Eine Gebäude in der Altstadt: Geschlossene Türen und ein „Zu Vermieten“-Schild.
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Ein Gebäude in der Altstadt.

Insolvenzantrag bereits gestellt

Münchner Innenstadt stirbt durch Corona immer schneller - weiteres Kult-Unternehmen steht vor dem Aus

  • Lisa-Marie Birnbeck
    vonLisa-Marie Birnbeck
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Geschlossene Warenhäuser, verrammelte Schaufenster – der Einzelhandel in München stirbt. Corona macht beschleunigt das massiv. In einer BA-Sitzung wurde nun eine neue Pleite bekannt.

  • Geschlossene Warenhäuser, verrammelte Schaufenster – der Einzelhandel in München kämpft.
  • Und das nicht erst seit Corona*. Immer mehr Läden müssen schließen, freie Flächen stehen länger leer als früher.
  • Dabei soll laut Experten die Hochphase des Ladensterbens erst im Herbst kommen.

Sorgen in der Münchner Altstadt: Geschäftswelt steht offenbar vor einer dauerhaften Veränderung

Update vom 25. August 2020: Die wirtschaftliche Lage der Gaststätten und Händler in der Altstadt treibt auch den Bezirksausschuss Altstadt-Lehel (BA) um. Die Politiker des Stadtteilgremiums beobachten die nur schleppend wieder steigenden Zahlen an Gästen und Kunden besonders bei den Geschäften in Innenstadtlage mit Sorge.

So berichtete die BA-Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) in der Sitzung, die Wirte in der Altstadt würden aktuell zwischen 15 und 20 Prozent weniger Umsatz erwirtschaften. Bei den Einzelhändlern fielen die Umsatzeinbußen zum Teil noch deutlich höher aus. Zudem erfuhren die BA-Mitglieder noch während der Sitzung von einem Bürger, dass das Bekleidungsunternehmen Jeans Kaltenbach mit zwei Geschäften in der Innenstadt womöglich vor dem Aus steht. Inzwischen hat das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt.

Die Mitglieder des Bezirksausschusses hoffen deshalb, dass zusätzlich genehmigte Freischankflächen für Gastwirte und das Projekt „Sommer in der Stadt“ den Händlern zusätzliche Einnahmequellen bescheren. So ließe sich zumindest zeitweise Abhilfe schaffen, zeigte sich Stadler-Bachmaier überzeugt. Wenngleich in der Sitzung klar wurde, dass die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme noch längere Zeit anhalten werden – und sich die Geschäftswelt in der Altstadt womöglich dauerhaft verändern wird. - Sebastian Schlenker

In Corona-Zeiten ist vieles anders - auch bei Münchens Schwimmern. Jetzt gibt es Ärger im Dantebad. Eine Lehrerin ist empört.

Erstmeldung vom 27. Juli 2020: München* -Seit 33 Jahren betreibt Ines Hackman bereits ihren Schuhladen „Schritt für Schritt“ an der Klenzestraße 37. Hinter ihr liegen harte Monate. Bisher kann sie sich noch über Wasser halten. „Das Geschäft ist wieder angelaufen“, sagt die Ladenchefin. Doch das hat viel Arbeit gekostet. Hackman hat einen kleinen Online-Shop ins Leben gerufen. Jetzt kann sie ihre Kunden wieder persönlich bedienen – die Kaufkraft hat jedoch nachgelassen. Der Herbst wird noch mal kritisch, meint sie, wenn neue Ware gekauft werden muss. Wie genau ihr Geschäft aus der Krise gehen wird, muss sich noch zeigen. Aber Ines Hackman ist sicher: „Einige Läden werden die nächsten Monate nicht überleben.“

Andere haben den Kampf um ihre Existenz bereits verloren. Besonders die Fußgängerzone in der Neuhauser Straße leert sich. Die spanische Modemarke Desigual ist raus, auch die Filialen von S.Oliver und Esprit stehen vor dem Aus. Und Mickey Mouse und Co. konnten den Disney-Store nicht retten. Seit vergangener Woche ist der Laden dicht – inzwischen hängt nicht mal mehr das Disney-Schild. Selbst für Mitarbeiter soll die Schließung überraschend gekommen sein. Nicht zu vergessen: Nach den gescheiterten Verhandlungen, ist auch das Ende der Galeria-Filiale am Stachus beschlossene Sache.

München/Coronavirus: Kommt Ikea in die Innenstadt?

Corona fegt Straßen und Läden leer. Stellt sich die Frage: Was kommt danach? Laut Dominik Datz von Verdi möchte der schwedische Möbelriese Ikea schon länger in die Münchner Innenstadt, es gäbe mehrere Konzepte vom Pop-up-Store bis zum 16.000-Quadratmeter-Laden. „Es wird markante Veränderungen geben“, resümiert Datz. Große Ketten würden zukünftig auf Premiumläden, sogenannte Flagshipstores setzen. „Bei diesen geht es in erster Linie um die Inszenierung“, so Datz. „Das Verkaufsgeschäft konzentriert sich immer mehr auf Online.“ Dies bedeutet auch, dass es noch weniger Laufkundschaft in der Innenstadt geben wird, weitere Schließungen dürften hiermit die Folge sein. Schließlich kämpft der Einzelhandel schon lange gegen diesen Strukturwandel und die Konkurrenz aus dem Internet. Corona verschärft diesen Trend.

Wie viele Läden bisher der Virus-Krise zum Opfer gefallen sind, ist schwer zu sagen. Zu viel Bewegung sei derzeit noch in der Situation, meint der Sprecher des Verbandes der Innenstadthändler City Partner, Wolfgang Fischer. Die Hochphase sei noch nicht erreicht. „Wir befürchten, dass die richtige Welle im Herbst kommen könnte“, erklärt Fischer. Immerhin: Bis Ende September greifen noch eine Reihe von Förderprogrammen, die für die Händler eine echte Unterstützung beim beigleichen der Fixkosten darstellen. Außerdem werden bei vielen die Mieten derzeit noch gestundet. „Wir müssen jetzt alles tun, damit die Kundenzahlen in der Innenstadt wieder steigen“, so Fischer. Wenn sich der Umsatz nicht bald bessere, dann sehe es im Herbst zappenduster aus. (Lisa-Marie Birnbeck - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

Viele Kunden haben sich längst daran gewöhnt - und müssen sich nun umstellen. Ikea plant eine Änderung. Wegen der Umwelt. Und vielleicht wegen Corona.

Auf einer Pressekonferenz in München hat Ministerpräsident Markus Söder ein klares Statement zum Thema Corona abgegeben. Auch das „leidige Party-Thema“ wurde beleuchtet.

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