Gewalt ging in Bayern zurück, Missbrauchstaten sind hingegen gestiegen
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Gewalt ging in Bayern zurück, Missbrauchstaten sind hingegen gestiegen

Verbrechens-Statistik 2020

So krass hat Corona die Kriminalität in Bayern verändert - Justizminister warnt: „Furchtbare Zahlen“

  • Andreas Thieme
    VonAndreas Thieme
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Sexualstraftaten sind 2020 gestiegen, Einbrüche und Diebstahl gingen zurück. Wie die Corona-Pandemie sich auf die Verbrechen im Freistaat ausgewirkt hat, das erklärte Justizminister Georg Eisenreich in München mit Zahlen.

  • Im Jahr 2020 wurden in Bayern 116 980 Personen rechtskräftig verurteilt
  • Es gab 16 Morde, aber weniger Einbrüche und Diebstähle als üblich
  • Förmlich explodiert sind Strafen wegen Soforthilfen-Betrugs und Ausgangssperren

München - Georg Eisenreich (50, CSU) wird ernst, wenn es um Sexualstraftaten geht. „Das sind schlimme Zahlen“, sagt der Justizminister. Insgesamt 1756 Verurteilungen gab es im Jahr 2020 im Freistaat – ein Anstieg von 12,8 Prozent. Vergewaltigungen hingegen stiegen von 116 auf 134, dazu gab es 322 Fälle sexuellen Missbrauchs.

Am Mittwoch stellte Eisenreich im Münchner Justizpalast die Verbrechensstatistik für 2020 vor. Erschreckend in Bayern ist demnach die Zunahme von Kinderpornografie: Für Erwerb, Besitz oder Verbreitung von Dateien wurden 473 Personen verurteilt. Mehr als ein Viertel betrug der Anstieg im ersten Corona-Jahr gegenüber 2019. Bei der Präsentation dieser Zahlen merkt man dem Justizminister deutlich an, wie belastend er das findet. Hinter jedem einzelnen Fall, betont er, stecke „das unfassbare Leid eines Kindes.“ Dass so viel mehr Menschen im Freistaat kinderpornografisches Material auf ihrem PC oder Smartphone haben, sei auch eine „Schattenseite der Digitalisierung“. Um gegenzusteuern, hat Eisenreich die Ermittlungsstrukturen im Freistaat verstärkt.

Georg Eisenreich (CSU), Justizminister von Bayern, spricht auf der Pressekonferenz.

Verbrechen in Bayern: Mehr Betrugstaten, weniger Einbrüche und Diebstähle

Wie Corona die Kriminalität im Freistaat verändert hat, zeigen die Zahlen aus 2020 deutlich. Wohnungseinbrüche sanken etwa um zehn Prozent auf 210 Taten. Kein Wunder, denn mehr Menschen waren zuhause. Zudem gingen Diebstähle auf 13189 Taten zurück (minus 6,2 Prozent). Körperverletzungen sinken seit dem Jahr 2017 mit 11352 Taten sogar kontinuierlich: In 2020 lag die Zahl nur noch bei 8972 Verurteilungen. Enorm gestiegen ist dagegen der Subventionsbetrug: 2020 wurden 70 Bayern verurteilt, die illegal Corona-Soforthilfen angefordert haben - im Jahr gab es in diesem Bereich nur 14 Taten. 40 Verurteilungen listet der Freistaat wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz - etwa, weil Bürger sich nicht an die Ausgangssperre gehalten hatten.

Das Strafjustizzentrum in München: Hier werden jährlich Tausende Täter verurteilt

Mord verjährt nie und bleibt in der Statistik auf ähnlichem Niveau: 16 gab es 2020 in ganz Bayern, dazu 20 Mordversuche und 52 Verurteilungen wegen Totschlags. „Das Risiko, in Bayern Opfer einer schweren Straftat zu werden, ist nur sehr gering“, sagt Eisenreich, der allen Einsatzkräften herzlich dankte.

Urteile im Freistaat: Insgesamt 1690 Täter mussten ins Gefängnis

In Summe wurden 116980 Personen im Freistaat rechtskräftig verurteilt. Das sind 3,5 Prozent weniger als in 2019. Denn durch Corona fanden weniger Prozesse statt. Auffällig ist: In 83 Prozent aller Fälle sind Männer die Täter. Fast jeder zweite Täter war bereits vorbestraft. Hinter Gitter mussten insgesamt 1690 Verbrecher, Bewährung erhielten hingegen 6841 Personen. Der Großteil aller Urteile sind aber mit 84 Prozent ganz deutlich Geldstrafen (89564 Urteile).

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