+
In der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz kam es zu dem spektakulären Diebstahl. Wie viel Geld tatsächlich erbeutet wurde, muss jetzt das Gericht klären.

Prozess hat begonnen

Millionen-Diebstahl in der Commerzbank: 4,6 Millionen Euro futsch - Schreiner baut Tresorraum nach

  • schließen

Sechs Männer und ein Frau auf der Anklagebank: Vor dem Landgericht hat der Prozess um den Bandendiebstahl in der Commerzbank begonnen. 4,62 Millionen Euro sollen sie aus der Filiale am Promenadeplatz gestohlen haben.

  • 4,62 Millionen Euro sollen aus dem Tresorraum der Commerzbank am Promenadeplatz in München verschwunden sein.
  • Sieben Angeklagte müssen sich jetzt vor dem Landgericht München verantworten.
  • Für den Prozess wurde der Tresorraum der Commerzbank im Mini-Format nachgebaut 

München - Grau und Schwarz sind die beherrschenden Farben. Hosen, Sakkos, Hemden und Pullover: Ihre Garderobe haben die Angeklagten am Landgericht sehr dunkel gehalten. Dort hat der Prozess gegen insgesamt sieben Angeklagte begonnen.

Sie sind zwischen 27 und 72 Jahre alt – und sollen insgesamt 4,62 Millionen Euro aus der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz gestohlen haben. Am Landgericht wird der Panzerknacker-Bande nun der Prozess gemacht. Um 9 Uhr morgens ist der Sitzungssaal B273 rappelvoll: Sechs Männer und eine Frau müssen sich verantworten. Teilweise mit zwei Verteidigern sind sie erschienen – aber sagen zum Prozessauftakt kein einziges Wort. Nur die Anwälte ergreifen das Wort – aber sagen inhaltlich nichts zu dem spektakulären Diebstahlsfall.

„Mein Mandant möchte sich nicht äußern“, „die Vorwürfe werden bestritten“: Aussagen wie diese bekommt Richter Gilbert Wolf zu hören und runzelt kurz die Stirn. Kein einziger der Angeklagten wird – Stand jetzt – etwas zur Aufklärung des millionenschweren Verbrechens beitragen. Dieses Recht sichert ihnen das Gesetz zu. Nun liegt es an der Justiz, den Fall aufzuklären.

Richter Gilbert Wolf führt den Prozess bis 6. März.

In der Anklageschrift sind die Rollen der Panzerknacker genau aufgeschlüsselt

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll sich die Bande im Dezember 2017 zusammengeschlossen haben, um den Millionen-Diebstahl zu begehen – und zwar „in unterschiedlicher Besetzung“. In der Anklageschrift sind die Rollen der Panzerknacker genau aufgeschlüsselt. 

Demnach hat die Hauptangeklagte Silvia F. (58) die Bande „mit Insiderwissen versorgt“: Sie war seit 1992 als Bankkauffrau bei der Commerzbank angestellt und soll ihren Komplizen auch den Zugang zum Tresorraum am Promenadeplatz verschafft haben. Ihr Sohn Luca F. (31) gilt laut den Ermittlern als Drahtzieher im Hintergrund. Er und sein Komplize Francesco G. (30), von Beruf Straßenbauer, „waren mit der konkreten Planung und Durchführung der Taten“ beschäftigt – und suchten nach „geeigneten Personen, die die Tat vor Ort ausführen konnten“. 

Knackte laut Anklage die Schließfächer: Hier wird Besart H. auf die Anklagebank geführt.

Von der Beute fehlt jede Spur

Laut Anklage eröffnete Riccardo I. (50) ein Girokonto mit Schließfach – mutmaßlich mit dessen Zugangskarte gelangte Student Besart H. (27) zu den Schließfächern im Tresor. „Auf bislang nicht bekannte Weise“ soll er vier Fächer gemeinsam mit einem noch unbekannten Helfer aufgebrochen haben und die Bankfiliale dann, wie Aufnahmen aus der Überwachungskamera zeigen, mit einem Rollkoffer verlassen haben. Nezir H. (72, pensionierter Busfahrer) soll zuvor die Schließfach-Anlagen am Promenadeplatz ausgespäht haben. Kraftfahrer Agron S. (45) gilt den Ermittlern als weiterer Organisator des Diebstahls. Die Beute soll die Bande „unter den Angeschuldigten aufgeteilt“ haben, heißt es in der Anklage.

