt sie. Um diese Erfahrung zu feiern und den Geist des AFS zu beleben, lädt sie jedes Jahr ein: In der Alten Rotation des Pressehauses feiern Austauschschüler, Gastfamilien, Ehemalige und Helfer.

Prof. Heintz erinnert sich daran, wie der AFS sein Leben geprägt hat: „Wir kamen zurück und konnten perfekt Englisch, hatten Freunde in Übersee gefunden. Wir haben in einem Jahr einen riesigen Entwicklungsschritt gemacht.“ Er fügt hinzu: „Ohne das Jahr im Ausland wäre ich später nicht erster Geschäftsführer des Münchner Kulturzentrums Gasteig geworden.“ Amerika ist an diesem Abend sehr nah – nicht nur, weil Thanksgiving ein amerikanischer Festtag ist. Die politische Weltlage spielt auch in den Festreden eine wichtige Rolle: Da warnt der Vorsitzende des AFS vor „Abschottung und nationalistischen Tendenzen“ – und Dirk Ippen wünscht sich für den gewählten US-Präsidenten Donald Trump: „Wem Gott ein Amt gibt, dem soll er auch Verstand geben.“

AFS: Blick weiten, Horizont öffnen

Man spürt es an diesem Abend: Der AFS steht dafür, den Blick zu weiten, den Horizont zu öffnen. Dabei ist die Vielfalt noch größer geworden. Die Gastschüler kommen etwa aus Island, Japan und Argentinien – die europäisch-amerikanische Achse, die den AFS bis in die 70er prägte, ist aufgebrochen. Die Gastschüler auf der Bühne stellen ihre Länder vor: In kleinen Theater-Sequenzen spielen sie Landestypisches vor – etwa Guacamole und schöne Frauen für Venezuela, Origami für Japan.

Einer der Gastschüler, August Cordoba aus Argentinien, ist seit neun Monaten in Deutschland. Das Wetter macht ihm zu schaffen – und manchmal empfindet er die Deutschen als etwas kühl. Für ihn geht die Tour durch die Welt noch weiter: Sein nächster Stopp ist São Paulo, seine Freundin studiert dort. Trotzdem ist Deutschland etwas Besonderes – und plötzlich strahlt Augusts Gesicht ähnlich wie das von Eckard Heintz, wenn er vom Amerika seiner Jugend erzählt. August berichtet von seiner Gastfamilie in München, vom deutschen Alltag und sagt: „Deutschland ist meine zweite Heimat geworden.“

Sophia Bogner

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