+
Marode, gammelig, veraltet: Das Justizzentrum am Stiglmaierplatz soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Marodes Justizzentrum wird abgerissen

München - Justitia muss ihre Koffer packen. Ihr altes Zuhause, das Justizzentrum am Stiglmaierplatz, ist praktisch abbruchreif. Jetzt ist endlich entschieden, wie es mit der Münchner Strafjustiz weitergehen soll.

Die Tage der Betonburg sind gezählt. Schon lange gibt es Umzugspläne für das marode Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße. Bereits 2009 wurde die Idee bekannt. Passiert ist jedoch wenig – bis jetzt. Wie die CSU-Landtagsabgeordnete Petra Guttenberger berichtet, hat die Staatsregierung die Entscheidung für einen Umzug inzwischen getroffen.

Immer auf dem Laufenden: Folgen Sie uns bei Facebook

Noch im Frühjahr soll ein Architektenwettbewerb starten, teilt Tobias Geiger, Sprecher des Justizministeriums, mit. Die dafür notwendigen Haushaltsmittel – acht Millionen Euro – stehen bereits zur Verfügung. Zehn Monate später soll der Siegerentwurf gekürt werden. Je nachdem, wie schnell der Landtag das Geld für den Bau bewilligt, könnte Ende 2013 der erste Spaten in den Boden gerammt werden. Rund fünf Jahre danach wäre im Idealfall alles fertig. Richter und Staatsanwälte könnten 2017/2018 einziehen – so der grobe Zeitplan.

Und Zeit ist Geld: Je länger sich der Umzug hinzieht, desto mehr Geld muss in den Erhalt des Klotzes am Stiglmaierplatz gesteckt werden. „Wir sind dazu gezwungen“, sagt Karl Huber, Präsident des Oberlandesgerichts. Überspitzt formuliert: Für das Gebäude Jahrgang 1974 geht es ums Überleben.

Der Bau krankt, ist infiziert mit Rost und Feuchtigkeit. In der Tiefgarage sammeln sich kleine Seen. Fliesen und Waschbecken in den Toiletten sehen gammelig aus – und das sind noch die geringsten Probleme. „Der Brandschutz und die Sicherheit sind die größten Baustellen“, sagt Huber. Die gesamte Infrastruktur des Gebäudes sei angeschlagen, die Haustechnik hoffnungslos veraltet. Allein um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, müsse man vor dem Umzug noch „eine siebenstellige Summe“ investieren. Es geht also um Millionen.

Der Bauteil C an der Linprunstraße wurde bereits saniert – für 18 Millionen Euro. Damals dachte man noch über eine Sanierung des gesamten Zentrums nach. Die Idee ist aber inzwischen vom Tisch: Nach aktuellen Schätzungen würde eine Instandsetzung inklusive der temporären Auslagerung der Beschäftigten rund 130 Millionen Euro kosten. Die grundlegenden Mängel des Baus wären damit aber nicht beseitigt, die nächste Sanierung nur eine Frage der Zeit.

Nimmt der Freistaat geschätzte 65 Millionen Euro mehr in die Hand – also insgesamt 195 Millionen – bekäme man für das Geld ein nagelneues Gebäude. „Es ist in jedem Fall sinnvoller, in die Zukunft zu investieren“, meint Guttenberger. Im Dezember sah sie sich die Probleme vor Ort an, war „erschüttert“ – und machte anschließend Druck: „Ich habe gesagt: ,Freunde, es muss jetzt was geschehen – und zwar schnell.‘“ Anschließend habe die Staatsregierung zusammen mit dem Haushaltsausschuss grünes Licht für den Umzug gegeben.

Als neuer Standort wurde bereits vor einiger Zeit die Ecke Schwere-Reiter-/ Dachauer Straße am Leonrodplatz auserkoren. Das Grundstück gehört dem Freistaat, der auch für die Finanzierung verantwortlich ist. OLG-Präsident Huber macht jetzt Tempo. „Der Gedanke, den Betrieb im alten Gebäude noch fünf bis zehn Jahre aufrecht erhalten zu müssen, bereitet mir Bauchschmerzen.“ Die Verzögerung sei nicht die Schuld der Justiz, betont er.

Was nach dem Umzug mit dem alten Gebäude am Stiglmaierplatz passiert, ist noch unklar. „Ich gehe davon aus, dass man das Grundstück gut vermarkten kann und dadurch wieder Geld für den Neubau reinholt“, sagt Guttenberger. Die Entscheidung trifft aber nicht sie. Für die Verwertung ist die „Immobilien Freistaat Bayern“ zuständig, die fast alle landeseigenen Gebäude verwaltet. Sie wird das Schicksal der Betonburg besiegeln.

Von Thomas Schmidt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mann gibt sich als Taxifahrer aus und vergewaltigt Münchnerin (17)
Eine schreckliche Heimfahrt musste eine Münchnerin (17) am Sonntag erleben: Der vermeintliche Taxifahrer, zu dem sie ins Auto gestiegen war, verging sich an ihr.
Mann gibt sich als Taxifahrer aus und vergewaltigt Münchnerin (17)
Kuriose Fahndung: Polizei fischt Täter aus der Isar - bestohlene Frau verschwunden - so sah sie aus
Ein ungewöhnlicher Fahndungsaufruf des Polizeipräsidiums: Gesucht wird nicht etwa ein Täter, sondern das Opfer einer vereitelten Straftat. 
Kuriose Fahndung: Polizei fischt Täter aus der Isar - bestohlene Frau verschwunden - so sah sie aus
Christbaum am Marienplatz steht schon - doch warum hat der Stamm so viele Narben?
Unbeschadet steht der Münchner Christbaum seit gestern in voller Pracht auf dem Marienplatz. Doch am Stamm hat der Weihnachtsbaum ganz unschöne Narben. Was steckt …
Christbaum am Marienplatz steht schon - doch warum hat der Stamm so viele Narben?
Horror auf der Heimfahrt: Falscher Taxifahrer wird übergriffig - ein Serientäter? 
Sie haben sich ein Taxi gerufen, um sicher nach Hause zu kommen – doch die Gefahr lauerte im Auto! Zwei junge Frauen haben auf der Heimfahrt einen Horror erlebt. 
Horror auf der Heimfahrt: Falscher Taxifahrer wird übergriffig - ein Serientäter? 

Kommentare