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Um dieses Haus handelt es sich.

Schikanen, Abmahnung, Räumungsklage

Miet-Horror im Künstlerhaus: So schützen Sie sich vor Schikane

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Sie ist eigentlich eine Mieterin aus dem Bilderbuch. Dennoch fühl sich eine Münchnerin von ihrem Hausverwalter drangsaliert. Warum und was Sie dagegen tun können.

Mary M. (42) ist mit ihren Nerven am Ende. Die Geschäftsführerin lebt seit sieben Jahren in einem Mehrparteienhaus an der Adalbertstraße (Maxvorstadt). Ihre Miete bezahlt sie pünktlich, so wie alle Bewohner des ehemaligen Künstlerhauses auch – ein Segen für jeden Wohnungseigentümer, eigentlich… Denn seit Jahren fühlen die Mieter sich vom zuständigen Hausverwalter Markus S. (Name geändert) drangsaliert, sagt M. Schikanen, Abmahnungen, Räumungsklage – aus dem Künstlerhaus wurde eine Horror-Villa. „Die Mietergemeinschaft lebt in Angst“, sagt Mary M. „Und der Eigentümer unternimmt nichts dagegen.“ M. und ihre Nachbarn vermuten: Hinter den Provokationen steckt System.

„Nach der Scheidung von meinem Mann fing alles an“, erzählt Mary M. Plötzlich zweifelte Hausverwalter Markus S. an der Zahlungsfähigkeit der 42-Jährigen. Man wollte die jetzt alleinlebende, geschiedene Mieterin offensichtlich loswerden.Auch andere Mieter haben Probleme mit S.

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Dann setzte Mary M. eine verhängnisvolle E-Mail auf. Diese sollte nur die anderen Mieter erreichen. Aus Versehen schickte Mary M. die Nachricht auch an den Hausverwalter. Darin bezeichnete sie Markus S. als „Giftzwerg“. „Ich habe mich sofort bei ihm entschuldigt“, erklärt M. „Aber er nahm dies zum Anlass, um mich aus der Wohnung zu werfen.“

Denn unter anderem aus diesem Grund zog der Eigentümer vor Gericht, erwirkte in erster Instanz ein Räumungsurteil gegen M. Als Grund führte er unter anderem die Beleidigung und das dadurch angeblich zerrüttete Verhältnis zwischen M. und S. als Hausverwalter an. Dann schaltete sich Anwalt Michael Scheele ein. Der Gerichtsvollzieher hatte schon die Zwangsräumung angekündigt. Aber Scheele erwirkte die Aufhebung des Urteils, die Räumungsklage wurde abgewiesen.

„Es hat krankhafte Dimensionen angenommen“

Mary M. ist eine Mieterin, wie man sie sich nur wünschen kann. Sie bezahlt ihre Miete pünktlich. Trotzdem hat sie Ärger mit dem Hausverwalter

Doch die Schikanen gingen weiter: Es folgten Abmahnungen. „Es hat krankhafte Dimensionen angenommen“, sagt Mary M. „Da geht es um ein paar Konfettischnipsel auf der Treppe, vermeintlich laute Musik oder kurzzeitig abgestellte Müllsäcke vor der Wohnungstür.“ Außerdem soll Markus S. die Mieter von seinem Balkon aus beobachten, deren Müll durchsuchen. Mary M.: „Wir glauben, er will uns rausekeln, damit die Eigentümer das Haus teuer verkaufen können.“ Anwalt Scheele zur tz: „Mieter sind Menschen und können nicht verschoben werden wie Möbelstücke.“

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Doch nicht nur dieser Streit landete vor Gericht. So soll Markus S. nicht nur als Hausverwalter, sondern auch als Makler aufgetreten sein. In mindestens einem Fall soll er zu Unrecht Provisionen kassiert haben. Das befand zumindest das Amtsgericht und verurteilte ihn zur Rückzahlung von rund 4000 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Markus S. legte Berufung ein. Auf tz-Nachfrage zu den Vorwürfen der Mieter lässt er über seinen Anwalt ausrichten: „Die Sachverhaltsdarstellung ist so nicht richtig. Die Vorwürfe sind falsch.“ Nähere Details nannte Markus S. aber nicht.

Und der Eigentümer? Der lässt Markus S. offenbar schalten und walten. „Manchmal gewinnen wir Mieter den Eindruck, dass der Hausverwalter uns gezielt das Leben schwer machen will“, sagt Mary M. Trotz mehrmaliger schriftlicher Anfragen wollte sich der Eigentümer gegenüber der tz nicht äußern. Mary M. und ihre Nachbarn hingegen erwägen, gegen die Tyrannei des Verwalters gerichtlich vorzugehen. Lesen Sie unten, welche Rechte Sie als Mieter haben.

Das sagt die Expertin

Expertin Anja Franz vom Mieterverein erklärt: So wehren sie sich, wenn Sie Ärger mit dem Hausverwalter haben.

Verwalterrechte: Ist ein Hausverwalter vom Vermieter eingesetzt worden, sein Mietobjekt zu verwalten, dann kommt es auf den Vertrag zwischen Vermieter und Hausverwalter an, was der Hausverwalter alles genau darf. Ein solcher Vertrag ist für Mieter aber meist schlecht einsehbar. Klar ist: Ein Hausverwalter darf nie mehr als der Vermieter.

Mängel: Häufig gibt es Probleme, weil Mieter mit der falschen Person reden – also dem Hausverwalter oder dem Hausmeister statt mit dem Vermieter, obwohl eigentlich dieser zuständig ist. Mängel müssen beim Vermieter als Vertragspartner angezeigt werden, damit der Mieter seine Pflichten erfüllt. Wichtig: Wenden Sie sich schriftlich mit Fristsetzung an den Vermieter und bitten Sie ihn um Stellungnahme. Das geht auch per E-Mail.

Der Blockwart: Der Verwalter darf prüfen, ob die Hausordnung eingehalten wird. Aber das hat auch Grenzen: Schikane ist tabu. Der Verwalter darf nicht einfach Eigentum der Mieter entfernen, nur weil es ihn stört. Das gilt auch für den Vermieter.

Verwalter darf nicht Makler sein: Wenn ein Hausverwalter mit Vollmachten ausgestattet wurde und befugt ist, Mietverhältnisse anzubahnen und Verträge zu unterschreiben, darf er ebenso wenig wie der Eigentümer eine Provision für die Vermittlung einer Wohnung verlangen.

Hausfriedensbruch: Nicht einmal der Vermieter darf einfach ohne Vorankündigung die Wohnung eines Mieters betreten, sonst begeht er Hausfriedensbruch. Dies geht nur, wenn er ein Besichtigungsrecht hat oder bei Gefahr in Verzug, etwa einem geplatzten Wasserrohr oder Feuer. Ansonsten braucht er einen konkreten sachlichen Grund, etwa anstehende Sanierungsarbeiten. Der Vermieter muss den Besuch vorher ankündigen und darf nicht einfach hereinplatzen.

jh/svs

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