Fünf Mitarbeiter von Luftfahrtunternehmen sitzen mit Schürzen hintereinander auf einer Bierbank, die Arme zu Flügeln geformt.
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Mitarbeiter aus Luftfahrtunternehmen helfen bei der Tafel München.

Piloten und Flugbegleiter sitzen am Boden fest

Helfen statt fliegen: Lufthansa- und Condor-Mitarbeiter unterstützen die Tafel

  • Lisa-Marie Birnbeck
    vonLisa-Marie Birnbeck
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Die Corona-Krise zwingt die Mannschaften der Lufthansa heuer dazu, ungewöhnlich lange am Boden zu bleiben. Einige Crew-Mitglieder machten aus der Not eine Tugend.

  • Die Corona*-Krise zwingt die Mannschaften der Lufthansa heuer dazu, ungewöhnlich lange am Boden zu bleiben.
  • Einige Crew-Mitglieder machten aus der Not eine Tugend.
  • Gemeinsam mit Mitarbeitern von Condor helfen sie bei der Essensausgabe der Münchner Tafel.

München* - Vier Flugbegleiter und ein Co-Pilot – eigentlich wären sie fast startklar zum Abheben. Doch anstatt Getränke im Flugzeug auszugeben und die Sicherheitshinweise zu erklären, verteilen die Mitarbeiter von Lufthansa und Condor jetzt Lebensmittel an Bedürftige. „Sonst sind es eben die Gäste in der Luft, jetzt auf der Erde“, sagt Jens Schröder (55) und lächelt herzlich – so, wie er es sonst über den Wolken immer macht.

Zusammen mit neun weiteren Kollegen hilft der Flugbegleiter bei der Münchner Tafel aus. Bereits seit drei Monaten ist Schröder dabei, erst an der Großmarkthalle und seit sechs Wochen an der neuen Ausgabestelle bei der Auferstehungskirche im Westend. Auf die Idee, sich bei der Tafel ehrenamtlich zu engagieren, hat ihn seine gute Freundin Daniela Schmid (49) gebracht. Sie arbeitet als Flugbegleiterin bei der Lufthansa.

Lufthansa-Mitarbeiter: Die meisten sind seit März nicht mehr geflogen

„Es war immer unser Traum, mal gemeinsam in der Business-Class zu arbeiten, aber das hat leider nie geklappt“, erzählt Schmid. Und Schröder ergänzt: „Was in der Luft nicht geklappt hat, holen wir jetzt am Boden nach.“

Die meisten hier sind seit März nicht mehr geflogen, schließlich mussten aufgrund der Corona-Krise die meisten Flugzeuge unten bleiben. Auf die Frage, ob ihnen das Abheben denn abgeht, antworten sie alle gleich: Und wie! „Es ist einfach ein Traumjob“, schwärmt Kerstin Traube. „Ich fühle mich derzeit wie ein Fisch auf dem Trockenen.“ Die 58-jährige Flugbegleiterin findet aber, dass ihr Job ihr hier hilft. „Ich begegne Menschen immer mit Herzlichkeit – egal ob in der Luft oder am Boden.“

Die Lufthansa hat in der Corona-Krise staatliche Hilfen bekommen, trotzdem erfolgt die Rückerstattung an Kunden nur zögerlich. Jetzt wird sie von der Bundesregierung kritisiert.

„Ich vermisse meine Lufthansa-Familie, aber dafür habe ich jetzt meine Tafel-Familie“

Seit März hilft Traube aus, die ehrenamtlichen Helfer sind zu einer kleinen Ersatzfamilie geworden: „Ich vermisse meine Lufthansa-Familie, aber dafür habe ich jetzt meine Tafel-Familie.“ Auch hier müssen alle zusammen anpacken, damit alles reibungslos klappt und die knapp 400 Menschen versorgt werden. „An Bord müssen wir auch innerhalb von wenigen Minuten zur eingespielten Crew werden“, erzählt Daniela Schmid.

Und dann geht es schon weiter und sie bietet einem älteren Mann eine Auswahl an Marmeladen an. „Was darf es denn sein?“ Eben fast so wie an Bord. „Es macht Spaß, wieder der Gastgeber zu sein“, sagt Jens Schröder und lächelt erneut – wie über den Wolken. (Lisa-Marie Birnbeck - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

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