Maria Hoffmann vom Wein-Markt am Viktualienmarkt: Ihr Geschäft muss wohl schließen.
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Maria Hoffmann vom Wein-Markt am Viktualienmarkt: Ihr Geschäft muss wohl schließen.

Schock sitzt tief

Nach fast 48 Jahren: Viktualienmarkt-Institution steht vor dem Aus

Seit 48 Jahren gibt es den Weinverkauf Kallstadt auf dem Viktualienmarkt. Ende Juni muss die Pächterin das Geschäft an der Westenriederstraße 9 räumen.

München - Der Hut aus Hasenfell hängt hinter dem Tresen. Maria Hartmann (53) hütet ihn wie ihren Augapfel. „Der Hut war das Markenzeichen meines Schwagers. Er erinnert mich an ihn und an die tolle Zeit hier im Laden“, sagt die Chefin des Weinverkaufs Kallstadt auf dem Viktualienmarkt in der Altstadt*.

Viktualienmarkt München: Pachtvertrag von Weinverkauf Kallstadt läuft aus

Fast 48 Jahre lang hatte ihr Schwager Walter Hoffmann das Geschäft geführt. Die letzten zehn Jahre gemeinsam mit ihr. Zum 40-jährigen Bestehen gab es ein rauschendes Fest. Im September 2020 starb Hoffmann im Alter von 87 Jahren. Danach übernahm seine Schwägerin.

„Ich habe erst vor einer guten Woche erfahren, dass ich raus muss“, sagt sie. Die Verpächterin, die Markthallen München*, teilten ihr in einem Brief mit, dass der Laden bei einer öffentlichen Ausschreibung an einen Mitbewerber vergeben werde. Hartmann erzielte weniger Punkte „als die bestbewertete Bewertung“.

Viktualienmarkt München: Vergabe-Richtlinien sind streng

Schon Ende Juni läuft der Pachtvertrag aus. Der Schock sitzt tief. „Ich war kurz nach dem Tod meines Schwagers bei den Markthallen und habe die Situation geschildert. Es war Walters ausdrücklicher Wunsch, dass ich das Geschäft in seinem Sinne weiterführe. Es ist eine Münchner Institution“, sagt Hartmann. Doch die Vergabe-Richtlinien sind streng. Alle Objekte der Markthallen müssen ausgeschrieben werden.

„Die Ermittlung der besten Bewerbung erfolgt transparent und nachvollziehbar in einem mehrstufigen Prüfungs- und Wertungsverfahren nach fest vorgegebenem Bepunktungssystem mit Vier-Augen-Prinzip“, teilt eine Sprecherin des Kommunalreferats auf Anfrage mit.

Die Fortführung des Betriebes durch Angehörige sei nur in Ausnahmefällen möglich – nämlich wenn der Nachfolger ein Verwandter ersten oder zweiten Grades (oder ein Ehepartner) ist und die Tätigkeit im Betrieb für die Dauer von mindestens einem Jahr nachgewiesen wird.

Weinverkauf Kallstadt: Maria Hartmann gibt nicht auf: „Geht um das Vermächtnis meines Schwagers und um meine Existenz“

Was den konkreten Fall betrifft, sei mit Frau Hartmann „ausdrücklich“ eine Zwischennutzung vereinbart worden.
Doch Hartmann gibt nicht auf: „Es geht um das Vermächtnis meines Schwagers und um meine Existenz.“ Sie will den Familienbetrieb jetzt mithilfe ihres Ehemanns retten. „Seine Schwester war mit Walter verheiratet – das ist direkte Verwandtschaft.“

Immer wieder verschwinden alteingesessene Standl vom Viktualienmarkt: 2017 ging Gemüseverkäuferin Brigitte Dworschak in Rente, 2018 musste das „Gewürzwerk“ schließen und 2019 machte die Metzgerei Georg Schlagbauer dicht. Aber es gibt auch gute Nachrichten aus dem kulinarischen Herzstück der Stadt: Trotz Corona sind erstmals seit 2016 alle Standl besetzt.

Jüngste Neuzugänge sind „satt und gut“ (regionale Grundnahrungsmittel), „First8 Kombucha“, (fermentierter Tee), die Wildmetzgerei „Wilde Zeiten“ und „Resi am Markt“ (Obst und Gemüse). - Daniela Pohl -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. Und unser brandneuer München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alles, was in der Isar-Metropole passiert.

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