Brisant: Am Dienstag wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft „Vorermittlungen wegen des Verdachtes der Geldwäsche geführt“ hat. Laut Sprecherin Anne Leiding hatten sich diese sowohl „gegen Mitarbeiter der Commerzbank“ sowie gegen „die Inhaberin des Schließfaches“ gerichtet – ohne Ergebnis.

Morgen wird es spannend: Das Gericht hört den ersten Ermittler als Zeugen. Der Prozess dauert bis zum 6. März.

Hier wurden die Millionen geklaut

Hinter gepanzerten Türen versteckt, mit zahlreichen Schließmechanismen gesichtert liegt der Tresorraum der Commerzbank am Promenadeplatz: Hier wurden die 4,6 Millionen Euro gestohlen. Ohne, dass die Bank etwas bemerkt hatte. Nun will die Justiz den Fall endlich klären – und hat dazu sogar einen Schreiner beauftragt!

Der Tresorraum als Modell: Mit diesem Hilfsmittel will das Landgericht den Millionen-Diebstahl in der Commerzbank aufklären.

Dieser hat den Tresorraum der Commerzbank im Miniatur-Format nachgebaut – damit vor Gericht die Details vom Tatort gezeigt werden können. Das Modell wurde gestern mit einem Rollwagen in den Saal B 273 des Landgerichts gefahren. Darauf deutlich zu sehen: die vier aufgebrochenen Schließfächer im linken hinteren Bereich des Raums. Sie tragen die Nummern 4536, 4715, 4553 und 4626. Drei davon gehörten der reichen Russin Evgeniya B., der zwischen Dezember 2017 und März 2018 insgesamt 4,62 Millioen Euro geklaut wurden. Ein Schließfach hatten die Panzerknacker versehentlich aufgebrochen. Laut Anklage knackte Besart H. (27) die Fächer mit einem Hebelwerkzeug auf und verklebte sie danach wieder. Der Bank entstanden 30.000 Euro Schaden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

55 Jahre nach ihrem „rücksichtslosen“ Auftritt im Hofbräuhaus: US-Touristin erleichtert ihr Gewissen 
55 Jahre nach ihrem Besuch im Hofbräuhaus macht eine US-Amerikanerin ein bemerkenswertes Geständnis. Der München-Besuch hatte sie nicht losgelassen.
55 Jahre nach ihrem „rücksichtslosen“ Auftritt im Hofbräuhaus: US-Touristin erleichtert ihr Gewissen 
Nach blutigem Streit auf Münchner Campingplatz: SEK umstellt Wohnwagen - und wählt brachiale Methode
Zu einer blutigen Messer-Attacke kam es auf einem Campingplatz in München. Zwei Männer waren in einen Streit geraten. Das SEK rückte zu einem Großeinsatz aus.
Nach blutigem Streit auf Münchner Campingplatz: SEK umstellt Wohnwagen - und wählt brachiale Methode
Rätsel um Münchner Schuhbeck-Restaurant: Verwirrte Gäste stehen plötzlich vor verschlossenen Türen
Die Überraschung war für die tz-Leser groß: Sie wollten kürzlich ein schönes Essen in Schuhbecks Sternerestaurant Alfons am Platzl genießen. Doch dann die Enttäuschung …
Rätsel um Münchner Schuhbeck-Restaurant: Verwirrte Gäste stehen plötzlich vor verschlossenen Türen
BMW-Supersportwagen kommt von Straße ab, rast gegen Unterführung - und reißt dann noch Mauer ein
Ein BMW M4 fährt am Sonntagmorgen (26. Januar) gegen eine Unterführung und reißt eine Mauer ein. Der Sachschaden ist enorm.
BMW-Supersportwagen kommt von Straße ab, rast gegen Unterführung - und reißt dann noch Mauer ein

Kommentare