+
Pias Vater Gerhard Hirtz trauert um seine Tochter, die im Alter von 32 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.

Schlimmer Unfall am Hauptbahnhof

Mahnwache nachdem Tochter überfahren wurde und starb: Vater fordert mehr Sicherheit für Radler

  • schließen
  • Florian Naumann
    Florian Naumann
    schließen
  • Katharina Haase
    Katharina Haase
    schließen

Bei einem schweren Unfall am Hauptbahnhof ist eine 32-jährige Radlerin ums Leben gekommen. Der Vater des Opfers hielt jetzt eine Mahnwache ab und hat Forderungen an die Stadt.

Update vom 13. Oktober, 20 Uhr: Jeder tödliche Verkehrsunfall ist vor allem eine unfassbare Tragödie für die Angehörigen. So wie für Gerhard Hirtz, dessen Tochter vor zwei Wochen starb, als ein Lkw sie überfuhr. Hirtz hat schon einmal eine Tochter bei einem Unfall verloren. Mit ihm kamen am Samstag Aktivisten an den Hauptbahnhof. Sie fordern, den Radverkehr in der Stadt sicherer zu machen.

Gerhard Hirtz (73) versucht sich nichts anmerken zu lassen. Der Mann mit der Sonnenbrille und der Kappe steht am Samstagnachmittag mit versteinerter Miene an der Kreuzung des Bahnhofplatzes mit der Bayerstraße und zündet eine Kerze an einem weißen „Geisterrad“ an – einem Mahnmal, das für verunglückte Radfahrer aufgestellt wird. Daran lehnt das Foto einer jungen, hübschen, lachenden Frau. Wie es in Gerhard Hirtz aussieht, kann man nicht einmal erahnen. Die junge Frau ist seine Tochter Pia. Sie starb vor zwei Wochen im Alter von 32 Jahren genau an dieser Stelle. Ein Sattelzug überfuhr die Radfahrerin.

Genau um 15.55 Uhr, zu der Zeit, als die junge Frau am 30. September von einem Lkw erfasst wurde, setzen sich Freunde und Familie am Samstag auf die Straße. Auch Anton Schnürer (ganz links) nimmt teil. Er verlor seine Tochter ebenfalls bei einem Fahrradunfall.

Am Samstag trauern Angehörige, Freunde und Anhänger des Bündnisses Radentscheid bei einer Mahnwache um die Münchnerin. Sie fordern die Politik erneut vehement dazu auf, den Radverkehr in München sicherer zu machen. Deshalb haben sie das „Ghostbike“ aufgestellt, wieder einmal. In München wurden in den vergangenen Jahren mehr als ein Dutzend weiße Räder aufgestellt.

Der Schmerz ist unermesslich

„Der Schmerz ist groß“, sagt Gerhard Hirtz knapp. Unermesslich groß. Denn der Mann trauert bereits das zweite Mal um ein Kind. Vor sechs Jahren starb schon einmal eine Tochter des 73-Jährigen. Das Mädchen kam damals bei einem Autounfall in Franken ums Leben. Für ihn wiederholt sich ein Albtraum.

Im Alter von 32 Jahren starb Pia Hirtz, nachdem sie in München von einem Lkw überfahren wurde.

Pia Hirtz arbeitete als Tierärztin an der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität, war seit Kurzem Doktorandin. „Ihr ging es gut, ihr Motto war ,Mir gehört die Welt‘“, erzählt der Vater. Die beiden verstanden sich sehr gut, gingen gerne auf Reisen. Auch einer der drei Brüder Pias, viele ihrer Freundinnen, Aktivisten des Radentscheids und Passanten sind zur Mahnwache gekommen. Sie versuchen, sich in dieser schweren Zeit gegenseitig Halt zu geben. „Ich wünsche mir, dass der Radverkehr in München endlich sicherer wird“, sagt Gerhard Hirtz. Er könne sich vorstellen, dass Autos und Radler durch bauliche Maßnahmen strikt voneinander getrennt werden. Auch das Rechtsabbiege-Verbot für Lkw ohne Abbiege-Assistenten, das kürzlich von der SPD ins Spiel gebracht wurde, oder sogar ein komplettes Verbot in Städten würde der 73-Jährige begrüßen.

