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Krisenmanager: SWM-Geschäftsführer Florian Bieberbach durchlebt schwere Zeiten.

Krise in der Energiebranche

Stadtwerke machen 600 Millionen Euro Verlust

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München - Die Krise in der deutschen Energiebranche geht auch an den Stadtwerken München nicht spurlos vorbei. Heuer wird der Konzern einen Verlust von 600 Millionen Euro ausweisen.

Fallende Energiepreise, Abschreibungen auf konventionelle Kraftwerke und milliardenschwere Rückstellungen für den Atomausstieg machen den deutschen Energieriesen Eon, RWE und Co. erheblich zu schaffen. Auch die Stadtwerke München als größter städtischer Versorger Europas leiden unter den Verwerfungen in der Branche, konnten sich aber besser behaupten als die meisten großen Konzerne. Dennoch: Die Stadtwerke befinden sich in der schwersten Krise seit ihrer Gründung im Jahr 1998 – zumindest, wenn man die nackten Zahlen betrachtet. Das Ergebnis nach Steuern werde nach aktueller Hochrechnung im Jahr 2015 rund minus 600 Millionen Euro betragen, gab der Konzern gestern bekannt.

Grund dafür sind „außergewöhnliche Sonderbelastungen“. So mussten die SWM beispielsweise aufgrund des derzeit sehr niedrigen Zinsniveaus die Rückstellungen für das Kernkraftwerk Isar II um rund 120 Millionen Euro erhöhen (wir berichteten). Zusätzlich werden auch bei den SWM hohe bilanzielle Wertberichtigungen auf Anlagen zur Stromerzeugung und Gasgewinnung notwendig sein, da die Profitabilität einiger Projekte aktuell zwar noch positiv, aber deutlich schwächer einzuschätzen ist als noch vor ein paar Jahren. Durch diese bilanziellen Anpassungen kommt das Minus von 600 Millionen Euro für 2015 zu Stande.

Dass der Mutterkonzern der Stadtwerke prinzipiell gesund ist, zeigt der operative Gewinn, der bei rund 400 Millionen Euro liegen wird. Das operative Ergebnis erwirtschaften Unternehmen durch ihre regelmäßige Geschäftstätigkeit. Im Fall der SWM handelt es sich um die Versorgung der Bürger mit Gas, Strom und Wasser oder den öffentlichen Nahverkehr, also die klassische Daseinsvorsorge. Jetzt zahlt sich aus, dass die SWM frühzeitig in die Erneuerbaren investiert haben, denn bei der Einspeisung ins Netz hat grüner Strom Vorfahrt. „Konventionelle Energieerzeugung wird zunehmend unrentabler, dafür bringen die erneuerbaren Energien mehr ein“, sagt SWM-Sprecher Christian Miehling. Weil die Stadtwerke in den vergangenen Jahren Milliarden in die Erneuerbaren investiert haben, schlägt die Krise weniger stark auf den Versorger durch. „Wir haben uns gut aufgestellt“, sagt Miehling.

Die Stadtwerke GmbH, wichtigster Bestandteil der Unternehmensgruppe, wird heuer ein knapp positives Ergebnis im einstelligen Millionenbereich ausweisen. In den vergangenen Jahren hatte die Kommune von regelmäßigen Ausschüttungen profitiert. Dass der Geldsegen vorerst ausbleibt, hatte im Herbst die Haushaltskrise mit ausgelöst. Für die kommenden Jahre rechnen die SWM mit einer Fortsetzung der Durststrecke, gleichwohl aber wieder mit positiven Ergebnissen und damit auch mit Gewinnausschüttungen an die Landeshauptstadt München.

Für die Politik kommt der riesige Verlust nicht überraschend. „Das war absehbar“, sagt SPD-Stadträtin Simone Burger, die auch im Aufsichtsrat der SWM sitzt. Am 22. Dezember will das Kontrollgremium die Situation beraten. „Es gibt keinen Grund, Alarm zu schlagen, aber dieses Ergebnis muss man natürlich kritisch hinterfragen“, sagt Burger.

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