Ein Reisender geht am Hauptbahnhof in München an einer MVV-Werbung vorbei
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Wer im-MVV Netz fährt, muss ab Dezember mehr zahlen.

Es wird deutlich teurer

MVV-Preishammer in München: Tariferhöhung kommt schon bald – Fahrgastverband fassungslos

  • Dirk Walter
    VonDirk Walter
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So sicher wie das Amen in der Kirche kommt die MVV-Tariferhöhung. Auch in diesem Jahr langt der Verkehrsverbund zu. Der Fahrgastverband Pro Bahn ist entsetzt.

München – Andreas Barth von Pro Bahn ist richtig sauer: Überfüllte Trambahnen und Busse, unzuverlässige S-Bahnen – und jetzt höhere Preise. „So wird das nichts mit der Verkehrswende“, kritisiert der Fahrgastvertreter. Um 3,7 Prozent – und damit noch deutlicher als im Vorjahr, als die Preise um durchschnittlich 2,8 Prozent nach oben kletterten – werden zum traditionellen Termin 12. Dezember (Fahrplanwechsel) die Ticketpreise im MVV-Gebiet angehoben.

So hat es die MVV-Gesellschafterversammlung am Freitag (17. September) beschlossen. In ihr haben die Stadt München, die MVV-Landkreise sowie der Freistaat Bayern Sitz und Stimme.

Fast alles wird teurer – Einzelfahrkarten ebenso wie die Streifenkarte und die Abos. So steigt der Preis für die Einzelfahrkarte (Kurzstrecke) um ein Zehnerl auf 1,80 Euro. Die Streifenkarte kostet künftig 60 Cent mehr (15,20 Euro). Zur Erinnerung: Bis Ende 2020 kostete sie noch 14 Euro, dann 14,60 Euro.

MVV München: Tariferhöhung am 12. Dezember 2021 – Grund laut OB Reiter „enorme Einnahmeausfälle“

Auch die Abonnenten werden für ihre Treue diesmal nicht belohnt, ihre Tickets verteuern sich um 3,6 bis 3,7 Prozent. So kostet eine IsarCard (Monat) für die Zone M in Zukunft 59,10 Euro. Das sind 2,10 Euro mehr als jetzt. Auch hier empfiehlt sich ein Blick zurück, um die Dimension der Preissteigerungen vergangener Jahre zu ersehen. Ursprünglich, mit der Umstellung des MVV-Systems Ende 2019 auf die sieben Zonen (M plus 6), kostete diese Monatskarte 55,20 Euro. Die Teuerung beträgt also in zwei Jahren sieben Prozent.

„Leider sind wir zu dieser Preiserhöhung vor allem aufgrund der gestiegenen Kosten, insbesondere der Lohnkosten, gezwungen“, erklärte OB Dieter Reiter (SPD), der Vorsitzender der MVV-Gesellschafter ist. MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch wies auf die Coronavirus-Pandemie hin, die dem MVV „enorme Einnahmeausfälle“ beschert habe.

Der MVV, so sagte er am Donnerstag (16. September) in kleiner Runde, hat je nach Landkreis 20 bis 30 Prozent der Fahrgäste verloren. Bei regionalen Eisenbahnen wie der BRB sind es sogar noch mehr: 30 bis 40 Prozent, schätzt der Geschäftsführer der Bayerischen Regiobahn (BOB, Meridian), Fabian Amini, dessen Unternehmen bei der Preiserhöhung wohl nachziehen wird.

Außerdem kündigten viele Abonnenten ihre Abos – geschätzt 20 Prozent, wie Rosenbusch sagte. In absoluten Zahlen: Es fehlen 70.000 Abonnenten. Dritter Faktor, der negativ zu Buche schlägt: Nicht nur die Münchner Hotels merken, dass die Touristen noch nicht im früheren Ausmaß zurückgekehrt sind: Auch der MVV ist ein Leidtragender.

MVV München: Tariferhöhung am 12. Dezember 2021 – „Kosten auf die Fahrgäste abgewälzt“

All dies kann der Bahnexperte der Landtags-Grünen, Markus Büchler, gut nachvollziehen. Einverstanden mit der Erhöhung ist der Abgeordnete aus Oberschleißheim trotzdem nicht. „Das Problem ist, dass gestiegene Kosten immer nur auf die Fahrgäste abgewälzt werden.“

Die Alternative wäre nach Ansicht Büchlers, die Zuschüsse durch Stadt, Landkreise und Freistaat zu erhöhen. Doch fehle dem ÖPNV auch eine „dritte Finanzierungssäule“. Der Vorschlag des Abgeordneten: Parkgebühren in der Stadt, später auch eine City-Maut, könnten zweckgebunden in den MVV-Etat umgeleitet werden. (dw)

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