Noch blickt sie auf das satte Grün alter Bäume – doch das wird bald vorbei sein, fürchtet Franziska Wanninger.
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Noch blickt sie auf das satte Grün alter Bäume – doch das wird bald vorbei sein, fürchtet Franziska Wanninger.

Projekt an der Franziskanerstraße 15

Kampf um den grünen Innenhof: Münchner Anwohner fürchten 16 Meter hohe Brandmauer und Betongold

  • Sascha Karowski
    VonSascha Karowski
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Anwohner der Franziskanerstraße 15 klagen über die Pläne von Euroboden. Der grüne Innenhof wird zubetoniert - und eine eine 16 Meter hohe Brandmauer soll errichtet werden.

München - Franziska Wanninger steht auf ihrem Balkon und blickt auf den Innenhof. Hohe alte Bäume spenden Grün. Es ist ruhig. Es ist idyllisch. Und es ist in Gefahr. „Das soll alles komplett versiegelt werden“, sagt die Münchner* Kabarettistin. Die Firma Euroboden plant auf dem Areal an der Franziskanerstraße (Haidhausen*) insgesamt 56 Wohnungen.

Auf der zugehörigen Seite im Internet heißt es, das 1700 Quadratmeter große Grundstück sei bislang mit einem schlichten Wohnhaus aus den 50er-Jahren und leer stehenden Zweckbauten im Hof bebaut. Euroboden plane eine „umfassende Sanierung des Vorderhauses sowie eine neue Hofbebauung mit 36 Wohnungen für Familien ebenso wie für mittlere und kleine Haushalte“. Grünflächen seien als Inseln über den Hof verteilt eingeplant. Von einer Sanierung des Vorderhauses ist inzwischen aber nicht mehr die Rede.

Auf dem Areal will der Investor Euroboden 56 Wohnungen bauen, im Hinterhof soll ein neues Gebäude entstehen.

Vom Planungsreferat ist nach einer positiven Bauvoranfrage für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage eine Baugenehmigung erteilt worden. Für das Vordergebäude und die Zweckbauten im Hof ist jedoch der Abbruch angemeldet worden. Wanninger ist auch besorgt wegen der Größe des neuen Gebäudes im Hof. „Jeder, der hier wohnt, hat Verständnis, dass dort etwas hingebaut wird“, sagt sie. Doch die Wohnräume und Balkone der Bewohner sind zur Nordostseite ausgerichtet, und nach dem Neubau würden sie auf eine 16 Meter hohe Brandmauer blicken. Zudem würden in den Neubauten großteils nur Luxuswohnungen entstehen, sagt die Kabarettistin.

„Durch Asphaltierung, Parkplätze und Garagen ist der Innenhof derzeit zu 87 Prozent versiegelt“

Entgegen der ursprünglichen Planung aus dem Jahr 2018 werde das Vorderhaus nun abgerissen, teilt eine Sprecherin von Euroboden mit. „Wir haben eingehend geprüft, wie wir den Bestand und die darin vorhandene graue Energie weiter nutzen können. Nach allen Abwägungen erachten wir es als sinnvoller, hier einen Neubau zu errichten. Darin entstehen natürlich auch Mietwohnungen, die der Erhaltungssatzung entsprechen.“ 21 der 56 Wohnungen entsprächen dem Konzept der Erhaltungssatzung. Weiter heißt es, durch die neue Bebauung werde der Innenhof sogar grüner.

„Durch Asphaltierung, Parkplätze und Garagen ist er derzeit zu 87 Prozent versiegelt, tatsächlich sind 50 Prozent der künftigen Innenhofflächen entsiegelt.“ Das stimme nicht, sagt Wanninger. „Das widerspricht den Plänen, die mir vorliegen.“ Für die Bauvoranfrage habe Euroboden die Belichtungssituation in einer Studie untersuchen lassen, sagt die Sprecherin weiter. Wie der positive Bauvorbescheid der Stadt belege, seien keine relevanten Beeinträchtigungen der umgebenden Häuser zu erwarten. „Auch unsere Abstandsflächen bewegen sich im Rahmen der Baugesetzgebung.“

„Ich kann das gar nicht fassen, dass die sich hinstellen und das ernsthaft behaupten“

Die Kabarettistin kann da nur lachen. „Ich kann das gar nicht fassen, dass die sich hinstellen und das ernsthaft behaupten. Und mir kann keiner erzählen, dass eine Wohnung nicht deutlich dunkler wird, wenn in weniger als sieben Metern Entfernung eine 16 Meter hohe Wand steht.“

Sowohl gegen den Bauvorbescheid als auch gegen die Baugenehmigung sind noch Klagen der Nachbarn beim Verwaltungsgericht anhängig. Und auch die Politik ist nun auf den Plan getreten. Denn die Anwohner hatten sich bereits vor mehr als zwei Jahren zum ersten Mal an die Stadt gewandt – bis heute allerdings keine Antwort erhalten. SPD-Stadtrat Roland Hefter hat sich der Sache jetzt angenommen und will zunächst einmal dafür sorgen, dass die ausstehenden Fragen der Anwohner beantwortet werden. „Da müssen wir etwas tun.“ -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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