Der schmiedeeiserne Zaun soll die Schüler vor ungebetenen Gäste schützen.

Brennpunkt Hauptbahnhof

Luisengymnasium: Jetzt schützt ein Zaun die Schüler

Das Luisengymnasium in der Nähe des Alten Botanischen Gartens wird seit rund einem halben Jahr von einem schmiedeeisernen Zaun geschützt - aus Sicherheitsgründen. Wir haben uns vor Ort umgesehen.

München - Es sind befremdliche Szenen, die sich morgens nur wenige Meter vom Alten Botanischen Garten entfernt abspielen: Schüler, die nach acht Uhr am Luisengymnasium ankommen, müssen sich über ein zentrales Kamerasystem im Sekretariat der städtischen Schule melden. An der Eingangstüre prangt ein Schild, das „Unbefugten“ den Aufenthalt untersagt. Außerdem ist der gesamte Gebäudekomplex eingezäunt. Innerhalb der schmiedeeisernen Stäbe herrscht striktes Handy-Verbot. Ein Szenario wie aus einem Hochsicherheitstrakt – am Luisengymnasium seit Schuljahresbeginn bittere Alltagsrealität.

Nachdem der Terror mit dem Amoklauf in Erfurt vor 15 Jahren zum ersten mal Einzug in eine deutsche Schule gehalten hat, sind die schulischen Sicherheitsvorschriften bundesweit massiv erhöht worden. Seit 2002 müssen alle staatlichen Schulen im Freistaat zusammen mit der Polizei sowie dem zuständigen Sachaufwandsträger, dem Landkreis, der Stadt oder Gemeinde, ein Sicherheitskonzept erarbeiten. „Dabei müssen die Anforderungen natürlich immer an die individuellen Gegebenheiten der jeweiligen Schule angepasst werden“, sagt Ludwig Unger (55) vom Bayerischen Kultusministerium. Im Falle des Luisengymnasiums war die Nähe zum Alten Botanischen Garten entscheidend – schließlich gilt die Gegend um den Hauptbahnhof herum schon lange als gefährlicher Brennpunkt.

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Wie Direktorin Luitgard Vonbrunn der tz berichtet, sind in der Vergangenheit immer wieder zerbrochene Flaschen und Fixerspritzen auf dem Schulgelände gefunden worden. Außerdem sei der Pausenhof vor allem während der Wiesnzeit regelmäßig „in einen allgemeinen Schlafplatz“ verwandelt worden. Die Folge: „Gerüche und Verschmutzungen jeglicher Art“. Also reagierte die Schulleitung mit einem zwei Meter hohen Bauzaun – zunächst noch provisorischer, seit September jedoch schmiedeeisener Art.

Schülerin Paula Högl (16) hält die Maßnahmen für angebracht.

Für die Schüler bedeutet das: Wer das Gymnasium nach dem Unterrichtsbeginn betreten will, muss beim Hausmeister oder im Sekretariat klingeln. Dort sehen die Mitarbeiter über ein zentrales Kamerasystem, wer draußen vor der Türe steht. Die Schüler nehmen’s locker: „Solange man pünktlich ist, hat sich seit dem letzten Jahr eigentlich nicht viel verändert“, sagt Paula Högl (16).

Obwohl die Schülerin die verschärften Sicherheitsvorkehrungen für „durchaus angebracht“ hält, fühlt sie sich nicht automatisch sicherer. Schließlich könne auch ein hundert Meter hoher Zaun keine hundertprozentige Sicherheit bieten. „Wer reinkommen will, findet immer einen Weg“, meint Högl.

Die Realität gibt der 16-Jährigen recht. Denn wie eine andere Schülerin berichtet, würden die Arkaden auf dem Schulgelände abends und am Wochenende nach wie vor zum Feiern genutzt. Einer Mutter, die ihr Kind im Sommer am Luisengymnasium anmelden will, ist der Alte Botanische Garten zwar ein Dorn im Auge, aber auch ein „Lehrmeister“: Schließlich könnten die Schüler durch die Nähe zu diesem Brennpunkt lernen, verantwortungsvoll mit den Gefahren einer Großstadt umzugehen. „Und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es im Leben sowieso nie“, sagt Vonbrunn.

Sarah Brenner

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