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Ist genervt: Lars Droege hätte laut Online-Kalender des KVR eineinhalb Monate auf die Passverlängerung warten müssen.

Neues System in der Kritik

KVR-Terminvergabe gleicht einem Glücksspiel - Bürger sind genervt

Mit einem neuen System will das Kreisverwaltungsreferat (KVR) Wartezeiten für Bürger verkürzen. Doch das neue System gleicht einem Glücksspiel, kritisieren Bürger und sind genervt. 

München - Heute Nachmittag den Pass verlängern lassen – oder erst in einem Monat? Das neue Terminvergabesystem der Bürgerbüros gleiche einem Glücksspiel. Das kritisiert Lars Droege. Der Neuabinger wollte online einen Termin im Pasinger Bürgerbüro vereinbaren. „Der nächste Termin wäre erst Mitte April gewesen! So lange hätte ich nicht warten können…“, ärgert sich der 57-Jährige. Das alte System sei besser gewesen, weil planbarer. Wie andere Besucher der Bürgerbüros die Sache sehen (nämlich durchaus gemischt), zeigen wir Ihnen in der Umfrage unten.

Kampf gegen Wartechaos: Was hat sich beim KVR geändert?

Seinen Wohnsitz ummelden, einen neuen Personalausweis beantragen, ein Auto anmelden. Diese und viele andere Dienstleistungen erhalten Münchner in den Bürgerbüros der Stadt. Früher war das wie folgt: Zum Bürgerbüro gehen, eine Nummer ziehen und warten. In den vier Außenstellen Pasing, Neuhausen, Milbertshofen und Fürstenried-West ist das jetzt aber nicht mehr möglich. Man muss vorher einen Termin vereinbaren – entweder online im Internet, telefonisch oder direkt vor Ort. Das soll die Wartezeiten verringern. 

Das sagt das KVR über das neue System

Im Kreisverwaltungsreferat (KVR) ist man bislang zufrieden. „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass den Kunden mit Termin praktisch keine oder allenfalls noch sehr kurze Wartezeiten entstehen“, teilt Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle auf eine Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion mit. Die durchschnittliche Wartezeit an den Standorten mit Terminvereinbarung beträgt laut Böhle rund vier bis sechs Minuten.

Online-Termin statt Schlange stehen

Klingt gut. Funktioniere aber nicht, moniert Droege. „Wenn man Pech hat, muss man wochenlang auf einen Termin warten.“ So wie er: Der Online-Kalender des KVR habe ihm als frühestmöglichen Termin für die Passverlängerung ein Datum Mitte April angezeigt. Weil er nicht so lange warten konnte, ist er ohne Termin zum Bürgerbüro Pasing gefahren. „Ich habe mich in die Schlange gestellt und gegen halb neun einen Zettel mit aufgedrucktem Termin bekommen“ (also doch nicht Mitte April, sondern am gleichen Tag). Droege weiter: „Mein Termin war für zehn vor 11 angesetzt, ich musste ungefähr noch 20 Minuten länger warten.“ Dabei habe er noch Glück gehabt. „Der nächste Termin wäre erst am 26. März gewesen“, berichtet der Buchhalter. Also nochmal ein anderes Datum…

Heuer soll auch noch die letzte Außenstelle am Ostbahnhof (Orleansplatz) auf das neue Terminsystem umgestellt werden. Das Bürgerbüro im Hauptgebäude an der Ruppertstraße wird momentan aufgestockt: Dort ist eine Erweiterung geplant, und auch dort soll mittelfristig das neue Terminvergabesystem kommen. Noch gilt hier an der Ruppertstraße das altbekannte Prozedere.

Einwohnerzahl steigt -  Bürgerbüros überlastet

Im Hinblick auf die steigenden Einwohnerzahlen will das KVR weitere Maßnahmen ergreifen: Bestehende Bürgerbüros sollen teilweise erweitert werden (Ruppertstraße) oder in größere Räume umziehen (Pasing). Weitere Außenbüros sind in Planung (Scheidplatz), neue Standorte werden gesucht (Ramersdorf-Perlach, Moosach).

Wie ist der KVR-Online-Service: Das sagen Bürger

Online-Anmeldung ist gut. 

Ich brauchte ein Vier-Tages-Kennzeichen und habe mich erst im Internet auf der KVR-Seite informiert. Ich finde die Online-Anmeldung gut. Ich konnte gestern einen Termin für heute um 11 Uhr buchen. Ich glaube aber, dass man für Meldeangelegenheiten länger warten muss. Carmen H. (44), ­Pasing, in der Immobilienbranche.

Frühester Termin in vier Wochen

Musste vier Wochen auf einen Termin warten.

Ich musste mich ummelden und habe einen neuen Perso beantragt. Ich finde die Online-Anmeldung gut, man hat einen Überblick, welche Termine noch frei sind. Leider musste ich vier Wochen warten, Heute war der früheste Termin. Aber wenn man es weiß, kann man sich darauf einstellen. Mein Termin wäre um 11 Uhr gewesen. Dran gekommen bin ich um 11 Uhr 20. Patrick R. (21), Student aus Feldmoching

 




Keine gute Sache – man wird zum gläsernen Bürger!

Ein Glück, dass ich zufällig mein Rad hier am Bürgerbüro abgestellt habe! Ich war gerade gegenüber beim Standesamt wegen einer Namensänderung. Ich habe nicht gewusst, dass man sich hier jetzt vorab anmelden muss. Ich hätte mich einfach so angestellt. An sich finde ich das mit der Online-Anmeldung nicht gut. Ich habe viele Freunde, die haben gar kein Internet. Man wird ja immer mehr zum gläsernen Bürger. Ich würde mich telefonisch anmelden. Sven K. (53), Rentner aus Laim.

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

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Daniela Schmitt

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