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Grandioses Debüt beim Marathon: Bernadette Rotter und ihre Trainerin.

Grandiose Zeit hingelegt

Münchnerin über Marathon-Debüt: "Kenne den Schweinehund gar nicht"

München - Die Münchner Zahnärztin Bernadette Rotter absolviert ihr Marathon-Debüt unbeschwert und in einer grandiosen Zeit.

Bernadette Rotter ist richtig gut gelaunt. Sie hat ihren ersten Marathon geschafft. Und wie: Nach drei Stunden, elf Minuten und 36 Sekunden überquert die Münchner Zahnärztin die Ziellinie. Eine fantastische Zeit für eine Novizin. Es bedeutet Platz 14 unter knapp 1200 Frauen, die am Sonntag die 42,195-Kilometer-Distanz geschafft haben. Insgesamt finishen etwa 6000 Läufer den 30. München Marathon.

Man darf annehmen, dass sich die meisten wesentlich mehr gequält haben als Bernadette Rotter. Die 35-Jährige hat sich perfekt vorbereitet und bringt mit ihrer zierlichen Statur von 1,66 Meter und 50 Kilogramm Gewicht ideale körperliche Voraussetzungen mit. Rotter ist Genussläuferin und zählt zu einer beneidenswerten Spezies: „Den Schweinehund kenne ich gar nicht. Ich habe dieses Haustier nicht“, erzählt sie. Das umfangreiche Training ist für Bernadette Rotter keine Plage, sondern eine „willkommene Auszeit vom Alltag“.

Für alle Läufer und Zuschauer: Die Bilder vom München-Marathon

Dennoch weist sie keine typische Sportler-Biografie auf, was vielen Hobby-Läufern Mut machen sollte. Rotter ist vor drei Jahren während eines Urlaubs eher zufällig zum Laufen gekommen. Ihr Mann sei ins Fitness-Studio gegangen. Sie entschließt sich: „Bevor ich mich langweile, gehe ich laufen.“ Schnell merkt sie: „Das ist genau mein Sport.“ Mit ihrem Mann betreibt sie in Neuburg eine Zahnarztpraxis und wohnt nahe der Donau. Dort gibt es eine schöne Laufstrecke. Irgendwann macht die gebürtige Münchnerin eine sportmedizinische Untersuchung und einen Leistungstest an der TU. Ihr wird ein gezielteres Training nahegelegt. Sie lernt die ehemalige Profi-Läuferin Ingalena Heuck kennen, die sie unterstützt. Fortan trainiert die Zahnärztin strukturiert und achtet auch auf die Ernährung. „Beides muss passen“, erklärt Rotter.

Viele Läufer starten kostümiert, zum Beispiel in bayerischer Landestracht.

Im April dieses Jahres hat sie beim Halbmarathon (21,1 Kilometer) in Ingolstadt ihr Erweckungserlebnis. „Es war ein magischer Lauf – von der ersten bis zur letzten Minute“, sagt Rotter. „Runners High“ nennt man das – im Rausch der Endorphine. Für die 35-Jährige steht danach jedenfalls fest: „Es wäre schön, auch mal einen Marathon zu schaffen.“ Unter Anleitung von Ingalena Heuck bereitet sie sich gezielt zwölf Wochen vor. Der zeitliche Aufwand: fünf- bis sechsmal Training pro Woche; das Laufpensum: 80 bis 100 Kilometer pro Woche. Die Euphorie steigt, als sie vor etwa vier Wochen während eines Urlaubs in New York einen Halbmarathon in 1:27 Stunden absolviert und mit dieser Zeit das Rennen sogar gewinnt.

Am Sonntag nun also der München Marathon. Bernadette Rotter ist schon Tage zuvor richtig nervös. Nach dem Start legt sich dieses Gefühl. „Gänsehaut-Feeling“, berichtet sie. Es läuft gut, die Marathon-Novizin hält ihren Zeitplan akribisch ein. Ihr Ehemann radelt unterdessen kreuz und quer durch München und reicht ihr an fünf Versorgungsstationen Getränke und Essen. Erst ab Kilometer 35 wird es hart. Dennoch unterbietet Bernadette Rotter sogar noch die angepeilten 3:15 Stunden. Und das mit einem strahlenden Lächeln. „Ich bin richtig happy“, freut sie sich. Und ein Fernziel hat Rotter auch schon in Sicht: „Eventuell der New York Marathon.“ Klar, es ist das Mekka aller Marathonis.

Klaus Vick

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