„Das ist ein Tod, der hätte verhindert werden können“

Deutliche Worte findet bei der Mahnwache Martin Laschewski (36) vom Radentscheid: „Das ist ein Tod, der hätte verhindert werden können“, sagt er. Die Stadt müsse zu ihrer Entscheidung stehen und an dem Ziel, dass es keine Verkehrstoten mehr gibt, arbeiten. „Es gibt Länder, die haben das geschafft, und wir hinken deutlich hinterher.“ Er wünsche sich von ganzem Herzen, dass die Radaktivisten an diesem Samstag das allerletzte „Ghostbike“ aufstellen mussten. „Ich hoffe, wir haben ein Zeichen gesetzt.“

Auch Anton Schnürer nimmt an der Mahnwache teil. Er musste genau vor drei Jahren seine Tochter beerdigen, die als Radfahrerin in Moosach von einem Lkw erfasst worden war. Er sagt: „Ich fordere die Stadt, die Politik und Verkehrsminister Scheuer persönlich auf, endlich etwas zu tun. Radfahren in München muss Spaß machen und für alle ungefährlich sein.“

Update vom 10. Oktober, 12 Uhr: Da nach wie vor Unklarheiten zum Hergang des Unfalles bestehen, bittet die Verkehrspolizei um Hinweise. Sollten Passanten Bilder oder Videos gefertigt haben oder Aufnahmen von Überwachungskameras existieren, bittet die Verkehrspolizei darum, diese zur Verfügung zu stellen. 

Zeugenaufruf: Personen, die sachdienliche Hinweise zum Unfallhergang machen können, werden gebeten, sich mit dem Unfallkommando, Tegernseer Landstraße 210, 81549 München, Tel.: 089/6216-3322, in Verbindung zu setzen.

München: Lkw überrollte Radfahrerin am Hauptbahnhof - 32-Jährige nun verstorben

Update vom 6. Oktober, 16.30 Uhr: Traurige Nachrichten von der Radfahrerin, die sich bei einem Verkehrsunfall nahe dem Hauptbahnhof schwer verletzt hatte: Die 32-Jährige ist am Samstag im Krankenhaus verstorben. Das teilte die Polizei München am Sonntag mit.

Die Frau hatte am Montag einen an der Kreuzung Bahnhofsplatz/Bayerstraße einen an der Ampel stehenden Lkw überholt. In der Folge wurde die 32-Jährige von dem anfahrenden Sattelzug überrollt. Sie war unter laufenden Reanimationsmaßnahmen ins Krankenhaus gebracht worden. Letztlich blieben die Bemühungen der Retter und Ärzte aber erfolglos.

Auch für einen 19-jährigen Autofahrer kam jede Hilfe zu spät - er kam bei einem Frontalcrash auf der B11 bei Walchensee ums Leben.

Radfahrerin verletzt sich bei Zusammenstoß mit Lkw schwer - Polizei mit mahnenden Worten

Update vom 2. Oktober, 16.20 Uhr: Am Montag kam es zu einem heftigen Unfall - ein Lkw überrollte eine Radfahrerin. Einen Tag später äußerte sich Polizeihauptkommissar Michael Reisch. In einem Video, das auf Twitter veröffentlicht wurde, rief er zu mehr Rücksicht und Vernunft auf.

Die Radfahrerin hätte den Unfall vermeiden können, wenn sie nicht vor den Lkw gefahren wäre, erklärt Reisch darin. „Auch der Lkw-Fahrer hätte einen schweren Unfall vermeiden können, wenn er eben rechtzeitig in diesen Spiegel geschaut hätte, um zu sehen, ob da ein Radfahrer ist“, sagte der Polizeihauptkommissar.

Unter dem Video häuften sich schnell die Kommentare. „Oder man könnte einfach dafür sorgen, dass Radwege nicht im Nichts enden, Ampelschaltung anders gemacht werden, um Rechtsabbiegeunfälle zu vermeiden“, schrieb ein User.

Schlimmer Unfall am Hauptbahnhof: Beide Seiten geben bei Grün Gas

Update vom 1. Oktober, 12.15 Uhr:  Die Polizei hat jetzt Details zu dem Unfall veröffentlicht, der sich am Hauptbahnhof in München ereignet hat. Den Angaben zufolge war ein 51-jähriger Lkw-Fahrer mit seinem Sattelzug am Bahnhofsplatz in Richtung Schillerstraße unterwegs. An der Kreuzung zur Bayerstraße wollte er dann am ersten von zwei Fahrstreifen nach rechts abbiegen. Eine 32-jährige Radfahrerin war in der gleichen Richtung unterwegs. 

Die Frau hielt mit ihrem Rad vor der Front des Lkws und wartete auf grün. Noch während die Radfahrerin einen Fuß auf den Boden setzte, schaltete die Ampel und grün und der Sattelzug fuhr an. Die Zugmaschine stieß gegen die linke Seite des Fahrrads und schob das Rad gemeinsam mit der 32-Jährigen vor sich her. Die Radfahrerin verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte auf die Straße. Der Lkw überrollte die Frau und klemmte sie ein. Dadurch wurde die Radfahrerin lebensgefährlich verletzt. Ihr Zustand sei weiterhin äußerst kritisch, so die Polizei.

