Der Hof der Residenz
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Netze sollen denkmalgeschützte und repräsentative Gebäude vor Verschmutzungen durch Tauben schützen – auch vor der Münchner Residenz ist so ein Netz gespannt.

Raubvogel verfängt sich in Netz

Tier-Tragödie an der Residenz in München - Prächtiger Raubvogel verendet elend

  • Daniela Pohl
    VonDaniela Pohl
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Ein Turmfalke hat sich im Taubenschutznetz an der Residenz verfangen und ein qualvolles Ende gefunden. Tierschützer schlagen Alarm. Auch in der Stadtpolitik sorgt das Netz für Kritik.

München - Regungslos hängt der Vogel im Netz, seine Krallen haben sich in den Maschen verheddert. Für den Turmfalken, der in die Taubenabwehr an der Außenmauer der Residenz geflogen ist, kommt jede Hilfe zu spät.

Beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) sorgen diese Bilder für Erschütterung. Die Stellvertretende Geschäftsführerin Dr. Sophia Engel bestätigt, dass es sich bei dem Tier um einen Turmfalken handelt – eine besonders geschützte Art. „Es ist traurig und unnötig, dass er sein Leben lassen musste“, sagt Engels. Laut Bundesnaturschutzgesetz sei es „verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten“. Der LBV werde sich diesbezüglich an die Untere Naturschutzbehörde wenden.

Sophia Engel, Landesbund für Vogelschutz Bayern

München: Toter Falke an der Residenz - Hausherr äußert Verdacht

Der Hausherr erfährt laut eigener Aussage erst durch Anfrage unserer Zeitung von dem toten Tier. „Bisher war uns der Vorfall, den wir sehr bedauern, nicht bekannt“, teilt eine Sprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung mit. Die Bergung des Tieres sei veranlasst. Das Netz sei schon seit zwei Jahren an der Fassade montiert. „Es sind darin keine Löcher zu erkennen. Wir können daher derzeit nicht erklären, warum sich der Vogel in dem Netz verfangen hat.“

Engel vermutet, dass der Falke auf einem der Simse hinters Netz gelangt ist. „Möglicherweise war er auf der Suche nach einem Nistplatz.“ In jedem Fall sei es dringend notwendig, den Einschlupf zu finden und zu sichern, damit sich so etwas nicht wiederholen könne.

Dieser Turmfalke verendete im Taubenschutznetz an der Residenz. 

Taubenschutznetze in München „moralisch höchst fragwürdig“?

Taubenschutznetze sorgen immer wieder für Diskussionen. So hält die ÖDP im Stadtrat den Einsatz von „Fangnetzen“ und Taubenspikes (Metallstifte) für „moralisch höchst fragwürdig“. Das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) verteidigt die Maßnahmen. Die Netze dienten nicht dem Fangen von Tieren, sondern dem Schutz von Passanten und Gebäuden vor Taubenkot.

Dennoch will das RKU verstärkt auf Taubenhäuser setzen, um die Vogelpopulation zu kontrollieren. Das geht aus einem Beschluss des Ausschusses für Klima- und Umweltschutz zum Thema Stadttauben vom 21. September hervor. In einem Taubenhaus würden die Tiere artgerecht versorgt, es werde regelmäßig gereinigt und der größte Teil der gelegten Eier werde durch Attrappen ausgetauscht. Aktuell gibt es 19 Taubenhäuser in der Stadt – weitere sind geplant.

Auf Anregung der ÖDP/München-Liste soll ein Konzept erstellt werden, das die Errichtung von Taubenhäusern auf privaten Grundstücken unbürokratischer und einfacher machen soll. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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