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Hauptbahnhof: Bahn droht Klage

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So soll der Hauptbahnhof nach den neuen Plänen der Bahn aussehen – das sorgt für heftige Kritik. © DB

München - Heftiger Streit um die neuen Pläne für den Hauptbahnhof: Die Stadt kritisiert den abgespeckten Entwurf der Bahn. Und das Architekturbüro, das die ersten Pläne erstellte, schließt einen Rechtsstreit nicht aus.

Er sollte ein Meilenstein werden, ein Eingangstor für die Stadt: der spektakuläre Neubau des Hauptbahnhofs, erdacht von den Architekten Auer+Weber. Doch seit Ostern ist bekannt: Die Bahn will diese Pläne nicht weiter verfolgen. Wie berichtet, ist ihr der bisherige Entwurf zu teuer. Sie plant stattdessen nun eine günstigere, selbst entworfene Variante, die Rede ist von einem „funktionalen Neubau“. Die ersten Pläne dafür wurden nun bekannt – und sorgen für großen Unmut. Morgen debattiert der Stadtrat darüber.

Hauptbahnhof: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Die Pläne der Bahn sehen ein neues siebenstöckiges Empfangsgebäude vor , die alte grau-grüne Fassade soll verschwinden. In ersten Entwürfen präsentiert sich der geplante Bau mit einer großflächigen Glasfassade. Nicht abgerissen werden der Starnberger Flügelbahnhof sowie die beiden roten Seitengebäude, in denen sich das Intercity-Hotel und die Sparda-Bank befinden.

Doch diese Pläne stoßen auf viel Kritik: Das Büro Auer+Weber, das den ursprünglichen Entwurf konzipiert hatte, hält das Vorgehen der Bahn schlicht für unzulässig. Man sei von der Bahn nämlich überhaupt nicht über Neuplanungen informiert worden, teilt das Büro mit – davon habe man erst durch einen Artikel unserer Zeitung erfahren. Die Architekten erinnern nun daran, dass ihr Entwurf aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen war. Bei der Auslobung habe sich die Bahn verpflichtet, die Planungen mit Auer+Weber umzusetzen – sie hätten das Büro folglich in die Neuplanungen mit einbinden müssen. Zudem habe die Bahn in ihrem neuen Entwurf wesentliche Elemente des „Auer+Weber“-Entwurfs übernommen, so das Architekturbüro – „hier stellen sich Fragen der Urheberschaft“.

Nach Angaben von Moritz Auer will das Büro nun im Gespräch mit der Bahn eine gütliche Lösung finden. Einen Rechtsstreit wolle man nur führen „wenn uns nichts mehr übrig bleibt“. Auer hofft, dass die Bahn ein Einsehen hat, zumal sein Büro selbst eine kostenreduzierte Variante entwickelt hat, die die Bahn nicht teurer käme als ihre eigene Sparvariante.

Auch im Rathaus stoßen die neuen Pläne der Bahn auf Kritik. „Wir bedauern sehr, dass der schöne Entwurf von Auer + Weber nicht umgesetzt werden soll“, sagt die SPD-Planungssprecherin Claudia Tausend, ebenso wie die Grünen-Verkehrsexpertin Sabine Nallinger. CSU-Fraktionschef Josef Schmid stimmt zu: „Wir haben erhebliche Zweifel, ob der neue Entwurf funktional überhaupt eine Verbesserung zum Ist-Zustand bringt. Dazu muss die Bahn Rede und Antwort stehen.“ Er könne mit der jetzt geplanten Fassade „nicht sehr viel anfangen“.

Auch die Stadtverwaltung wirkt alles andere als glücklich mit dem Entwurf der Bahn. In einer Vorlage kritisiert ihn Stadtbaurätin Elisabeth Merk an zwei wesentlichen Stellen: Zum einen seien die Verknüpfungen im Untergeschoss zur U-Bahn und zur bestehenden S-Bahn-Stammstrecke unbefriedigend. Zum anderen sei der Hauptzugang zum Bahnhof zu eng. Hier müsse die Bahn noch nachbessern.

Johannes Patzig

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