München: Großeinsatz am Hauptbahnhof - Fahrradfahrerin unter Lkw eingeklemmt 

Update vom 30. September, 21.00 Uhr: Nach einem schweren Unfall nahe dem Münchner Hauptbahnhof kommt es noch immer zu Verzögerungen im Busverkehr. Wie die Feuerwehr am Montagabend mitteilte, wurde bei dem Unfall eine Fahrradfahrerin unter der Vorderachse des Lkws eingeklemmt.

Als die Polizei und die Feuerwehr eintrafen, musste die Schwerverletzte mit einem Hebekissen unter dem Fahrzeug befreit werden. Nach kurzer Versorgungszeit vor Ort wurde die Frau mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Münchner Klinik transportiert. Um den Lkw-Fahrer kümmerte sich ein Kriseninterventionsteam. 

Die MVG teilte am Montagabend mit, dass einige Behinderungen im Busverkehr noch bis 21 Uhr andauern können. Betroffen sind die Linien 58, 68 und 100 im Bereich des Hauptbahnhofs.

Erstmeldung vom 30. September: Großeinsatz am Hauptbahnhof - Tram- und Busverkehr eingestellt

München - Nach einem Verkehrsunfall nahe des Hauptbahnhofs in München kommt es aufgrund eines Feuerwehreinsatzes derzeit zu erheblichen Einschränkungen im Bus- und Tramverkehr. Der Linienweg zwischen Hauptbahnhof und Karlsplatz ist unterbrochen.

Ersten Informationen der Polizei zufolge ist es am Bahnhofsvorplatz zu einem Unfall zwischen einem Lkw und einem Fahrradfahrer gekommen. Der Fahrradfahrer wurde dabei ersten Erkenntnissen zufolge schwer verletzt. 

München: Unfall am Hauptbahnhof - Großräumige Absperrung

Damit sich während der Unfallaufnahme kein Stau bildet, ist der Bereich derzeit großräumig abgesperrt.

Sämtliche Personen werden gebeten, in diesem Bereich auf U- und S-Bahnen auszuweichen sowie auf Lautsprecherdurchsagen zu achten. Die Polizei gibt bekannt, wenn die Maßnahmen beendet sind.

Video: Unfall am Hauptbahnhof München - Großräumige Absperrung

Bis alle Sperren aufgehoben sind, kann es laut Feuerwehr bis 20.30 Uhr dauern.

Sie möchten jeden Tag aktuell informiert sein? Dann melden Sie sich hier schnell und einfach für unseren kostenlosen Newsletter an.

---

Eine 22-jährige Münchnerin wurde schwer verletzt, als sie am Goetheplatz von einem Audi angefahren wurde.

Ein 23-Jähriger stürzte am frühen Samstagmorgen ins Gleis der Haltestelle Isartor. Zwei unbekannte Frauen versuchten verzweifelt, die S-Bahn zu stoppen. 

Heftiger Vorfall auch an der Donnersbergerbrücke: Eine 18 Jahre alte Frau wehrt sich nach einem eskalierenden Streit. Ein 21-Jährige nötigte sie kurz zuvor, dann wird er ins Gleisbett gestoßen.

Auf der A8 kam es bei Augsburg zu einem heftigen Lkw-Unfall - fünf Lastfahrzeuge waren beteiligt.

Auf der Staatsstraße 2095 hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Ein Großeinsatz lief an, die Strecke war gesperrt. Ein Unfall in Rosenheim beschäftigt erneut ein Gericht. Zwei Männer wurden bereits verurteilt - wollen das aber nicht akzeptieren. Das Gerichtsverfahren läuft.

kah

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streit zwischen Paar (66 und 27 Jahre) eskaliert - Polizisten bringen Baby in Sicherheit
Die Polizei in München wurde zum Beziehungsstreit eines 66-Jährigen und seiner Freundin (27) gerufen. Beide waren betrunken. Die Beamten fanden einen Säugling.
Streit zwischen Paar (66 und 27 Jahre) eskaliert - Polizisten bringen Baby in Sicherheit
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Ein Tourist aus China war am Marienhof mit seinem Leihwagen „falsch abgebogen“. Einen ähnlichen Vorfall gab es schon zuvor. Jetzt reagiert die Stadt.
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Münchnerin hört nachts Hilferufe - dann macht sie schlimme Entdeckung im Aufzugschacht
Seine Hilferufe haben ihn gerettet. In der Nacht zum Sonntag ist ein Mann in München in einen Aufzugschacht gefallen. Nun ermittelt die Polizei.
Münchnerin hört nachts Hilferufe - dann macht sie schlimme Entdeckung im Aufzugschacht
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung
Gegen den Gerichtskomplex in der Nymphenburger Straße in München gab es am Freitag eine Bombendrohung.
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung

Kommentare