AfD-Direktkandidat Pail Podolay vor dem Nymphenburger Schloss
+
Paul Podolay vor dem Nymphenburger Schloss: Der 75-Jährige ist Direktkandidat für den Stimmkreis Mitte-West

Wahlkreis München-Mitte-West

Corona „wie eine Grippe“? Münchner AfD-Kandidat lehnt Impfung ab - und hat sich mit Partei zerstritten

  • Andreas Thieme
    VonAndreas Thieme
    schließen

Aus der Slowakei kam Paul Podolay (75) einst nach München, um seinen Kindern ein Leben in der Demokratie zu ermöglichen. Später trat er aus der CSU aus, weil Angela Merkel die EU-Außengrenzen für Flüchtlinge offen ließ. Seit 2017 sitzt Podolay für die AfD im Bundestag - das will er nun wiederholen, als Direktkandidat.

München - Als junger Mann war er Rennfahrer, zur Politik kam er erst als Rentner. Paul Podolay (75) ist der Spätstarter der AfD. Im Wahlkreis Mitte-West* tritt er als Direktkandidat für den Bundestag an.

Sein Lebensweg ist spannend. 1978 war Paul Podolay Rallye-Meister in der Tschechoslowakei, 1982 zog er mit seiner Familie nach München*, 1997 trat er in die CSU ein, 2015 dann wieder aus. Seither versucht der gebürtige Slowake sein Glück in der AfD. Der damalige Landeschef der Partei, Petr Bystron, hatte ihn geworben, die Wurzeln verbinden die Männer. „Ich habe zu ihm gesagt: Ich bin Rentner, habe Oldtimer, und meine Lebensversicherung wurde schon ausbezahlt. Wenn ich zu euch komme, dann engagiere ich mich auch.“

Paul Podolay als Rennfahrer: 1978 wurde er nach eigener Aussage Rallye-Meister in der Tschechoslowakei

Das hat funktioniert: 2017 wurde Podolay über die Landesliste ins Parlament gewählt. „Das war eine große Überraschung, niemand hatte damit gerechnet“, sagt der 75-Jährige. Denn er war auf Platz 10 der AfD in Bayern geführt - für den Bundestag hatte das gereicht.

Bundestagswahl München: 1997 trat Podolay in die CSU ein, 2015 wieder aus - und ging zur AfD

Für den aktuellen Wahlkampf bei der Bundestagswahl in München* kandidiert Podolay nun als Direktkandidat und sieht sich als „relativ chancenlos, weil die Konkurrenz in meinem Wahlkreis groß ist“. Von der Landesliste der AfD ist er verschwunden. „Ich habe mich mit der Partei zerstritten“, wie er sagt.

Im Gespräch am Nymphenburger Schloss wirkt Podolay entspannt. Dass er einmal Politiker wird, habe er nicht unbedingt gedacht. „Politik war eigentlich eher mein Hobby.“ Beruflich war Podolay bis zur Rente als Medizintechniker an der TU München angestellt. Mit 55 Jahren begann er noch ein Studium der Politikwissenschaft. „Ich war immer politisch interessiert“, sagt er. In Grünwald begann er als Kassenprüfer in der CSU, in der Partei blieb er 18 Jahre. Der Austritt: aus Protest. „Ich war unzufrieden mit der Euro-Politik und mit der EU-Grenzöffnung.“

In der AfD wurde Podolay zum Polit-Profi, engagierte sich in Gesundheitsausschüssen und als Bundestags-Delegierter für die OSZE. „Im Alter habe ich die Welt bereist“, so Podolay, der viele Kontakte gesammelt habe. Als Politiker würde der 75-Jährige gerne weitermachen. „Ich bin fit.“

Ganz eigene Corona-Theorie: Das hält Paul Podolay „für eine Art Grippe“

Doch was die Inhalte angeht, lebt er teilweise in seiner eigenen Welt: Corona sei „wie eine Grippe“, sagt Podolay. Impfungen lehnt er ab, ebenso wie das Tragen von Schutzmasken. „Ich habe mir eine sehr gute Gesundheit aufgebaut. Mir kann dieses Virus nichts anhaben“, ist er überzeugt. Dass annähernd 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen von Corona gestorben sind, will er nicht hören. Und erzählt lieber von seiner Frau: „Sie pflückt jeden Morgen Kräuter aus unserem eigenen Garten und mixt daraus frische Smoothies. Die sind total lecker. Und ich kann Ihnen sagen: Ich war schon seit acht Jahren nicht mehr erkältet.“

Auch interessant

Kommentare