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Die "Ur-Hölle" im Wiederaufbau auf der Praterinsel.

Berggeschichte auf der Praterinsel

Die Höllentalangerhütte steht jetzt mitten in München

München - Es ist ein Stück Berggeschichte, das der Deutsche Alpenverein heuer auf die Praterinsel geholt hat: Stück für Stück baut er auf seinem Grundstück die originale Höllentalangerhütte aus dem Wettersteingebirge wieder auf. Die wurde 2013 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Vor 122 Jahren, am 16. Juni 1894, öffnete sie zum ersten Mal ihre Türen – in knapp 1400 Metern Höhe zwischen Osterfelderkopf, Alpspitze und Waxenstein. Nun hat die „Ur-Hölle“ vom Höllentalanger auf der Praterinsel mitten in München ein neues Zuhause gefunden, der Wiederaufbau hat bereits begonnen. Ab 2017 soll sie als Teil einer Ausstellung des Alpinen Museums begehbar sein. Ein greifbares Stück Geschichte.

Großer Andrang am Berg: 1894 weihte der Deutsche Alpenverein die Höllentalangerhütte ein.

Als das Unterkunftshütterl 2013 unter anderem aus Brandschutzgründen einem kompletten Neubau weichen musste, sorgte das bei einigen DAV-Mitgliedern für Unmut. „Damals gab es große Diskussionen, weil viele nicht wahrhaben wollten, dass die Hütte abgerissen werden muss“, erzählt Robert Kolbitsch vom DAV. Man habe sogar das Denkmalamt um eine Prüfung bemüht. „Sie befanden die Hütte allerdings nicht für schutzwürdig.“ Also überlegten sich die Alpinisten eine andere Lösung. „Wir ließen die Hütte von innen wie von außen mit Kameras scannen“, erklärt Kolbitsch. „Dabei wurde jedes einzelne Bauteil erfasst und numeriert.“ Insgesamt handle es sich um mehr als 1000 Elemente. Die habe man anschließend per Flieger abtransportiert und in Lenggries zwischengelagert. Nun soll sich das Originalgebäude exakt rekonstruieren lassen.

„Ursprünglich war die Hütte ein sechs Mal sieben Meter großer Blockhausbau“, sagt Günther Manstorfer, Erster Vorsitzender der DAV-Sektion München. „Im Erdgeschoss gab es ein Matratzenlager mit zehn Schlafplätzen, einen Ofen, einen Schrank, Tische und Bänke.“ Im Dachraum hatten weitere 20 Mann Platz, im Keller lagerte das Bier. Da das Hütterl bei den Wanderern schnell an Popularität gewann, war es für den Andrang bald nicht mehr groß genug. Im Lauf der Jahre wurde es immer weiter ausgebaut. In den 20er-Jahren errichtete der DAV schließlich ein neues Haus, das die alte Blockhütte vollständig umschloss. „Sie war im späteren Gebäude komplett versteckt“, sagt Robert Kolbitsch. „Das Untergeschoss wurde noch als Waschküche genutzt, das Obergeschoss als Notlager.“

Ganz vollständig ist die „Ur-Hölle“ heuer leider nicht mehr erhalten. Einige Flächen fehlen, auch Fenster und Türen. Das soll den Besuchern des Alpinen Museums nicht vorenthalten werden. „Es ist kein klassisches Restaurationsprojekt, wo wir den historischen Originalzustand komplett wiederherstellen“, so Kolbitsch. „Wir möchten die Hütte so zeigen, wie wir sie vorgefunden haben.“ Fehlendes soll deswegen nicht pseudo-historisch nachgebaut, sondern durch Teile aus Cortenstahl ersetzt werden. Dabei handelt es sich um einen unbehandelten Spezialstahl, der im Lauf der Zeit unter oberflächlichem Rost eine Schutzschicht bildet, die das Objekt vor stärkerem Verfall durch Wettereinfluss bewahrt.

Robert Kolbitsch geht es vor allem darum, den individuellen Charakter des historischen Häuschens zu bewahren, „das Zusammenspiel aus der Einfachheit der Ausstattung, der räumlichen Beengtheit und dem einzigartigen Standort, den es einst hatte.“ Im Rahmen der Museumsausstellung soll es die Entwicklung der Berghütten von einst illustrieren.

Das Richtfest ist für Donnerstag, 7. Juli, geplant. „Der Holzbau wird bis dahin fertig sein“, sagt Kolbitsch. „Die Stahlteile werden bis August oder September ergänzt.“

Wie die neue Höllentalangerhütte jetzt aussieht sowie Bilder vom Richtfest sehen Sie hier in der Fotostrecke.

Marian Meidel

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